Dörnthaler erlebt nach 23 Jahren zum ersten Mal wieder Winter

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Gerd Eilzer ist selbst ernannter Weltbürger. Den Elektromonteur hat es in viele Gegenden der Welt verschlagen. Vor allem in die Dominikanische Republik, seine zweite Heimat.

Dörnthal.

Der Dörnthaler Gerd Eilzer liebt seine Heimat, das Erzgebirge. Derzeit genießt er dort, wo er seit seiner Geburt wohnt, den Winter. Zum ersten Mal seit 23 Jahren wieder. Denn solange war der gelernte Elektromonteur beruflich in Europa, Amerika, Afrika und Asien unterwegs und zwischenzeitlich nur wenige Wochen oder gar nur Tage zuhause. "Ich fühle mich mittlerweile als Weltbürger", sagt der 58-Jährige, der anfangs so gar keine Lust hatte, außerhalb Deutschlands zu arbeiten.

Zunächst lernte Gerd Eilzer in Lichtenberg Elektromonteur für Schaltanlagen. "Mein Vater hatte mir schon eine Lehrstelle als Autoschlosser bei Lada besorgt. Aber das wollte ich nicht", erinnert sich der Dörnthaler, für den es noch während der Ausbildung heraus aus der Heimat ging. DDR-weit war er mit anderen Lehrlingen und Lehrmeistern unterwegs und baute Schaltanlagen. Nach Abschluss der Ausbildung wurde er übernommen. "Wir bauten vorrangig im Süden der DDR Hochspannungsschaltanlagen; waren beispielsweise viel in der Lausitzer Kohlegegend. Aber auch bei der Erweiterung der Schaltanlage für den Betrieb der Bobbahn Altenberg war ich dabei", so Gerd Eilzer, für den die Wende auch Veränderungen mit sich brachte.

Zunächst wurde der volkseigene Betrieb, in dem er arbeitete, von einem in der Schweiz ansässigen Energie- und Automatisierungstechnikkonzern übernommen. Gerd Eilzer arbeitete für seinen neuen Arbeitgeber, der in rund 120 Ländern der Erde tätig ist, zunächst überwiegend in den alten Bundesländern. Bis etwa 1996. Dann, so Eilzer, gab es in Deutschland nicht mehr genug Arbeit für alle Mitarbeiter. Weil er ledig und ungebunden war, bekam der Dörnthaler das Angebot, für das Unternehmen im Ausland tätig zu werden.

"Zunächst war ein Projekt in der Dominikanischen Republik in Aussicht", so Gerd Eilzer. Da er ein Faible für die dortige Amtssprache Spanisch hatte und diese sowieso einmal lernen wollte, nahm er an. Es folgte ein Crashkurs: Zwei Wochen, zwei Lehrer, ein Schüler. "Das war hart", so Gerd Eilzer. Aus der Dominikanischen Republik wurde aber vorerst nichts. Das Projekt verschob sich, und Gerd Eilzer wurde zunächst nach El Salvador geschickt. Sechs Jahre nach einem Bürgerkrieg mussten dort sieben Umspannwerke gebaut werden. "Ich war acht Monate dort. Wir, drei Deutsche und ein Argentinier, haben fast durchweg zwölf Stunden am Tag an sieben Tagen die Woche durchgearbeitet. Da blieb wenig Zeit, um Land und Leute kennen zu lernen", blickt der Erzgebirger zurück.

Anschließend ging es doch noch in die Dominikanische Republik. Anderthalb Jahre mit einem Urlaub in Dörnthal. Danach war es Mexiko, wo Gerd Eilzer Schaltanlagen bauen durfte. "Ich konnte in der Freizeit mit dem Auto ganz Mexiko erkunden", so Eilzer, der von einer direkt neben einem VW-Werk gelegenen Baustelle sehen konnte, wie die Käfer vom Band liefen. Dort, auf der Baustelle, erlebte er auch sein erstes schweres Erdbeben. "Stärke 6 bis 7. Das andere Extrem zum Hurrikan George, der in der Dominikanischen Republik während meines Aufenthalts tobte", erinnert sich Eilzer.

Zurück aus Mexiko, legte der Elektrofachmann im Jahr 2000 eine mehrmonatige Pause ein. Eine Kombination aus mehr als 1000 Überstunden und Urlaub erlaubte es ihm, ein Haus in Dörnthal zu bauen.

Als das fertig war, wurde er in den Sudan, nach Afrika, geschickt. "Anfangs sollten wir in Jahresfrist eine Freiluftschaltanlage bauen. Letztlich sind daraus 20 Anlagen und knapp acht Jahre geworden", so Eilzer, der danach nach Asien weiterzog: Beim größten Auftrag der Firmengeschichte im Wert von rund 350 Millionen Euro wirkte er als Oberbauleiter in Katar mit. Ehe er jetzt krankheitsbedingt wieder nach Dörnthal zurückkehrte, begann Gerd Eilzer ein weiteres Großprojekt in der Dominikanischen Republik, seiner zweiten Heimat, wie er das zentralamerikanische Land mittlerweile nennt.

Irgendwann, so sagt Gerd Eilzer, will er ein Buch über seine Erlebnisse in der Welt schreiben. Mit dem Notieren von Stichpunkten dazu hat er bereits begonnen. Darunter sind Dinge zu finden, die ihn besonders beeindruckt haben. In Katar beispielsweise die rasante Baugeschwindigkeit. "Alle drei Monate veränderte das Land dank wenig Bürokratie sein Gesicht", sagt Eilzer. Aber auch das strikte Alkoholverbot im Sudan wird er in seinem Buch thematisieren, so Eilzer, der dort kurzerhand mit aus Deutschland geschmuggelten Zutaten monatlich rund 20 Liter Bier braute. "Auch in Katar war es schwierig, an Bier zu kommen. Nur in einem einzigen Geschäft konnte man Alkohol kaufen. Dazu brauchte es einen speziellen Ausweis, für den auch der Arbeitgeber sein Okay geben musste", so Eilzer.

Neben dem Buchprojekt verfolgt Gerd Eilzer noch einen weiteren Gedanken beim Blick auf den nicht mehr allzu fernen Ruhestand. "Ich habe Menschen gesehen, die auf Müllkippen gewohnt und vom Müll gelebt haben", so der Dörnthaler. Um Not, Elend und Armut ein wenig zu begegnen, könnte er sich daher vorstellen, Menschen vor Ort ehrenamtlich auszubilden und damit ein Rüstzeug für selbstbestimmtes Leben zu geben. Zudem möchte der Weltbürger 2022 nach Katar zurückkehren. Als Zuschauer bei der Fußball-Weltmeisterschaft.

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