Entzugserscheinungen für zwei Stunden vergessen

Zum ersten Mal in diesem Jahr ist im Kurpark von Warmbad wieder ein Konzert über die Bühne gegangen. Dies war nicht nur für Fans ein lang ersehntes Erlebnis, sondern auchfür De Hutzenbossen.

Warmbad.

Wirklich Pause hatten De Hutzenbossen trotz Corona nie. Statt ihre Instrumente wegen des Verbots von Großveranstaltungen in die Ecke zu stellen, gab das einstige Duo, aus dem inzwischen ein Trio geworden ist, Hofkonzerte vor Seniorenheimen. "Bis zu 20 Termine im Monat kommen da schon zusammen", sagt Andreas Tiede, dessen Sohn Jonas Tiede ihn und Peter Kreissl nun verstärkt. Doch geballte Power war zuletzt nicht gefragt, auch wenn das Publikum in den Pflegeheimen mitunter sogar mittanzte. Umso erfreuter waren De Hutzenbossen, am Sonntag das erste Sommerkonzert im Kurpark von Warmbad bestreiten zu dürfen.

"Was für ein Erlebnis", sagte Peter Kreissl hinterher - und sprach damit allen Beteiligten aus dem Herzen. Denn neben den Musikern und der gastgebenden Kurgesellschaft waren auch mehr als 300 Besucher froh, dass die Konzertsaison mit einmonatiger Verspätung losgeht. Eigens aus Zwickau war dafür eine fünfköpfige Gruppe angereist, für die allein schon die Anreise unvergesslich war. "So weit wie heute kann man nur ganz selten blicken", fand Bärbel Bischof, die es wissen muss. Mehrmals pro Monat kommt sie mit ihren Freunden normalerweise ins Erzgebirge, um dort Volksmusik live zu erleben. Doch in diesem Jahr war es für die Hutzenbossen-Fans erst der zweite Ausflug.

All die Energie der ausgefallenen Konzerte schienen sie nun in diesen Nachmittag zu stecken. "Tanzen, singen, sich bewegen und auf andere Gedanken kommen - das macht diese Musik aus", sagte Bärbel Bischof, die stets im Rhythmus mittanzte. "Dazu noch das herrliche Flair dieses Parks", schwärmte die 62-Jährige, die genau diese Abwechslung zum Alltag in den letzten Monaten vermisst hatte. Ähnlich erging es den Hutzenbossen. Denn trotz der Auftritte vor den Seniorenheimen sei die Stimmung vor gut gefüllten Tribünen etwas Besonderes. "Das war heute unser Jahreshöhepunkt, denn ein größeres Konzert werden wir bis Dezember nicht mehr haben", so Andreas Tiede.

Dass in Warmbad 250 Gäste im Sitzbereich und dazu noch weitere Zuhörer auf den Wiesen zusammengekommen waren, überraschte die Band nicht. "Darauf haben ja alle gewartet. Viele Leute hatten ja schon Entzugserscheinungen", sagte Peter Kreissl, der sich dabei mit einbezog. Endlich wieder Hunderte Zuhörer auf einmal zum Mitschunkeln zu bringen, war für ihn ein sichtbarer Genuss. Erst recht, weil er mit Jonas Tiede "echte Verstärkung" an seiner Seite hatte. Der 19-Jährige habe seinen ersten Härtetest mit Bravour gemeistert. Wirklich verwunderlich war das allerdings nicht, da er als Zweitpianist von Samuel Rösch auch schon vor großem Publikum gespielt hat. "Aber mit den Hutzenbossen war das mein bislang größtes Konzert", sagt der Neuzugang, der den Hutzenbossen noch "mehr Fülle und Abwechslung" verschaffen soll.


"Wir sind auf Duos und kleinere Gruppen umgestiegen"

Meret Walther vom Kur- und Gästeservice ist in Warmbad für die Kultur verantwortlich. Im Gespräch mit Andreas Bauer erläutert die 20-Jährige die Lage.

"Freie Presse": Wurde befürchtet, dass die diesjährige Konzertsaison im Kurpark komplett ausfällt?

Meret Walther: Eigentlich sollte es am 14. Juni mit den Muldentaler Blasmusikanten losgehen. Dieser Auftritt war aber ebenso wenig realisierbar wie das eine Woche zuvor geplante Kurparkfest. Das war zwar bitter, aber wir sind von Anfang an optimistisch geblieben und haben versucht, uns viele Möglichkeiten offen zu halten.

Das scheint sich nun auszuzahlen. Wie sieht der veränderte Terminplan aus?

Mit einem Monat Verspätung konnte es nun endlich losgehen. Geplant ist, bis Ende August aller zwei Wochen etwas auf die Beine zu stellen. Das bedeutet, dass es statt der ursprünglich angedachten zwölf nur vier Veranstaltungen geben wird. Große Blaskapellen werden nicht dabei sein, da diese nicht einmal proben dürfen. Wir sind stattdessen auf Duos und kleinere Gruppen umgestiegen. Wer am 26. Juli im Park auftritt, ist noch offen. Am 9. August spielt das Duo Leuchtfeuer, am 23. August dann De Haamitleit.

Ist dafür ein strenges Hygiene-Konzept nötig?

Wir haben alle Vorkehrungen getroffen und nur 250 Gäste im Sitzbereich zugelassen. Es gibt jeweils zwei Ein- und Ausgänge, sodass eine Art Einbahnstraßenverkehr entsteht. Markierungen auf den Bänken wurden nicht vorgenommen, da in vielen Fällen ja Paare oder Familien kommen. Ansonsten ist der Mindestabstand einzuhalten - wie auf den Wiesen, wo sich viele gern mit Decken hinsetzen.

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