Deutschunterricht der etwas anderen Art

Über Besuch aus Berlin hat sich in dieser Woche das Zschopauer Gymnasium gefreut. Zwei Künstler zeigten dabei, dass sich trockener Stoff auf lustige Weise vermitteln lässt.

Zschopau.

Dass Schüler am Ende einer Unterrichtseinheit "Zugabe, Zugabe" rufen, dürfte nicht allzu oft der Fall sein. Am Zschopauer Gymnasium ist es in dieser Woche aber tatsächlich passiert - und zwar gleich mehrfach. Allerdings handelte es sich dabei auch nicht um normale Stunden. Statt eines Lehrers hatten mit Detlev Rose und Christian Georgi zwei Künstler aus Berlin das Sagen. In der Aula des Gymnasiums erteilten sie jeweils 120 Schülern Deutschunterricht der etwas anderen Art - gewürzt mit Musik und jeder Menge Humor.

Während sich die Fünft- und Sechstklässler über Fabeln amüsierten, brachte das Künstlerduo den Jugendlichen der elften und zwölften Klassenstufe Stoff von Heinrich Heine näher. Am zweiten Tag folgte ein Balladenprogramm für die Siebt- und Achtklässler. Außerdem hatten sich die Berliner noch etwas für die beiden Zschopauer Grundschulen einfallen lassen, die anschließend in der Aula zu Gast waren. "Wenn man schon mal eine lange Reise macht, dann soll sie sich auch lohnen", erklärte Christian Georgi, der auf der Bühne zumeist seinem Partner das Reden überließ. Während er Flöte und Saxophon spielte, faszinierte Detlev Rose das junge Publikum mit Gitarre und Gesang, vor allem aber mit einfallsreichen Sprüchen.

In Reimen und Melodien verpackt, brachte das Duo den Schülern Stücke näher, bei denen so mancher im normalen Unterricht lieber aus dem Fenster geschaut hätte. In der Aula aber waren alle Blicke nach vorn gerichtet, um den nächsten Gag nicht zu verpassen. Als Rose anhand der anwesenden Lehrer - vier Frauen und ein Mann - die Entwicklung des männlichen Geschlechts hin zur Randgruppe nachwies, konnte nicht einmal der Berliner selbst die "aufkommende Heiterkeit" verstehen. Dafür genoss Rose umso mehr die "Fürchterliche Ballade", die er gemeinsam mit den Schülern sprach. Um die Paarreime perfektzumachen, war in der zweiten Zeile stets ein "Ummodeln der Vokale" notwendig. Es entstanden Wörter, die ebenso gut ankamen wie die sächsische Ski-Version des Rolling-Stones-Liedes "Angie": "Een Schi is besser als keen Schi."

Dass sie während der 70 Minuten auch den Zauberlehrling mitgesungen hatten, mögen einige der Schüler gar nicht richtig wahrgenommen haben. So locker war die Atmosphäre, zu der Georgi mit einer echten Zauberflöte beitrug. Ein ganzes Orchester konnte er mit seinem elektronischen Blasinstrument imitieren. "Die Musik ist auch sehr wichtig", sagt der Berliner, der sich der Aufmerksamkeit der Zschopauer Schüler stets sicher sein konnte. "Hier hat man das Gefühl, dass die Welt noch in Ordnung ist", sagt Georgi, der in Großstädten auch andere Erfahrungen gemacht hat und Auftritte sogar unterbrechen musste.

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