Diskussion um Freibad ebbt nicht ab

Eine Borstendorferin kritisiert in einem offenen Brief die Verwaltung und stellt einen Ratsbeschluss infrage. Grünhainichens Bürgermeister weist die Vorwürfe zurück. Nun soll eine Entscheidung fallen.

Grünhainichen.

Heidi Swigon ist unzufrieden, verbittert. Die Borstendorferin will nicht, dass das 50-Meter-Becken im Freibad ihres Heimatortes verkleinert wird. Und sie will auch nicht, dass auf dem Gelände des im März 2017 aus Kostengründen geschlossenen Grünhainichener Bades eine Schule gebaut wird, sondern ein Naturbad entsteht. In der Diskussion um die geplante Verkürzung des Beckens in Borstendorf, für die der Gemeinderat am heutigen Donnerstag die Bauleistungen vergeben soll, stellt die 54-Jährige einen für die gesamte Gemeinde richtungsweisenden Ratsbeschluss in Frage: "Der Neubau einer Grundschule ist nicht der richtige Weg."

Nachdem Swigon ihre Meinung in einer Einwohnerfragestunde kundgetan hatte, wandte sie sich nun mit einem offenen Brief an die "Freie Presse". Sie sei gegen den Schulneubau, "weil ich nicht glaube, dass unsere Ortsteile dadurch näher zusammenwachsen werden. Im Gegenteil", schreibt sie.

Sascha Aurich

Aurichs Woche:Der „Freie Presse“-Sonntagsnewsletter von Sascha Aurich

kostenlos bestellen

Die für den Neubau veranschlagten Kosten hätten sich inzwischen schon fast verdoppelt, sodass für sanierungsbedürftige Einrichtungen in den drei Ortsteilen weniger Geld zur Verfügung stehen werde, heißt es weiter. Der Ausbau eines vorhandenen Gebäudes zur Schule sei deshalb der bessere und kostengünstigere Weg, behauptet die seit 33 Jahren in Borstendorf lebende, gebürtige Grünhainichenerin.

Robert Arnold weiß um den Unmut der Frau. "Wir haben schon einige Gespräche mit Frau Swigon geführt und mehrfach versucht, ihr die Notwendigkeit der Entscheidungen zu erläutern", sagt der Bürgermeister. An dem noch unter seinem Vorgänger beschlossenen Vorhaben, auf dem einstigen Freibadgelände eine Grundschule und eine Turnhalle zu errichten, gebe es nichts zu rütteln: "Die Planung ist so weit vorangeschritten, dass es kein Zurück mehr gibt." Der Grundschulneubau werde zu 65 Prozent aus Mitteln des Landesprogramms Kleinere Städte und Gemeinden (KSP) gefördert. "Das ist der höchstmögliche Fördersatz, dafür haben wir lange gekämpft." Dafür sei auch das KSP-Fördergebiet mit Pockau-Lengefeld, Marienberg und Leubsdorf entstanden.

Jetzt, drei Jahre vor der geplanten Eröffnung der Einrichtung, die Debatten über den Ausbau vorhandener Gebäude wieder aufzuwärmen, sei nicht zielführend. Arnold: "Alle in Frage kommenden Standorte wurden detailliert bau- und finanztechnisch geprüft und abgewogen." Die Sicherung des Schulstandorts sei entscheidend für die Zukunft der Gemeinde. Dass aus den zunächst avisierten 6,4 Millionen Euro rund acht Millionen geworden sind, begründet der Bürgermeister mit der Preissteigerung im Baugewerbe: "Die Kosten für den Ausbau der ehemaligen Mittelschule Borstendorf wären genauso gestiegen."

Swigons Vorwurf, die Gemeinde setze die Zukunft des Borstendorfer Bades und anderer Sportstätten aufs Spiel, weist Arnold zurück: "Wir tun alles uns Mögliche, um das Bad zu erhalten." Das hätten die umfangreichen Sanierungs- und Verschönerungsarbeiten in den vergangenen Jahren gezeigt. Die geplante Verkleinerung des Beckens auf 33 Meter, wodurch das Bad attraktiver, kostengünstiger und damit zukunftsfähiger gemacht werden soll, sei ein weiterer Beweis dafür, dass die Anlage der gesamten Gemeinde nicht egal sei. "Wir müssen das Gleichgewicht finden zwischen dem, was wir uns leisten können, und dem, was die Bürger wollen", betont Arnold und verweist auf die Besucherzahlen im Vorjahr, die mit 6500 Badegästen deutlich unter den Erwartungen geblieben waren. An anderen Sportstätten in den drei Ortsteilen würden ebenfalls nach und nach Erhaltungsmaßnahmen vorgenommen.

Heidi Swigon überzeugt das nicht. "Wir werden nicht zulassen, dass unser Bad verkleinert wird", sagt die 54-Jährige, die laut eigenen Angaben eine Gruppe von etwa zehn überwiegend älteren Freizeitschwimmern vertritt, die regelmäßig im 50-Meter-Becken des Schachdorfes ihre Bahnen ziehen. "Ich werde um das Bad kämpfen." Zudem werde sie sich für den Erhalt des Grünhainichener Bades als Naturbad einsetzen, so die Borstendorferin, die bei den Wahlen am 26. Mai für den Gemeinderat kandidiert.

"Ich würde mir wünschen, dass die Kraft von Frau Swigon und ihren Mitstreitern eher dahingeht, einen Förderverein für unser Freibad zu gründen. Das wäre ein wichtiger Schritt in die Zukunft. Und ebenso ein wichtiger Blick nach vorn statt andauernd nur zurück", so Bürgermeister Arnold.

Die Gemeinderatssitzung findet am heutigen Donnerstag, 19 Uhr im ehemaligen Rathaus Borstendorf statt. Weitere Themen sind die Ausstattung des Bauhofs für Mäharbeiten und Winterdienst sowie die Einwohnerfragestunde.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...