Dem Himmel ganz nah

Mit kleinen Fliegern aus Papier fing bei Peter Goldmann alles an. Inzwischen ist daraus eine riesige Leidenschaft geworden, für die der Borstendorfer auch schon viele Kinder begeistern konnte.

Borstendorf.

Segelflieger, die zum Gleiten von einem Schlepper hoch in die Luft gezogen werden, und motorisierte Flugzeuge, die am Himmel wahre Kunststücke vollbringen - all das ist am Sonntag auf dem Oederaner Flugplatz zu erleben. Allerdings in Miniaturformat, denn bei der 10 Uhr beginnenden Veranstaltung handelt es sich um die sächsische Jugendmeisterschaft im Modellfliegen. Mit 54 Jahren ist Peter Goldmann dafür längst zu alt, und doch ist der Borstendorfer voll bei der Sache. Schließlich wird er mit seinen Schützlingen mitfiebern, die er einst in seiner Grundschul-AG für dieses Hobby begeistern konnte und die mittlerweile für den Modellflugverein Oederan zu großen Wettkämpfen antreten.

An Meisterschaften hat Peter Goldmann nicht mal im Traum gedacht, als er vor zwölf Jahren mit Kindern kleine Flieger aus Papier faltete und diese die Treppe hinunter segeln ließ. Der gelernte Schuhfertigungsfacharbeiter, der einst in Eppendorf für Salamander gearbeitet hatte, war damals im Zuge einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für die Gemeinde im Einsatz. Und er wurde dabei zufällig von einer Lehrerin beobachtet. "Warum nicht eine AG daraus machen, hat sie dann zu mir gesagt", erinnert sich Goldmann. Eine tolle Idee, denn "Fliegerei war schon immer meine Sache", sagt der Borstendorfer, der schon als Kind häufig einen Nachbarn beim Modellflug beobachtet hatte. Den ein oder anderen Bausatz, der zu DDR-Zeiten "nur mit Glück zu bekommen" war, hatte er auch schon montiert. Doch fortan wurde es mit der Bastelei und Fliegerei ernst.


"Anfangs war ich den Kindern nur zwei, drei Schritte voraus", blickt der 54-Jährige zurück. Da war ja auch noch nicht klar, ob das Projekt eine Zukunft hat. In der ehemaligen Borstendorfer Schule, in der sich die Kinder der Grundschule Leubsdorf wöchentlich trafen, war es in den ersten zwei Jahren den Winter über kalt. "Aber dann haben wir alle überzeugt, und die Heizung wurde wieder auf Vordermann gebracht", sagt Goldmann, der inzwischen als technischer Mitarbeiter für die Gemeinde tätig ist.

Mittlerweile ist er auch ein echter Experte für den Flugmodellbau. "Wir bauen die Flieger selbst zusammen. Mitunter nehmen wir dazu auch alte und kaputte Modelle, so lernen die Kinder gleich das Reparieren", erklärt der Borstendorfer. Als Fluglehrer bringt er den AG-Mitgliedern - derzeit sind es 14 Schüler der Klassenstufen 1 bis 4 - dann das Einmaleins bei: "Wie lässt sich ein Segelflugmodell starten? Was ist bei Seitenwind zu tun?"

Sowohl Peter Goldmann als auch dem Nachwuchs ist die Faszination anzumerken, die alle vereint. Inzwischen sind ihm einige Schützlinge in gewissen Dingen sogar voraus. Vor allem diejenigen, die nach dem Grundschulalter der AG treu blieben. Dazu gehören beispielsweise der 15-jährige Nils Nürnberger aus Grünhainichen und der zwölfjährige Alec Fahsel aus Borstendorf. Beide werden am Wochenende in Oederan antreten, wo am Samstag zunächst ein gemeinsames Trainingscamp ansteht. Dies passt zur familiären Atmosphäre unter den Modellfliegern, wie Alec Fahsel erklärt: "Es gibt eigentlich keine Konkurrenz, wir haben alle Spaß." Jeder fühlt sich wie im siebenten Himmel, sobald der Flieger mehrere hundert Meter in der Luft ist.

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