Für drei Monate in einem fernen Land

Die Zöblitzer Pfarrersfamilie Rohloff lebte, unterrichtete und studierte ein Vierteljahr in Papua- Neuguinea. Darüber will sie Anfang Juni in der Stadtkirche berichten.

Zöblitz.

Die drei Monate fern der Heimat haben den Horizont der Zöblitzer Familie Rohloff erweitert. Das stellt Pfarrer Wolfram Rohloff nach der Rückkehr vor einigen Tagen fest. Gemeinsam mit seiner Frau Elisabeth sowie den beiden Töchtern Theodora und Gloria hat er auf dem Campus des Lutherischen Hochlandseminars in Ogelbeng in Papua-Neuguinea gelebt, unterrichtet und studiert.

Das Leben dort sei weniger stressig und nicht so komplett durchorganisiert wie in Deutschland gewesen. So vermissten die Vier schon bald nach ihrer Rückkehr im Erzgebirge die ruhigen Nachmittage und Abende mit der Familie. Dafür hat die Kantorin ihre Orgel wieder. Diese Musik hatte ihr in Ogelbeng ganz besonders gefehlt. Außerdem mussten die Rohloffs auf laue Sommerabende im Freien verzichten. Schließlich war es schon gegen 18.30 Uhr dunkel.

Mit der Ernährung gab es keine Probleme. Es gab reichlich frisches Gemüse und Reis. Elisabeth Rohloff konnte sogar ihr eigenes Brot backen. Das sei dort kaum verbreitet. Die Papuas ernähren sich in erster Linie von Süßkartoffeln. Die Lagerung von Fleisch gestaltete sich etwas schwierig. Zwar stand in dem Haus ein Eisschrank. Allerdings fielen oft und auch mehrere Tage lang der Strom und damit die Kühlung aus. Für die Mädchen waren die drei Monate eine unvergessliche Erfahrung. Sie trafen auf eine völlig andere Kultur, fanden neue Freunde, spielten mit ihnen und verständigten sich in der Landessprache Tok-Pisin. Ihre Freundin Bomoteng vermissen sie bereits.

Die Einheimischen haben die Familie aus Deutschland warmherzig aufgenommen. Auf dem Campus des Lutherischen Hochlandseminars lebten Rohloffs gemeinsam mit den Familien etwa 75 weiterer Studenten aus dem ganzen Land. Pfarrer Wolfram Rohloff nahm an Vorlesungen teil und unterrichtete die angehenden Pfarrer. "Ich habe mich wieder sehr intensiv mit der Theologie beschäftigen müssen, damit mich die Studenten auch in ihrer Landessprache verstehen", betont er. Den Menschen dort sei Martin Luther noch viel wichtiger als den Erzgebirgern. Oft haben ihnen die Papuas erzählt, wie die christliche Religion die Region friedlicher gemacht hätte. Auseinandersetzungen und Kriege unter den Stämmen gäbe es mittlerweile kaum noch. Außerdem sei mit dem Glauben die Angst vor den bösen Geistern gewichen. Deprimierend sei jedoch die ärztliche Versorgung im Land. "Ein deutscher Arzt hat uns erzählt, dass ihn seine dortige Arbeitsstätte eher an ein Feldlazarett im Zweiten Weltkrieg als an eine Klinik erinnere", berichtet Wolfram Rohloff.

Daher ist die Familie froh darüber gewesen, dass niemand in Ogelbeng krank geworden ist. Während die Männer die Zeit vom Morgen bis zum Mittag für das Studium nutzten, wurden die Frauen in Theologie oder Gesundheitslehre unterrichtet. Einige von ihnen lernten dort erst Schreiben und Lesen. Elisabeth Rohloff nutzte diese Zeit, um mit ihren Töchtern den Lehrstoff durchzugehen, den sie mit der Zöblitzer Grundschule vorher abgesprochen hatte. Außerdem unterrichtete die Kantorin einige Studenten auf der Flöte und leitete einen Chor.

Ein ziemlicher Schreck durchfuhr die Familie am 26. Februar um 4 Uhr morgens, als die Erde bebte, ihr Haus mächtig rüttelte und eine Schüssel zu Bruch ging. Das Epizentrum des Bebens befand sich mehr als 100 Kilometer von Ogelbeng entfernt. Dort fielen ihm weit über 100 Menschen zum Opfer. Die christliche Fluggesellschaft MAF, bei der auch die ehemalige Lengefelderin Mandy Glass seit fast zehn Jahren arbeitet, brachte mit ihren Flugzeugen Hilfsgüter in das betroffene Gebiet. Ansonsten kümmert sich MAF darum, dass auch Menschen in abgelegenen Regionen des Landes medizinisch versorgt werden können.

Die Reise hatte die Sächsische Landeskirche im Rahmen des sogenannten Kontaktstudiums ermöglicht. Das ist Pfarrern erlaubt, die zehn Jahre und länger in einer Gemeinde im Dienst sind. Die Wahl fiel auf dieses Land, nachdem Rohloffs mehrere Male Besucher aus Papua-Neuguinea bei sich empfangen haben. "Unsere Gäste hatten uns neugierig gemacht", so Wolfram Rohloff. Bereut haben die Zöblitzer diese Wahl nicht. Am 1. Juni wollen sie von ihrem Aufenthalt in einem Vortrag in der Zöblitzer Stadtkirche berichten. Die Veranstaltung beginnt 19.30 Uhr.

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