Erzgebirger häufiger und länger krank

Insbesondere Erkältungen und Bronchitis haben für mehr Ausfalltage gesorgt. Diese Diagnose wurde fast 34 Prozent häufiger als im Vorjahr gestellt. Die Hitliste der Krankheiten führt aber eine andere an.

Zschopau.

Wesentlich häufiger haben im vergangenen Jahr Arbeitgeber Krankenscheine ihrer Beschäftigten entgegennehmen müssen als noch 2014. Doch damit nicht genug. Auch die Zahl der Ausfalltage ist gestiegen. Für diese Entwicklung insbesondere verantwortlich war die Zunahme von Atemwegserkrankungen wie Erkältungen und Bronchitis. "Diese Diagnose wurde fast 34 Prozent häufiger als noch im Jahr vorher gestellt", sagte Jörg Ziehe von der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) bei der Vorstellung des aktuellen Reports.

Laut der Statistik für den Erzgebirgskreis waren an jedem Tag des Jahres von 1000 Arbeitnehmern 46 krankgeschrieben. Dieser Krankenstand von 4,6 Prozent entspricht dem sachsenweiten Durchschnitt. Die Ausreißer dabei sind Dresden mit dem niedrigsten Krankenstand (4,0 Prozent) sowie der Kreis Bautzen mit dem höchsten (5,6 Prozent).

Doch zurück ins Erzgebirge. Für die meisten Ausfalltage in der Region verantwortlich sind Muskel-Skelett-Beschwerden, zu denen Rückenschmerzen ebenso gehören wie Mausarm und Sportkrankheiten. Obwohl für diesen Bereich die Statistik ein Minus von fast 9 Prozent belegt, ging erneut mehr als jede fünfte Krankschreibung (21,8 Prozent) darauf zurück. Zweithäufigste Ursache für Fehltage waren wegen der deutlichen Zunahme die Erkrankungen des Atmungssystems (16,2) gefolgt von Verletzungen und Vergiftungen (14,1). Ein Minus von fast 6 Prozent gab es bei psychischen Leiden wie Angstzuständen und Depressionen. Das bedeutet Platz 4 (11,5 Prozent). Bundesweit sind psychische Erkrankungen bei den Versicherten der DAK mit 16,2 Prozent indes die dritthäufigste Krankheitsart, die zu Ausfalltagen führt.

Interessant ist ferner, dass Frauen im Erzgebirgskreis sieben Prozent mehr Fehltage wegen Krankheit vorweisen als Männer. Sachsenweit liegt der Satz sogar bei 18 Prozent. Demgegenüber, so ist es im Report zu lesen, schleppen sich Frauen häufiger als Männer krank zur Arbeit. Demnach waren 67 Prozent der Frauen in Sachsen im vergangenen Jahr mindestens einmal krank bei der Arbeit, bei den Männern lag der Anteil bei nur 62 Prozent. Experten sprechen hier von Präsentismus.

Die Studie zeigt aber auch, dass Männer und Frauen von ganz unterschiedlichen Krankheiten betroffen sind. So haben im Kreis Männer öfter (plus 71 Prozent) Herz-Kreislauf-Probleme als Frauen. Sie hingegen leiden häufiger (plus 75 Prozent) an psychischen Erkrankungen wie Depressionen. Auch bei den Krebsleiden liegen sie 46 Prozent über denen der Männer, was durch das vergleichsweise frühe Auftreten von Brustkrebs bedingt ist. "Betroffene Frauen stehen oft noch voll im Erwerbsleben", erklärt Ziehe. Die häufigste Krebserkrankung bei Männern, der Prostatakrebs, trete hingegen erst im höheren Alter auf - meist ab etwa 60 Jahren. "Diese Krebsfälle bei den Männern werden deshalb von unserer Statistik, die sich nur auf Erwerbstätige bezieht, kaum mehr erfasst", so Ziehe. Die DAK zählt in Sachsen rund 150.000 Versicherte. Im Erzgebirgskreis sind es rund 10.000.

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