Erzgebirgisches Unternehmen für Nachwuchsarbeit ausgezeichnet

Was macht einen guten Ausbildungsbetrieb aus? Bei Swing Tiefbau kennt man offenbar die Antwort.

Großrückerswalde.

Für Jugendliche ist es eine Entscheidung fürs Leben: Was mache ich nach dem Schulabschluss? Die Chancen, in der Heimat eine Ausbildung zu finden, standen nie besser. "Junge Menschen können aus einer Vielzahl an Angeboten wählen und sich damit die besten Chancen für den Berufsstart sichern", sagt Annabergs Arbeitsagenturchef Siegfried Bäumler. Das bedeutet im Umkehrschluss: Die Arbeitgeber müssen etwas bieten, um ihre freien Stellen zu besetzen. Ein Unternehmen aus Großrückerswalde hat die Zeichen der Zeit erkannt.

Die Swing Tiefbau GmbH ist für ihre Nachwuchsarbeit vom Berufsförderungswerk Sachsen als hervorragender Ausbildungsbetrieb der Bauwirtschaft ausgezeichnet worden.Azubi Philipp Tremml hat sich für das Unternehmen entschieden. Dem Chemnitzer sei die Firma empfohlen worden. "Ich fühle mich hier wohl. Es herrscht ein gutes Betriebsklima." Er nimmt die Entfernung zum Wohnort gern in Kauf - genauso wie Felix Horbert aus Annaberg: "Wegen des guten Rufs der Firma. Die Auszeichnung bestätigt das ja."

Vor etwa sechs Jahren habe das Unternehmen begonnen, den Fokus wieder verstärkt auf den Nachwuchs zu legen - auch in Hinblick auf die Altersstruktur in der Firma. Seither wird jährlich je ein Lehrling in den Berufen Baumaschinenführer, Straßenbauer sowie Beton- und Stahlbetonbauer ausgebildet. Aktuell lernen sechs im Betrieb. "Sie haben gute Chancen, übernommen zu werden", sagt Ausbilder Denny Zöller.

Trotz vieler Aufträge und parallel 15 Baustellen bekommen alle Lehrlinge eine 1-zu-1-Betreuung, haben stets einen Ansprechpartner zur Seite, erläutert Geschäftsführer Daniel Drechsel. Zudem kooperieren die Großrückerswalder mit der Trebra-Oberschule in Marienberg. "Die Zusammenarbeit funktioniert wirklich gut", sagt der Geschäftsführer. Dabei erhalten bei ihm auch leistungsschwächere Lehrlinge eine Chance. Die Firma hat sogar schon an einem Pilotprojekt teilgenommen und zwei Jugendliche aus Vietnam zu Facharbeitern ausgebildet. Noch heute arbeiten beide im Unternehmen. Das alles hat den Ausschlag für die Auszeichnung gegeben.

Doch reicht dieser guter Ruf, um Nachwuchs zu gewinnen? Der sei mitentscheidend, sagt Drechsel. "Wir sehen Azubis als zusätzliche Arbeitskräfte. Es gibt leider immer noch Firmen, die junge Leute nur als Lückenstopfer einsetzen." Das sei ein Grund, weshalb Lehrlinge bereits den Betrieb gewechselt und zu den Großrückerswaldern gekommen sind, ergänzt Zöller.

Doch ein Problem beschäftigt ihn und Drechsel ebenfalls. "Bis vor einigen Jahren haben wir noch viele Bewerbungen bekommen. Heute ist die Situation übersichtlich. Wir hatten schon ein Jahr, in dem wir keinen Lehrling gefunden haben", sagt Zöller. Grund: "Der Ausbildungsmarkt ist ein Bewerbermarkt", sagt Agenturchef Bäumler. Das heißt: Es gibt weniger Jugendliche als Ausbildungsstellen. Für die Swing Tiefbau GmbH bedeutet das, den eingeschlagenen Weg fortsetzen und weiter am guten Ruf als Ausbildungsbetrieb arbeiten.


Jährlich zehn bis zwölf Millionen Euro Umsatz

Die Anfänge des Firmenverbundes Swing und Cut liegen im Jahr 1990. Teile des Bau- und Montagekombinates Süd in Chemnitz wurden übernommen, die Chemnitzer Umschlag und Transport GmbH gegründet.

Als Dienstleister der Baubranche wurde das Unternehmen stetig erweitert und neue Firmen gegründet. Heute besteht der Verbund aus sieben Unternehmen, die Komplettleistungen im Erd- und Tiefbau bieten - vom Straßen- und Kanalbau über den Abbruch von Gebäuden bis zu Ingenieurbau und Hochwasserschutz.

Von 1997 bis 2003 siedelte die Firmengruppe nach Großrückerswalde um. Der Standort umfasst Verwaltung, Werkstatt für Lkw und Pkw sowie Betriebshof mit Hallen, Lager und Freiflächen. In Olbernhau wird ein eigenes Recycling-Center betrieben, das das gesamte Gebiet der Bau- stoffannahme und -aufbereitung abdeckt.

Swing und Cut beschäftigt aktuell 105 Mitarbeiter, davon 75 im Bereich Tiefbau. Der Firmenverbund erwirtschaftet jährlich zehn bis zwölf Millionen Euro Umsatz. (rickh)

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