Exoten auch im Erzgebirge gesichtet

Immer häufiger werden Vögel aus wärmeren Gefilden beobachtet. Ornithologen schreiben das dem Klimawandel zu. Aber das ist nicht der einzige Grund.

Olbernhau.

Die heimische Vogelwelt wird exotischer. Arten, die früher nicht oder nur selten im Erzgebirge vorkamen, werden jetzt öfter entdeckt - besonders, wenn es sich um Schönheiten wie dem Wiedehopf handelt. Ingo und Kerstin Gellrich bekamen ein Exemplar vor ihrem Wohnungsfenster in Schönbrunn vor die Linse. Das Tier habe Rast gemacht, um sich zu erholen und Nahrung aufzunehmen, berichten sie.

Der Olbernhauer Ornithologe Udo Kolbe schreibt das häufigere Auftreten nicht ausschließlich dem Klimawandel zu. "Einfache Schlüsse nach dem Ursache-Wirkung-Prinzip sind nicht angebracht, da meistens mehrere Faktoren eine Rolle spielen", sagt der Sprecher des Beirats im Verein Sächsischer Ornithologen.

Im Fall des Wiedehopfs liege das Erzgebirge auf der Strecke zwischen dem Überwinterungsgebiet südlich der Sahara und den in der Lausitz und Nordsachsen bekannten Brutstätten. Die Art habe es dort schon immer gegeben, allerdings seien die Brutbedingungen in den zurückliegenden Jahrzehnten nicht optimal gewesen. Möglicherweise liege es auch an den neu entstandenen Tagebaufolgelandschaften, dass der Höhlenbrüter häufiger beobachtet werde.

Auch der Bienenfresser gehört zu den attraktiven Arten, die aus dem Süden kommend das Erzgebirge zu ihren Brutstätten im nördlichen Vorland überfliegen. Wie der Wiedehopf bevorzugt er warmes, trockenes Klima. Nach Deutschland wandern diese Vögel - nachweislich vor allem aus Italien kommend - seit 1990 verstärkt ein. Ornithologen werten dies als ein Zeichen für den Klimawandel. Vor drei Jahren wurde der Bienenfresser zum ersten Mal im Tal der Zwickauer Mulde zwischen Glauchau und Rochlitz gesichtet. Die ersten Brutnachweise folgten 2019.

Am Erzgebirgskamm hat Udo Kolbe den Exoten noch nicht gesehen, weil dieser andere Gebiete überfliegt. Seit 17 Jahren betreut er eine Fläche westlich von Olbernhau, die zur Erfassung häufiger Brutvögel ausgewählt wurde. Um zu dokumentieren, wie sich die Vogelwelt dort entwickelt, ist Udo Kolbe im Rahmen eines Monitoring-Programmes an vier Tagen im Zeitraum von März bis Juni unterwegs. Bei einem seiner etwa zweistündigen Rundgänge, die immer auf ein und demselben Pfad führen, stellt er bis zu 250 einzelne Vögel fest. Meistens anhand des Gesanges, der in der Fortpflanzungszeit sehr intensiv ist. Futter tragende Altvögel sind zudem ein untrügliches Zeichen für einen Brutplatz.

Die Wahrscheinlichkeit, einen Wiedehopf auf dem Durchflug zu entdecken, ist ungleich höher als etwa bei der unauffälligen Grauammer. Obwohl sie seit einigen Jahren regelmäßig ihre Jungen am Erzgebirgskamm aufzieht. Offenbar liegt es an der guten Nahrungsgrundlage und damit auch am Klimawandel, dass der Vogel nicht mehr ausschließlich in tieferen Lagen zu finden ist, vermutet der Olbernhauer Ornithologe.

Von der Klimaerwärmung scheint ebenso der Grauschnäpper zu profitieren. Vor 20 Jahren habe die Art noch nicht im Gebirge gebrütet, sagt Udo Kolbe. Der Höhlenbrüter ist ein Langstreckenzieher und überwintert im tropischen Afrika südlich der Sahara. (mit ja)

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