Frühaufsteherin findet am Backofen ihre Erfüllung

Sachsens beste Jugend- Bäckerin kommt aus Zschopau. Auch wenn sie dafür einige Opfer bringen muss, hat Liane Ihle ihren Traumberuf gefunden.

Zschopau.

Meistens klingelt bei Liane Ihle schon vor 3 Uhr der Wecker. Wenn so manch anderer sich erst hinlegt, geht sie zur Arbeit. Schließlich werden in der Zschopauer Bäckerei Vieweger die ersten Brötchen schon ganz früh am Morgen verkauft. "Man gewöhnt sich dran", sagt die 19-jährige Waldkirchenerin, die inzwischen nach Zschopau gezogen ist. Dies erspart ihr die nächtliche Fahrt mit dem Moped und unterstreicht ihre Aussage: "Ich bin froh, dass ich in diesem Beruf und in dieser Bäckerei gelandet bin." Genauso froh sind ihre Arbeitskollegen, denn sie wissen, dass sie nicht nur eine sympathische, sondern auch eine hoch begabte Bäckerin an ihrer Seite haben.

Unter Beweis gestellt hat Liane Ihle ihre besonderen Fähigkeiten gerade in Dresden. Bei der dortigen Sächsischen Meisterschaft der Jugend im Bäckerhandwerk musste sie nur einem männlichen Konkurrenten den Vortritt lassen. Als Zweite und beste Frau im Feld verpasste die Erzgebirgerin nur hauchdünn den Sprung zur Deutschen Meisterschaft, die im November in Weinheim ansteht. Doch auch so war die Freude groß. "Wir hatten nur sechs Stunden Zeit", berichtet die 19-Jährige und verweist dabei auf das immense Pensum. Zehn Brote waren nur ein kleiner Teil davon. Außerdem sollte nicht nur Genuss für den Gaumen herauskommen, sondern auch fürs Auge. "Der Wettbewerb stand diesmal unter dem Motto ,Die Welt der Comics'", berichtet Liane Ihle, die es nicht ganz so mit modernen Helden hält. Stattdessen widmete sie ihre Thementorte lieber der Biene Maja.

Liebevolles Gestalten wurde der Waldkirchenerin von ihrer Mutter, einer gelernten Holzspielzeugmacherin, mit in die Wiege gelegt. "Auch ich wollte schon immer in die handwerkliche Richtung gehen", sagt die Tochter, die aber auch unter dem Einfluss ihrer Oma stand. Der hatte sie als kleines Kind oft dabei geholfen, Kuchen und Kekse zu backen. Schon bald schob Liane Ihle ihren ersten eigenen Sandkuchen in den Ofen. Ein Praktikum während ihrer Schulzeit sowie die Apfel- und Quarktaschen, die sich in der nahe gelegenen Bäckerei Vieweger häufig in den Pausen zur Stärkung holte, bestätigten sie letztlich in ihrer Entscheidung: "Lebensmittel machen am meisten Spaß." Inzwischen hat sie die Ausbildung erfolgreich gemeistert. Ihre Note 3 in der Theorie konnte sie leicht verschmerzen, wie ihr Schmunzeln verrät. Was für Liane Ihle viel mehr zählt, ist die 1 in der Praxis. Denn die 19-Jährige will nicht wissen, wie etwas geht. Sie will es machen.

Apfel- und Quarktaschen, in die sie als Schülerin gern gebissen hat, stellt sie jetzt selbst her. Dass sie dafür abends spätestens 20 Uhr im Bett sein sollte, um früh aus den Federn zu kommen, nimmt sie gern in Kauf. "Ich bin in einem schönen Umfeld mit lieben Kollegen gelandet", sagt die 19-Jährige, die schon immer gern in einem kleinen Familienbetrieb arbeiten wollte: "Hier wird noch mehr mit der Hand gearbeitet und weniger mit großen Maschinen." Dafür opfert die Bäckerin auch gern ihren nächtlichen Schlaf, zudem sie diesen tagsüber nachholt. Eine bis anderthalb Stunden Mittagsschlaf helfen enorm. Und dann bleibt noch genügend Zeit, die Nachmittage zu genießen. Auch das sei ein Vorteil gegenüber anderen Berufen: "Man hat mehr vom Tag."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...