FDP-Kandidat will Debakel von 2014 nicht auf sich sitzen lassen

Die Liberalen haben im Erzgebirge das Wahljahr eröffnet. Bei ihrem Neujahrsempfang in Lengefeld wurde kräftig ausgeteilt und klar ein Ziel benannt.

Lengefeld.

Er will es noch einmal wissen. FDP-Urgestein Tino Günther tritt im mittleren Erzgebirge erneut als Direktkandidat der Liberalen für die Landtagswahl am 1. September an. Gemeinsam mit FDP-Landeschef und Spitzenkandidat Holger Zastrow hat der Seiffener beim ersten Neujahrsempfang der regionalen Ortsverbände in Lengefeld vor etwa 20 Gästen über die politischen Schwerpunkte der Partei, brennende Themen und Ziele im großen Wahljahr gesprochen. Denn eines will der 56-Jährige auf keinen Fall: Die Fehler wiederholen, die zum Debakel von 2014 führten.

Doch von vorn: Die politische Laufbahn von Tino Günther und die Geschichte der FDP im Erzgebirge sind quasi untrennbar. Direkt nach der Wende zog der Holzspielzeugmachermeister in den Seiffener Gemeinderat ein. Günther stieg auf zum Chef seiner Partei im Mittleren Erzgebirgskreis und zum Vorsitzenden im Erzgebirgskreis. 2004 schaffte er den Sprung in den Sächsischen Landtag. 2009 gelang der Wiedereinzug. Doch es folgten die wohl bittersten Jahre für den Seiffener als Politiker. 2013 zog er sich aus gesundheitlichen Gründen von den Ämtern auf Kreis- und Landesebene zurück. Nur ein Jahr später musste er in Dresden seine Koffer packen, nachdem seine FDP mit nur 3,8 Prozent aus dem Landtag flog. Das Debakel nagt bis heute an ihm - und ist Antrieb, erneut anzutreten.

"2014 will ich nicht auf mir sitzen lassen", betont Günther. Vor allem in den fünf Regierungsjahren habe sich seine Partei von der CDU zu viel aufschwatzen lassen. Die konservative Sicht der Union und der Verwaltung seien Schuld am Scheitern gewesen. "Wir haben uns unser Denken austreiben lassen", sagt Günther. "Es fehlte der Wille, etwas ändern zu wollen."

Genau mit dem wollen der Seiffener und seine Partei nun wieder bei den Wählern punkten, die 2014 an die CDU verlorenen und die zuhause gebliebenen Bürger zurückgewinnen, um den Wiedereinzug in den Landtag zu meistern. Zastrow und Günther gehen vor allem auf die Wirtschaft ein, nennen ein Schlagwort mehrfach: Bürokratie-Abbau. Für die vielen kleinen und mittelständischen Betriebe müssten Freiheiten geschaffen werden. Günther wisse, wovon er spricht. Datenschutzgrundverordnung, Elektronikgerätegesetz, Verpackungsmittelverordnung - 2018 habe er als Unternehmer wie viele andere Firmen auch unter der Bürokratie- und Abgabe-Last gelitten. FDP-Landeschef Zastrow ergänzt: "Leute, die mehr arbeiten, müssen dafür auch belohnt werden. Man darf nicht vergessen, woher unser Wohlstand kommt. Leistung muss sich lohnen."

Günther forciert zudem, dass die Digitalisierung zuerst auf dem Land vorangebracht wird. Er kritisiert mangelnden Straßenbau und fordert behörden- und ministerienübergreifende Arbeit, um Planungen zu verkürzen. "Wir müssen verhindern, dass die ländliche Region ausblutet", sagt Günther und nennt ein weiteres Ziel: bessere grenzüberschreitende Zusammenarbeit. "Warum wird es Tschechen so schwer gemacht, bei uns zu arbeiten?"

Günther will nun die Probleme anpacken können und in den Landtag einziehen. Auch bei den im Mai stattfindenden Kommunalwahlen ist er guter Dinge. Der Vorsitzende des Ortsvereins der Liberalen in Seiffen hat sich zum Ziel gesetzt, die FDP-Mandate in seiner Heimatgemeinde zu verdoppeln. Die Parteikollegin und Generalsekretärin des Kreisverbands, Ulrike Harzer, sieht die FDP im mittleren Erzgebirge generell gut aufgestellt: "Wir sind in den Orten gut vertreten. Unsere bisherigen Gemeinde- und Stadträte werden wohl wieder antreten. Und es wird neue Gesichter geben. Die Aufstellung erfolgt allerdings erst Ende Februar, Anfang März."

Bis zu den Wahlen wollen die Liberalen im Erzgebirge neue Mitglieder gewinnen. Und statt bislang viele ältere auch junge Wähler. Günther: "Wir wollen die jungen Wähler nicht allein lassen im Pessimismus, vielmehr Optimismus verbreiten."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...