Exotische Insekten erobern Erzgebirge

Durch ein lautes Brummen aufgeschreckt, hat ein Schwarzenberger in seinem Garten einen seltenen Gast entdeckt und "enttarnt": eine Wanze.

Schwarzenberg.

Mit lautstarkem Brummen ist ein außergewöhnliches Tierchen im Garten von Familie Beck in Schwarzenberg gelandet. "Und weil es so laut gebrummt hat, schaut man natürlich mal genauer hin. Doch ich wusste nicht, was das ist", berichtet Thomas Beck.

Nach seiner Recherche im Internet könnte es sich bei dem "Brummer" mit den langen, grazilen Beinen und der markanten Zeichnung um eine amerikanische Kiefernwanze handeln. Doch ganz sicher war sich der Schwarzenberger nicht und wandte sich mit seiner Frage an "Freie Presse", ob es sein kann, dass sich so ein exotisches Insekt ins Erzgebirge "verirrt"?

"Das ist gut möglich. Die amerikanische Kiefernwanze ist jetzt schon mehrfach auch hierzulande gesichtet worden", sagt Lutz Röder vom Naturschutzbund (Nabu), Regionalverband Erzgebirge, mit Sitz in Chemnitz. Schon vor drei oder vier Jahren wurde die amerikanische Kiefernwanze im Erzgebirge erstmals entdeckt, weiß er. Doch ihr Auftreten sei nach wie vor noch selten. Gefährlich oder gar giftig sei das brummende Tierchen nicht - weder für Mensch noch für Haustiere.

Diese Kiefernwanze gehört zur Familie der Randwanzen, heißt es in der Fachliteratur. Ursprünglich stammt das Insekt aus den Westen Nordamerikas westlich der Rocky Mountains. "Doch mit dem Warenverkehr, über die Einfuhr von Saatgut oder Weihnachtsbäumen, wurden die Tiere mit eingeschleppt", so Röder. Die heißen Sommer der zurückliegenden Jahre würden ihnen nun auch im Erzgebirge optimalen Lebensraum bieten. Die Kiefernwanze sei ein "Sonnenanbeter" und lebt an Nadelbäumen. Zudem sondert das Tier ein Sekret ab, dass stark riecht. So lockt es Artgenossen an. Speziell im Herbst dringen sie oft auf der Suche nach einem Winterquartier in Häuser und Wohnungen ein. Deshalb haben sie den Ruf als "Lästling".

Silke Voigt, eine Fachfrau in Sachen Schädlingsbekämpfung aus Schwarzenberg, spricht von einer Vielzahl neuer, exotischer Tierchen, die in den zurückliegenden Jahren eingeschleppt wurden. Sie würden durch die klimatischen Veränderungen mittlerweile auch hier gute Bedingungen finden, sich zu vermehren. Das bestätigt Lutz Röder vom Nabu und nennt mit den Blauen Holzbienen eine weitere Insektenart, die in diesem Jahr verstärkt aufgetreten sei, und die bislang nur in Südeuropa anzutreffen war. Thomas Beck hat den exotischen Gast an der Fensterscheibe der Terrasse nach dem Foto mit einem Glas eingefangen und schließlich aus dem Garten komplimentiert. .

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