Erzgebirger erfindet Kniff fürs Türöffnen

Für eine Arztpraxis hat Zimmerer Mike Höpke aus Schönheide etwas entwickelt, was das Anfassen von Klinken vermeidet. Anwenden ließen sich die Aufsätze aber auch an anderer Stelle.

Schönheide.

Wer eine Jacke oder ein langärmliges Hemd trägt, benutzt deren Ärmel in diesen Tagen möglicherweise so: Runterziehen über die Hand und damit die Türklinke runterdrücken. Zum Schutz vor Corona-Viren, die daran haften könnten.

Diese Szene im Hinterkopf und bekräftigt durch einen Wunsch von Hausarzt Jochen Wendler, der seine Praxis in Schönheide hat, ist Zimmerer Mike Höpke auf eine Idee gekommen. Er hat einen Türdrücker-Aufsatz entwickelt, der es ermöglicht, mit dem Unterarm die Klinke zu drücken und damit ohne Handkontakt die Tür zu öffnen.

Der kleine Aufsatz besteht aus Multiplex-Platten, das sind verleimte Holzschichten. Das Material lässt sich gut schleifen, fräsen und bohren, erklärt Mike Höpke. Gebeizt und mit Lack behandelt, lässt es sich außerdem immer wieder gut säubern.

Der Schönheider Zimmerer hatte bereits für die Anmeldung in der Praxis von Wendler einen Spuckschutz gebaut. Für den Mediziner war es daher naheliegend, bei dem Handwerker nach einer Lösung für die Türen zu fragen. Denn in seinem Haus gibt es nur Türen, die man mit Klinken öffnet; die Haustür, die Tür zur Anmeldung, die Tür zum Wartezimmer.

Seit über einer Woche sind die von Mike Höpke entwickelten Aufsätze in der Schönheider Arztpraxis in Gebrauch - vier Paar, beidseitig auf der Tür. "Mir ist gesagt worden, dass sie hervorragend funktionieren", so Höpke. Würde mehr Bedarf an den Aufsätzen bestehen, so würde er sich mit seiner Firma, zu der außer ihm noch zwei Mitarbeiter gehören, darauf einstellen.

"Aber das ergibt erst Sinn, wenn wir von etwa 100 bis 1000 Stück reden, dann würde ich mich hinsetzen und verschiedene Studien machen. Mal zehn oder 15 können wir nebenbei mit anfertigen." Theoretisch ist der Türdrücker-Aufsatz überall einsetzbar. Gut könnte sich der 49-Jährige seine Erfindung beispielsweise auch in Altenpflegeheimen vorstellen.

Höpke ist in der traditionellen Zimmerei im Hausbau und bei Sanierungen in Schönheide und Umgebung unterwegs. Außerdem hat er auch noch ein Spezialbau-Unternehmen, mit dem er deutschlandweit auf Montage ist. Mit dieser Firma richtet er zum Beispiel Sporthallen ein. Er bedauert, dass sich für seinen Beruf kaum noch Interessenten finden lassen. "Ich hätte gern mehr Leute, dann könnte ich die Aufträge für die Spezialbau-Montage, die ich bundesweit habe, besser realisieren."


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