Glosse: Schmutzkampagne

Wie in 100 Jahren für die Welterberegion Erzgebirge geworben werden könnte

Hurra, das Erzgebirge ist Welterbe, welch eine Freude! Der Unesco-Titel ist eine Anerkennung der Lebensleistung eines besonderen Menschenschlages, eine Wertschätzung der Tradition und der Lebensweise einer ganzen Region. Findige Unternehmer rühren jetzt mit dem Titel die Werbetrommel. Dabei hat auch die aktuelle Generation bereits einen Anteil und sorgt schon jetzt dafür, dass nicht nur die vergangene, sondern auch die moderne Lebensweise im Erzgebirge noch in 100 Jahren erkennbar sein wird - auch für die Uhiesischen. Das beginnt an der Grenze, genauer gesagt, in Reitzenhain. Dem aufmerksamen Beobachter wird schon im Grenzdorf auffallen, dass diese Lebensweise sprichwörtlich in der Botanik verteilt liegt: Zigarettenstummel, Plastiktüten, leere Flaschen, Müll soweit das Auge reicht. Dieses Bild zieht sich weiter entlang der Bundesstraße 174 und lässt sich auch in Gelobtland und anderen Orten finden. An der Straße zwischen Rübenau und Rothenthal landen bald täglich Windeln und Unrat im Wald. Geht dieser Trend weiter, werden die Attraktionen des Erzgebirges künftig nicht mehr Saigerhütte Olbernhau oder Reiche Zeche Freiberg heißen. Stattdessen werden neue Monumente der erzgebirgischen Lebensweise sprichwörtlich: etwa die Windelwüste an der Natzschung oder der Plasteberg von Gelobtland. Vielleicht wird auch gleich das "Erz" im Erzgebirge gestrichen und durch "Abfall" ersetzt. Wem das stinkt, der sollte schon jetzt mit diese Schmutzkampagne brechen und seinen Müll nicht in die Natur werfen.

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...