Erfolgsrezept reicht weit über Salami und Kolbasz hinaus

Mit der Zubereitung ungarischer Leckerbissen kennt sich Andras Nagy aus. Auch für die Unternehmensstrategie hat der 30-Jährige offenbar das richtige Gespür, denn die Fleischerei in Dittersdorf wird erneut erweitert.

Dittersdorf.

Wo in einem Monat der neue Verkaufs- und Imbissbereich der Fleischerei Nagy eröffnet werden soll, befindet sich jetzt noch eine Baustelle. Statt mit Wurst und Kartoffelsalat wird mit Deckenplatten und Metallrohren hantiert. "Wahnsinn, wie schnell das alles passiert", sagt Andras Nagy, der beim Gang in den neuen Anbau auf dem Dittersdorfer Firmengelände mitunter selbst ins Staunen gerät. Der 30-Jährige ist der Sohn des gleichnamigen Geschäftsführers und hält als Betriebsleiter die Fäden in der Hand. Stetige Veränderung ist er allerdings gewöhnt, denn bei der Entwicklung des Familienunternehmens kam es nie zum Stillstand.

"Wir haben unsere Technik ständig weiterentwickelt. Auch die Zahl der Mitarbeiter ist kontinuierlich gewachsen. Inzwischen sind es 24 Arbeitskräfte, 19 davon in Vollzeit", beschreibt der Junior-Chef die Zeit seit der Geburtsstunde der Fleischerei Nagy im Jahr 2008. Doch eigentlich begann die Geschichte viel früher, denn schon 1993 gründeten seine Eltern die "Wurstwaren vom Lande". Die Mutter als gelernte Fachverkäuferin und der 1979 als ungarischer Gastarbeiter in die DDR gekommene Vater als Multitalent wagten so den Schritt in die Selbstständigkeit. "Bis 2000 war es eher eine Vertriebsgesellschaft mit Ein- und Weiterverkauf", erklärt Andras Nagy. Mit der Einmietung in einen Falkenauer Fleischereibetrieb begann dann allmählich die eigene Produktion, die vor elf Jahren zur Gründung der eigenen Fleischerei führte. Als Andras junior sowie seine Schwester Nadin damals ihren Meister machten und in Dittersdorf eine Gewerbefläche zu haben war, packten die Nagys die Gelegenheit einfach beim Schopf.

Haupteinkommensquelle waren lange Zeit die bis zu acht Verkaufsstellen in Chemnitz. Die mit der längsten Tradition befindet sich noch heute auf dem Wochenmarkt. "Seit dem vergangenen Jahr sind wir dort nicht mehr mit einem Anhänger, sondern mit einem mehr als zehn Meter langen Mobil vertreten", sagt der 30-Jährige voller Stolz über das "Flaggschiff" der Fleischerei. Mit zwei anderen Fahrzeugen, die etwas kleiner sind, waren in den vier Jahren zuvor auch andere Wochenmärkte in umliegenden Orten wie Annaberg, Olbernhau und Stollberg erschlossen worden. Seit 2014 gibt es zudem einen Online-Shop, der die Fleischerei-Produkte auch anderen Regionen schmackhaft macht.

"Bis vor zwei Jahren haben rund 150 Kunden regelmäßig bestellt. Inzwischen sind es über 700 - von Norderney bis ins Allgäu", sagt der Betriebsleiter. Hauptgrund für die steigende Resonanz dürfte die spezielle Würze sein. "Ungarische Spezialitäten sind unser Alleinstellungsmerkmal", erklärt Andras Nagy. Rund 30 Prozent der Wurstprodukte seien "mediterran angehaucht". Obwohl er selbst das Heimatland seines Vaters nur von Besuchen kennt, ist der Junior-Chef mit den dortigen Zubereitungskünsten bestens vertraut. Genaue Mengen der Zutaten verrät der 30-Jährige nicht. Doch das Erfolgsrezept beginnt schon damit, dass jeden Morgen ab 5 Uhr alles selbst und frisch hergestellt wird.

Eine Salami namens Höllenwurst sowie Haszikolbazsz, eine grobe Wurst mit Knoblauch und Paprika, seien derzeit die absoluten Renner. Und obwohl Andras Nagy senior eigentlich gelernter Schneider ist, hat der gebürtige Ungar meist seine Hände im Spiel. Bei Rezepten ebenso wie bei der Entwicklung des Unternehmens. "Er ist ein Macher", sagt der Junior-Chef über seinen Vater, der seine Kreativität und Energie ganz offensichtlich an die nächste Generation vererbt hat. Wie Nadin Nagy, die sich mit ihrem Catering- und Imbissbetrieb "Landhausküche" eingemietet hat, setzt auch Andras Nagy junior auf Fortschritt. "Die Kunden sollen merken, dass wir nicht einschlafen", sagt er über den Anbau, der die Fleischerei mehr als 300.000 Euro kostet. Dem Betriebsleiter zufolge ist es eine Investition in die Zukunft, denn "wir erweitern damit unsere Kapazitäten". Eröffnet werden soll der neue Bereich am 9. November.

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