Ehrengast freut sich schon auf Lieblings-Vorabendserie

Im Zschopauer Seniorenzentrum ist gefeiert worden. Mittendrin: Helene Bottke, die dort sehr gern in ihrer Wohnung lebt.

Zschopau.

Als De Hutzenbossen das Steigerlied singen, hält es die meisten Senioren zwar noch auf ihren Plätzen, aber Stimmung kommt auf, und sie fangen an zu schunkeln. Im Eingangsbereich des Seniorenzentrums Zschopau sitzt ein Großteil der Bewohner unter Sonnenschirmen an Tischen, trinkt Sekt, isst Gegrilltes vom Wildschwein und feiert "100-Jähriges". "Es gibt uns noch nicht 100 Jahre. Aber wir haben gleich mehrere Jubiläen in diesem Jahr, und zusammen ergibt sich daraus die Zahl 100", berichtet Kerstin Hasler, Einrichtungsleiterin im Zschopauer Seniorenzentrum.

Gefeiert wurden 20 Jahre Kurzzeitpflege und 20 Jahre Tagespflege. Seit 20 Jahren trägt die Einrichtung ihren Namen, seit 15 Jahren wird ausgebildet, vor 10 Jahren wurde der ambulante Pflegedienst gegründet, und seit 15 Jahren werden sieben Wohnungen im Haus vermietet.

Helene Bottke war die erste Bewohnerin einer Mietwohnung. Beim Fest in dieser Woche hatte sie sich einen Platz in der Nähe der Bühne zwischen anderen Bewohnern und Gästen ausgesucht. Sie lebt auf 59 Quadratmetern. "Ich bin zufrieden, sonst wäre ich nicht so lange hiergeblieben", sagt die 95-Jährige. "Als wir eingezogen sind, waren wir eine lustige, unternehmungsfreudige Gruppe von fünf Frauen. Wir haben mehrere Jahre nebeneinander gewohnt und viel unternommen. Leider leben die vier anderen nicht mehr. Die jetzigen Mieter wohnen oftmals nur kurz hier, bevor sie in die Vollzeitpflege wechseln", sagt sie. Verwandtschaft hätte sie kaum mehr. "Mein Cousin hilft mir viel. Darüber freue ich mich." Ihre beiden Enkelkinder, mit denen sie 14-tägig telefoniert, wohnen in Spanien.

Bis vor zwei Jahren, als sie plötzlich am Grauen Star erkrankte, erledigte sie sämtliche anfallenden Arbeiten selbstständig. "Jetzt nehme ich die Angebote des Seniorenzentrums an und esse im Heim mit. Wäsche wasche ich aber noch selber, und beim Aufhängen im Wäscheraum hilft mir meistens eine Schwester", sagt Helene Bottke, die inzwischen ein Auge operieren lassen hat. "Die Operation ist gut verlaufen, die nächste erfolgt im November", sagt sie und hofft darauf, ihre Lieblingsvorabendserie "Gute Zeiten - schlechte Zeiten" wieder richtig sehen zu können.

Neben De Hutzenbossen hatten die Hortkinder der Grundschule "Am Zschopenberg" einen Auftritt und bereiteten den Senioren mit Kinderliedern, Gedichten und musikalischen Einlagen Freude. "Die Hortkinder gestalten alle zwei Monate die Geburtstagsfeiern der Senioren. Kinder vom Kindergarten aus Schlößchen kommen regelmäßig zu uns und basteln und singen mit den Senioren in der Tagespflege", sagt die Einrichtungsleiterin. Mit der August-Bebel-Schule gebe es ebenfalls eine sehr gute Zusammenarbeit. "In den vergangenen zwei Jahren wurde richtig was auf die Beine gestellt. Es gab zwei Neigungskurse, die jetzt leider eingestellt wurden, was ich sehr bedaure. Aber ich hoffe, dass eine Arbeitsgemeinschaft daraus gegründet wird. Die Schüler backen beispielsweise mit den Senioren. Für eine Ausfahrt nach Augustusburg sind kürzlich viele Schüler als Betreuer mitgekommen. Die Besuche der Kinder tun den Senioren gut",, sagt Kerstin Hasler.


20 neue Auszubildende fangen im September an

Das Seniorenzentrum Zschopau mit 120 Mitarbeitern ist eines von sechs Heimen der Sozialbetriebe Mittleres Erzgebirge. 1975 wurde es als Feierabend- und Pflegeheim errichtet und zwischen 1996 bis 1998 umgebaut. Es hat eine Kapazität von 120 vollstationären Pflegeplätzen sowie 11 Pflegeplätze für Wachkomapatienten.

Seit 2003 stehen zudem 12 Tages- und 10 Kurzzeitpflegeplätze zur Verfügung. Seit 15 Jahren werden sieben Appartements mit 41 bis 59 Quadratmetern Fläche angeboten. Die Bewohner leben selbstständig, können jedoch jederzeit auf Angebote des Seniorenzentrums zurückgreifen.

Der ambulante Pflegedienst hat laut seiner Leiterin Daniela Koch vor zehn Jahren mit vier Pflegefachkräften, acht Klienten und einem kleinen Fiat angefangen. Heute kümmern sich 24 Mitarbeiter um 180 Klienten und nutzen dafür eine Fahrzeugflotte von 10 einheitlich gestalteten Autos.

Seit 15 Jahren bilden die Sozialbetriebe aus: mittlerweile 139 Auszubildende im Bereich Pflegefachkräfte und Krankenpflegehelfer. 78 haben ihre Ausbildung erfolgreich beendet, 28 aus persönlichen Gründen ihre Ausbildung abgebrochen oder die Prüfungen nicht bestanden. 33 Azubis befinden sich in der Ausbildung. Im September fangen 20 neue Azubis an.

Nach erfolgreicher Prüfung werden alle Auszubildenden übernommen. Die Zschopauer Einrichtungsleiterin Kerstin Hasler betont, dass die Pflegefachkräfte und Krankenpflegehelfer die Ausbildung auch als Sprungbrett für andere Berufe wie Pflegedienstleiter oder Wohnbereichsleiter nutzen können.

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