Fahrraddiebe machen Grenzregion unsicher

Wiederholt sind in den vergangenen Wochen in Olbernhau Räder gestohlen worden. Die Spur führt mitunter nach Tschechien. Weitet sich das Phänomen auch auf andere Orte aus?

Olbernhau/Zschopau.

Inzwischen kann es Steffen Brückner kaum noch verstehen. Fahrraddiebe haben seinen Schilderungen zufolge zuletzt wöchentlich in Olbernhau zugeschlagen: "Zweimal am Gymnasium, zweimal am Sportplatz an der Thomas-Mann-Straße, zweimal am Rittergut", weiß der 56-Jährige zu berichten. Nicht nur von öffentlichen Plätzen seien Räder entwendet worden. Selbst aus einem Schuppen, so habe er gehört, hätten Diebe ein E-Bike gestohlen. Brückner ist Hausmeister des Gymnasiums Olbernhau und oft in der Stadt unterwegs. Mehr als zehn Fälle von Fahrraddiebstahl habe er zuletzt mitbekommen. Er fragt sich: Wird die Region zum Diebstahl-Dorado? Vor allem aber: "Wie soll das weitergehen?"

Dass der Ärger tief sitzt, ist verständlich. Denn der Olbernhauer hat nicht nur mitbekommen, dass Fahrräder anderer gestohlen wurden. Seine Familie ist selbst Opfer von Dieben geworden. Ende Januar haben diese das Rad des Sohnes entwendet. Vor knapp vier Wochen wurde auch das Nachfolgerad gestohlen: mittags am Supermarkt - obwohl es angeschlossen gewesen sei. Negativer Höhepunkt: Brückner hat zum dritten Mal ein Rad für den Sohn gekauft. Und just in der Nacht von vergangenem Donnerstag auf Freitag sei auch dieses weg gewesen. "Nachdem in den verschlossenen Keller eingebrochen wurde", ärgert sich der Olbernhauer.

Wie schlimm ist es in Sachen Fahrraddiebstahl? Die Polizei bestätigt, dass allein im August in Olbernhau 16 Diebstähle angezeigt wurden. Insgesamt seien sogar 19 Fahrräder entwendet worden, wie Sprecher Steffen Wolf auf Anfrage von "Freie Presse" erklärt. Ob die einzelnen Fälle im Zusammenhang stehen und ob gar von einem systematischen Vorgehen gesprochen werden kann, sei noch nicht klar. "Das werden die laufenden Ermittlungen zeigen", so Wolf. Aber: Olbernhau ist offenbar ein Extremfall. Auf Nachfrage erklärt er, dass für den vergangenen Monat in Zschopau keine Fälle bekannt seien. Das bedeute zwar nicht zwangsläufig, dass nicht doch vielleicht Räder gestohlen wurden. Anzeigen liegen allerdings nicht vor, so der Sprecher.

Klar ist inzwischen, dass die Spur der im Erzgebirge gestohlenen Räder mitunter nach Tschechien führt. Laut Polizei gebe es in Zusammenhang mit den Diebstählen bisher drei tschechische Tatverdächtige. Die Ermittlungen dazu dauerten an. Anfang vergangener Woche wurden zwei mutmaßliche Diebe am Grenzübergang Olbernhau-Brandov von der Bundespolizei gestellt. Wie sich herausstellte, waren die Fahrräder, mit denen beide unterwegs gewesen sind, kurz zuvor vor dem Olbernhauer Gymnasium gestohlen worden. Einen Tag später haben Beamte am Grenzübergang Reitzenhain einen Transporter kontrolliert, der in Richtung Tschechien unterwegs war. Dabei stellten die Einsatzkräfte unter anderem ein E-Bike sicher, nach dem die Polizei gesucht hatte.

Das bedeutet: Es wird auch erfolgreich aufgeklärt. In Tschechien seien weitere drei Räder gefunden und an die Besitzer zurückgegeben worden, erklärt Polizeisprecher Wolf. Die Polizei von Nová Ves habe zudem ein Rad sichergestellt, dass in der Olbernhauer Thomas-Mann-Straße gestohlen wurde. Die Zusammenarbeit zwischen deutschen und tschechischen Behörden ist in diesen Fällen entscheidend. Sprecher Wolf erklärt, dass Sachsens Polizei seit Jahren intensiv mit den Kollegen jenseits der Grenze zusammenarbeite. Er verweist auf das gemeinsame Polizeizentrum im tschechischen Petrovice, südlich des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge: "Dort werden Informationen und Erkenntnismitteilungen zur Aufklärung von Straftaten koordiniert."

Steffen Brückner weiß um diese Bemühungen, will aber trotzdem darauf aufmerksam machen, dass Bürger noch genauer auf ihre Räder achten sollten. Am Olbernhauer Gymnasium werde dem Hausmeister zufolge jetzt entsprechend gehandelt: Schüler seien gebeten worden, vorerst nur noch jene Fahrradständer zu nutzen, die von Klassenzimmern aus zu sehen seien.


Ein Code zur Abschreckung

Wie kann ich mich schützen? In Bezug auf die zuletzt gehäuften Fälle von Fahrraddiebstahl in Olbernhau verweist Polizeisprecher Steffen Wolf darauf, dass Räder grundsätzlich gut gesichert werden sollten. Zudem gebe es aber noch andere Möglichkeiten zum Selbstschutz und zur Abschreckung von Dieben. Räder können beispielsweise codiert und gut sichtbar mit einem entsprechenden Aufkleber versehen werden. Auf einer Internetseite der Polizei gibt es unter dem Thema "Diebstahl & Einbruch" eine entsprechende Vorlage und weitere Informationen. (svw)

www.polizei-beratung.de

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