Erzgebirgsmärchen bekommen Zuwachs durch Könige und Feen

Knapp ein Jahr nach dem ersten erscheint nun der zweite Band der Thalheimer Autorin Claudia Curth. Erneut hat sie fabelhafte Wesen mit der Geschichte des Erzgebirges verknüpft. In Wiesenbad soll eines der Märchen bald an prominenter Stelle zu hören sein.

Thalheim/Zschopau.

Ihre fünf Kinder sind ihre Testleser. Das war auch bei Band 2 der Erzgebirgsmärchen so, den Claudia Curth gerade fertiggestellt hat. Bei der Geschichte "Das Geheimnis der Zschopauer Mühle" spielt nicht nur eine Motorradfabrik, sondern auch eine Zeitmaschine eine entscheidende Rolle. Als er das hörte, sagte ihr jüngster Sohn zu Claudia Curth: "Aber Mutti, da brauchst du auch einen Hasen, der den Kindern dann erklärt, wie es in der Zeit war." Die Mutter hörte auf das Kind und schrieb das Tier in die Geschichte hinein. "Am Ende ist es allerdings eine Maus geworden, die passt besser zu dem Dachboden", berichtet die 47-Jährige aus Thalheim.

Sieben neue Märchen hat Claudia Curth in den vergangenen Monaten verfasst. Mit ihrem ersten Band der Erzgebirgsmärchen traf sie Herbst 2019 offenbar einen Nerv. Rund 3000 Bücher mit beigelegter CD, auf der die Märchen von verschiedenen Sprechern gelesen werden, wurden in den Buchhandlungen der Region seither verkauft. "Das hat mich wirklich überrascht." Städte und Gemeinden im Erzgebirge wie etwa Zschopau und Wiesenbad kamen auf sie zu mit der Bitte, im nächsten Band aufzutauchen. "Besonders wichtig war mir, dass der Motorradbau nicht in Vergessenheit gerät. Somit habe ich auch ein Märchen über Zschopau und die größte Motorradfabrik der Welt geschrieben", erzählt die Thalheimerin, die selbstständig im Vertrieb und Marketing arbeitet und das Märchenschreiben eigentlich als ihr Hobby sieht. "Und natürlich gibt es auch wieder ein Märchen über eine Stadt im böhmischen Erzgebirge. Dafür bin ich extra nach Joachimsthal gefahren und habe mir vor Ort alles angeschaut."

Wie bei all ihren Märchen verbindet die Autorin ihre Fantasie mit den Überlieferungen vieler Jahrhunderte, denn so möchte sie Kindern (und nebenbei auch deren Eltern) das kulturelle Erbe des Erzgebirges näher bringen. "Bei 'Hanna aus Joachimsthal und die Flickenpuppe' wird zum Beispiel erwähnt, dass ein Joachimsthaler damals so viel Wert war, dass man davon einen Monat lang im Gasthaus schlafen und essen konnte", erläutert Claudia Curth. "Durch das Märchenhafte an der Geschichte bleibt es im Kopf der Kinder hängen." Denn natürlich tauchen in den Geschichten Hexen, Feen, Könige und Prinzessinnen und nicht zuletzt der von Claudia Curth erschaffene Gott des Berges Magnamontis auf, der sich ärgert, dass die Bergleute ihn gar nicht gefragt haben, ob sie sich die Rohstoffe überhaupt nehmen dürfen. Ein bisschen Moral steckt in jedem Märchen. In Sosa bitten die Waldzwerge den Köhler um Hilfe, in Neudorf kommt eine Suppe beim König richtig gut an, und im Schlettauer Märchen spielen neben einer Prinzessin auch die Grünhainer Mönche und ein bösartiger Posamentenverleger aus Annaberg mit. Kein Wunder daher, dass die Erklärstücke, die jeweils die Märchen in deren realen, zeitlichen Zusammenhang einordnen, in diesem Band deutlich ausführlicher ausfallen. "Ich glaube, ich könnte jetzt fast selbst einen Meiler bauen", sagt Curth, die in Museen, Büchern und direkt bei den Menschen im Erzgebirge recherchiert hat.

Angelehnt an den ersten Teil sind die sieben Märchen - für jeden Wochentag eines - als Vorlesezeit nicht länger als zehn Minuten. Radio-Moderator Karsten Kolliski ist wieder einer der Hauptsprecher, die CD wurde erneut bei Mirko Süß im Tonstudio eingesprochen. Vier Lieder haben es zudem auf die CD geschafft, unter anderem geschrieben vom Thumer Frank Schubert und der erst 14-jährigen Stollbergerin Evelyn Rose Böhme. "Das Projekt nimmt immer weiter an Fahrt auf." So will die Gemeinde Wiesenbad das Märchen von der Kräuterhexe Taraxa und dem Schaf, das eine warme Quelle fand, in die Klanginsel im Kurpark integrieren. Zum Kräutertag am 20. September wird Claudia Curth dort auch lesen. Und das Kinder- und Jugendtheater Burattino aus Stollberg arbeitet schon an einer Bühnenversion vom "Feentanz in Frauenstein". Erste Schulen wollen zudem bereits, dass Claudia Curth im Sachkundeunterricht aus ihrem Buch liest und ein bisschen von die Heimat erzählt.

Ein dritter Band ist derzeit nicht geplant, betont Claudia Curth. Allerdings haben sie bei einer Fahrt nach Olbernhau der Serpentinstein in Zöblitz und die Geschichte von der Pfefferkuchenfrau dort schon wieder so begeistert, dass sie sich Notizen gemacht hat. Eine Fortsetzung ist also doch nicht ausgeschlossen. www.erzgebirgsmärchen.de

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