Fräse und Sauger für maximales Tempo

Auf dem Weg zum schnellen Internet wird beim Verlegen der Glasfaser- kabel kräftig auf die Tube gedrückt. In Borstendorf kommt dabei ein neues Verfahren zum Einsatz.

Borstendorf.

Es ist nicht zu überhören, wie sich die riesige Radfräse durch die Asphaltschicht und den Unterbau der Felbergasse in Borstendorf frisst. Exakt 40 Zentimeter tief - um darunter liegende Leitungen nicht zu beschädigen - wühlen sich die Zähne aus abriebfestem Stahl ins Gestein. Dann setzt sich das Raupenfahrzeug, an dem die Grabenfräse befestigt ist, langsam in Bewegung und zieht einen schnurgeraden und 10 Zentimeter breiten Schlitz in die Straße. Bis zu 170 Meter schafft die Fräse am Tag. Die Beschaffenheit des Bodens unter der Straße bestimmt Geschwindigkeit und Lautstärke. Bei steinigem Untergrund kommt das Ungetüm ganz schön ins Ächzen. Unter normalen Bedingungen ist die Fräse jedoch nicht lauter als eine Rüttelplatte.

Trenching wird das Verfahren zum Verlegen von Rohren für Glasfaserleitungen genannt. "Diese Methode beansprucht nur wenig Platz und ermöglicht eine schnelle Fertigstellung von Leerrohr- und Glasfasertrassen", sagt Steffen Faatz, Prokurist bei der Firma Bergert Hoch- und Tiefbau (HTB). Das in Wechselburg ansässige und zur Bergert Group gehörende Unternehmen fräst seit vergangener Woche schmale Gräben in die Straßen und Gassen des Oberdorfs - im Auftrag der Telekom, die ihr Netz in Borstendorf ausbaut, um das Schachdorf mit schnellem Internet versorgen zu können.


Das Trenching-Verfahren werde seit etwa einem Jahr angewendet und sei deutlich schneller als herkömmliche Methoden mit Baggereinsatz, so Faatz. In der Entwicklungsphase habe HTB zwei von drei Pilotprojekten in Deutschland betreut. Aufgrund weiterer technischer Innovationen sei das Verfahren nun noch schneller gemacht worden. So wird bei den Fräsarbeiten in Borstendorf erstmals ein sogenannter Saugbagger eingesetzt - ein wie ein Müllauto aussehender Hightech-Laster mit Saugrüssel und Saugturbine. Kostenpunkt: rund eine halbe Million Euro.

"Das Teil hat eine Saugkraft von rund 80 Kilogramm, kann sogar Ziegel- und Pflastersteine schlucken", sagt Bauleiter Robby Baronius. Mit diesem Fahrzeug könne der Prozess vom Fräsen übers Verlegen der Kabel bis zum Verfüllen der Gräben vor allem auf engen Straßen schnellstmöglich erledigt werden. Denn das bei den Fräsarbeiten entstehende Material wird über einen Schlauch in den Saugbagger befördert und kann direkt abtransportiert werden. Es liegt praktisch kein Bauschutt auf der Straße, wodurch mehrere Arbeitsgänge gespart werden konnten. Nach dem Verlegen des Leerrohres, in dem sich mehrere Plasteröhrchen für die Glasfaserkabel befinden, wird der Graben mit einem sogenannten Flüssigboden aufgefüllt und mit einer Asphaltschicht verschlossen. "Für dieses 170 Meter lange Stück haben wir zwei Tage benötigt - vom ersten Schnitt bis zum Asphaltieren", sagt Bauleiter Baronius und zeigt auf die frische schwarze Naht auf dem Hohen Weg. Dennoch werde es bestimmt ein Jahr dauern, bis alle Kabel in Borstendorf verlegt sind.

Fleißig verlegt wird auch schon in Börnichen. In Waldkirchen sollen die Arbeiten in vier bis sechs Wochen beginnen. In Grünhainichen ist ebenfalls ein Ausbau des Netzes geplant. Wie die Telekom mitteilt, sollen insgesamt mehr als 145 Kilometer Glasfaserkabel verlegt und 41 neue Glasfaser-Netzverteiler aufgestellt werden.

So sollen künftig rund 2000 Haushalte mit maximalem Tempo im Internet surfen können. Nach Angaben des Kommunikationsunternehmens erhalten etwa 1000 Bestandskunden einen Glasfaser-Anschluss direkt bis ins Haus. Für die weiteren rund 1000 Haushalte wird die Anbindung nur bis zur Grundstücksgrenze verlegt. Diese hätten aber die Möglichkeit, sich kostenpflichtig den Anschluss ins Gebäude verlegen zu lassen. Die Anschlüsse bieten laut Telekom alle Möglichkeiten für digitale Anwendungen.

"Darüber sind wir natürlich sehr froh", sagt Grünhainichens Bürgermeister Robert Arnold. Nachdem im Verwaltungsverband Wildenstein Antennengemeinschaften bereits vor Jahren für die Anbindung an die Datenautobahn gesorgt haben, bringe diese digitale Aufrüstung der Gemeinde eine weitere Aufwertung.

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