Flieger aus fünf Ländern widmen sich technischer Revolution

Eine Woche lang wird Großrückerswalde zum Mekka des Segeflugsports. Vieles dreht sich dabei um kleine Elektromotoren, die den Piloten ganz neue Möglichkeiten bieten.

Großrückerswalde.

Mit einem Weltrekordflug hat Otto Bräutigam schon 1938 in Großrückerswalde für Furore gesorgt. Von seinem Heimatort aus schaffte es der damalige Schulleiter mit einem Segelflieger bis nach Wien. Nun sollen auf dem Flugplatz im mittleren Erzgebirge erneut Maßstäbe gesetzt werden. Allerdings nicht mit einem einzelnen Flug, sondern mit einer ganzen Woche voller Flüge.

Dass ein internationales Teilnehmerfeld mehrere Tage lang am Himmel wetteifert, ist an sich nichts Neues. Was die Veranstaltung aber so besonders macht, ist die Beschaffenheit der Segelflieger. Die sind mit kleinen Elektromotoren ausgestattet, sodass die Piloten bei ausbleibender Thermik Abhilfe schaffen können. "E2Glide" heißt die moderne Disziplin, die ab dem heutigen Freitag eine Woche lang in Großrückerswalde zu erleben ist.

"Es ist wie eine Etappenfahrt im Radsport. Die Teilnehmer haben jeden Tag eine bestimme Strecke zurückzulegen, wobei die Zeit gemessen wird. Am Ende hat derjenige gewonnen, der in der Summe am schnellsten war", erklärt Markus Uhlig, der als sportlicher Leiter der Veranstaltung 16 Teilnehmer aus fünf Ländern begrüßen kann. "Neben mehreren deutschen Startern, zwei Slowenen, zwei Briten und einem Italiener ist sogar ein Australier dabei. Dazu kommen noch Schlepper-Piloten aus Tschechien", sagt der 24-Jährige vom Fliegerclub Großrückerswalde, der viele Beteiligte kennt. Schließlich ist er selbst aktiver Pilot, arbeitet als Fluglehrer und hat es dank seiner vielen Erfolge bis in die deutsche Nationalmannschaft geschafft.

Auch als 2019 in Italien die Premiere eines E2Glide-Wettkampfes über die Bühne ging, lief der Erzgebirger mit Platz 2 zu Höchstform auf. Doch statt an diese Leistung anzuknüpfen, will der Student nun lieber als Gastgeber und Organisator glänzen. Zusammen mit seinen Vereinskollegen sieht er in der Veranstaltung eine gute Gelegenheit, den elektrisch unterstützten Segelflug in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Einerseits wegen des hochkarätig besetzten Starterfeldes, das doppelt so groß ist wie bei der Premiere in Italien. Andererseits könne damit die fortschrittliche Rolle verdeutlicht werden, die dem E2Glide zukommt. Wurde vor 30 Jahren mit der Entwicklung von Verbrennungsmotoren begonnen, um schlechter Thermik entgegenzuwirken, so wird inzwischen auf Akkus gesetzt. Schon vier Kilowattstunden reichen laut Uhlig aus, um ein Segelflugzeug 100 Kilometer weit anzutreiben.

"Mit dem Schritt in Richtung der elektrischen Antriebe innerhalb der Luftfahrt nimmt der Segelflug damit erneut eine bedeutsame Pionierrolle in der Aviatik ein", betont Uhlig. Nach der sogenannten Faserverbundbauweise und wichtigen aerodynamischen Erfindungen sei dies "die dritte technische Revolution innerhalb der Fliegerei". Und der wollen die Großrückerswalder mit ihrer E2Glide-Woche noch mehr Bekanntheit verleihen. "Mittlerweile hat das Event sogar derartige Resonanz erfahren, dass sich alle europäischen Segelflugzeughersteller entweder am Wettbewerb beteiligen oder mit einem Vorführflugzeug zur Schaustellung angemeldet haben", freut sich der Organisator, der auf "den Durchbruch der Elektroflugzeuge in der Segelfliegerwelt" hofft.

Ob und wohin jeden Tag geflogen wird, entscheidet sich stets am Morgen. Je nach Wetterlage gilt es, die Regionen mit der besten Thermik zu finden und drei bis sechs Wendepunkte festzulegen. "Immer kurz nach dem Mittag werden die Flieger hochgezogen. Dort starten sie dann gemeinsam", erklärt Uhlig.

Zwischen 100 und 250 Kilometer lang sind die bis zum 5. September anstehenden Touren, die bis zu drei Stunden Flugzeit erfordern. Wer nachmittags als Erster die Ziellinie am Großrückerswalder Flugplatz überfliegt, ist der Tagesflieger. Bei schlechtem Wetter mit geschlossener Wolkendecke könnte es auch mal zu einer Absage kommen. "Aber unser Ziel ist, jeden Tag zu fliegen", gibt sich Uhlig optimistisch. Erst abends will er die Freizeit nutzen, um den Teilnehmern auch mal seine erzgebirgische Heimat vorzustellen.

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