FFP2-Masken: Kunden und Apotheker frustriert

Seit dem gestrigen Dienstag ist der Schutz für bestimmte Bevölkerungsgruppen kostenfrei erhältlich. Vor den Apotheken bildeten sich Schlangen. Doch so mancher wartete vergebens.

Zschopau/Marienberg.

Keine Zeit zum Durchatmen blieb am gestrigen Dienstag den Mitarbeitern regionaler Apotheken. Entweder kamen sie kaum hinterher, FFP2-Masken auszugeben - jeweils drei Stück stehen über 60-Jährigen oder Menschen mit Vorerkrankung kostenlos zu. Oder aber die Mitarbeiter mussten ihren Kunden erklären, dass sie noch nicht für den Ansturm gerüstet sind. Denn vor vielen Filialen bildeten sich Schlangen.

Statt der erhofften zentralen Koordination durch den Bund war jede Apotheke selbst zum Handeln gezwungen, was vergangene Woche viele Inhaber überraschte. "Bestellt wurden die Masken schon letzten Donnerstag, aber leider haben wir noch keine bekommen", sagte etwa Christine Fischer.

In ihrer Hirsch-Apotheke musste sie zahlreiche Gelenauer, die gekommen waren, um mindestens einen Tag vertrösten. "Wir hoffen, dass sie möglichst schnell da sind", sagte die Inhaberin. Nach ihrem Kenntnisstand sei die Lieferung immerhin schon unterwegs. "Aber die logistischen Möglichkeiten sind ja derzeit begrenzt", fügte Christine Fischer mit Blick auf den Stress der Lieferdienste hinzu.

Verständnisvoll reagierten am Mittwoch aber längst nicht alle Beteiligten. So berichtete eine Mitarbeiterin aus Pockau-Lengefeld von verärgerten Kunden, die ihrem Unmut Luft verschafften, weil es für sie keine Masken gab.

Frust war den Apothekern auch selbst anzumerken. Viele der von "Freie Presse" Befragten zeigten sich verwundert darüber, dass die Verteilung nicht zentral organisiert wurde. Zudem reiche die Pauschale, die für die individuelle Besorgung zur Verfügung gestellt wird, oft nicht aus. Eine Vertreterin der Branche bezeichnete die finanzielle Hilfe lediglich als "Schmerzensgeld".

Auch Andreas Enger übte Kritik, obwohl er in seinen Apotheken in Wolkenstein, Grünhainichen und Pockau-Lengefeld Masken anbieten konnte: "Es ist schön, dass die Regierung etwas unternimmt. Aber die Art und Weise sorgt für Probleme." Er meinte damit nicht nur die Organisation, mit der "Apotheker im Regen stehen gelassen wurden". Auch der Menschenandrang passte nicht ins Bild. In Wolkenstein seien die zunächst vorrätigen 200 Masken schon gegen 9.30 Uhr ausgegangen. "Es herrschte Ausnahmezustand. Gefühlt war die ganze Stadt auf den Beinen", berichtete Enger. Nur dank eines nahe gelegenen Händlers konnte er Nachschub besorgen. Nun hofft er, diese Woche hinzukommen. Dabei könnten sich die Leute eigentlich Zeit lassen. Das Angebot gelte ja bis Jahresende.

Um nicht sofort "ausverkauft" zu sein, entschieden sich einige Anbieter, Masken nur an Stammkunden zu verteilen. Damit könne laut Ulrike Klemm auch verhindert werden, dass einige Nutznießer von einer Apotheke zur nächsten ziehen, um illegal von der Aktion zu profitieren. "Wir haben die Verantwortung, die Masken so zu verteilen, dass sie reichen", betonte die Inhaberin der Löwen-Apotheke in Marienberg. Zu Zahlen wollte sie nichts sagen. Aber auch sie kritisierte das Vorgehen der Bundesregierung. Zumindest will Ulrike Klemm für eine faire Verteilung sorgen. Vollmachten würden dazu beitragen, wenn Verwandte die Masken für Betroffene abholen.

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