Der Jubel bleibt aus

In Zschopau waren gestern Nachmittag die Straßen wie leer gefegt. Wie überall im Erzgebirge saßen die Leute vorm Fernseher, um Deutschlands Fußballern die Daumen zu drücken.

Zschopau.

Gestern, 16.30 Uhr: Die Terrasse der Pizzeria Napoli am Zschopauer Neumarkt ist gut gefüllt. Dirk Kersken hat einen Fernseher aufgestellt und den Außenbereich mit Wimpeln geschmückt. Etwa 25 Fußball-Fans haben sich eingefunden, um die Partie gegen Südkorea gemeinsam zu verfolgen. "Genauso habe ich es mir vorgestellt", sagt der Inhaber. Auch Gast Enrico Hamann ist von der Atmosphäre angetan. Das Spiel lässt für den Familienvater, der mit Frau und Sohn gekommen ist, allerdings noch zu wünschen übrig.

Auf Schloss Wildeck fotografiert eine Mutter ihre kleine Tochter vor dem Bergfried. Ansonsten ist hier niemand zu sehen. Auch das Café wirkt wie leer gefegt. "Bis vier war hier noch reger Betrieb", sagt Carmen Seifert vom Förderverein Schloss Wildeck. Normalerweise sei um diese Zeit auch noch eine Handvoll Kollegen vor Ort. Dank Seifert können aber auch sie das Spiel anschauen. "Ich habe mich freiwillig bereit erklärt, die Stellung zu halten. Ich bin kein Fußballfan."

Im Döner-Imbiss Istanbul auf der Rudolf-Breitscheid-Straße ist Sinan Oduncu überrascht. "Gerade habe ich noch zu meinem Kollegen gesagt, dass heute bis 18 Uhr sicher keiner kommen wird", sagt der Inhaber. Da steht plötzlich doch ein junger Mann im Laden. Ein Kumpel halte ihn per Handy auf dem Laufenden, erzählt der Kunde. Die zweite Halbzeit wolle er sich dann allerdings auch selbst anschauen. Sinan Oduncu wiederum ist egal, dass er das Spiel nicht sehen kann: "Fußball interessiert mich nicht."

Das trifft auch auf Doreen Lohse zu. "Sonst ist mehr los. Nur in der Halbzeitpause wurde Nachschub geholt", sagt die Verkäuferin, die im Trink-Paradies Am Gräbel hinter der Kasse steht. "Es waren wenige da. Aber zur letzten WM waren die Straßen leerer", sagt Thomas Uhlitzsch, Pächter der Star-Tankstelle an der Chemnitzer Straße. "Na ja, was soll's. Die Erde dreht sich weiter", meint Uhlitzsch nach dem 0:2 und dem WM-Aus der DFB-Elf.

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