"Grüße aus Zschopau" noch zeitgemäß?

Ob ihr Sammlerwert mal ähnlich hoch sein wird wie der alter Exemplare mit historischen Ansichten der Motorradstadt, ist unklar. Fakt ist, dass es die klassische Postkarte in Zeiten von Whatsapp, SMS und E-Mail nicht leicht hat.

Zschopau.

Verschickt werden sie vermutlich nicht mehr - die alten Ansichtskarten, die auf dem Dachboden eines Hauses in Altenhain im Kreis Mittelsachsen gefunden wurden. Neben etlichen historischen Fotos mit Motiven der Stadt Oederan stieß man im Nachlass des ehemaligen Hausbesitzers auch auf zahlreiche alte Postkarten, darunter drei aus Zschopau stammende Exemplare. Auf einer im Januar 1942 geschriebenen Karte ist das Schloss Wildeck abgebildet. Eine andere in den 1940er-Jahren in den heutigen Frankenberger Ortsteil verschickte Karte zeigt "Zschopau i. Sa." in der Gesamtansicht. Das ebenfalls aus dieser Zeit stammende dritte Stück, Herausgeber war der Verlag Grasersche Buchhandlung Annaberg, bietet einen imposanten Blick auf die Zschopauer Kirche. Die Rückseite der Karte ist zwar unbeschrieben. Statt im Briefkasten dürfte diese aber dennoch eher im Album eines Sammlers landen.

Denn die schwarz-weißen Raritäten mit Zschopauer Motiven stehen offenbar hoch im Kurs. Auf der Internetplattform Heimatsammlung.de etwa wird eine 1902 im Verlag Paul Naumann Zschopau erschienene Ansichtskarte mit Stadtansicht für stolze 14 Euro angeboten. Eine bereits etwas vergilbte "Partie am Bodemer Wehr" ist im Online-Versandantiquariat für 9Euro zu haben. Der Schnappschuss in das wildromantische Zschopautal ist dafür wahrhaft meisterlich.

Zschopaus Sehenswürdigkeiten und Schokoladenseiten sowie die Industriegeschichte sind auch heute noch die bestimmenden Motive auf den Ansichtskarten der Stadt. "Wir haben aktuell 13 verschiedene Bildpost- und vier Kunstpostkarten von Zschopau im Angebot", sagt Kerstin Krzywonos von der Touristinformation im Schloss Wildeck.

Die preiswerteste Karte koste 25 Cent, der teuerste bebilderte Gruß aus der Stadt 1,20 Euro. Der absolute Renner im Programm sei eine mit verschiedenen Fotos und der Aufschrift "Motorradstadt Zschopau" versehene Ansichtskarte. Aber auch das "Schloss bei Nacht" werde gut gekauft, ergänzt Kerstin Krzywonos' Kollegin Kristina Schubert.

Aber ist das Verschicken von Urlaubsgrüßen mit der guten alten Ansichtskarte in Zeiten von Whatsapp, SMS und E-Mail überhaupt noch zeitgemäß? Die beiden Frauen von der Touristinformation nicken. "361 Postkarten haben wir sei Januar 2017 verkauft", berichtet Kerstin Krzywonos. "Die Nachfrage ist nach wie vor da. Nicht nur bei Gästen oder Touristen, sondern auch bei Einheimischen." Zur Weihnachtszeit oder zu Festen in der Stadt laufe der Verkauf am besten, sagt Kristina Schubert - "und natürlich in der Reise- und Urlaubszeit im Sommer".

In den vergangenen Wochen hätten vor allem viele Dänen und Niederländer das Schloss besucht. Sogar Australier seien in der Stadt gewesen, freut sich das Duo von der Touristinfo. Gleich mehrere Ansichtskarten habe jüngst auch ein Gast aus Italien mitgenommen. "Der Mann hat auf der Rückreise von einem Urlaub in Skandinavien Station in Zschopau gemacht", berichtet Kristina Schubert. In der Motorradbranche tätig, sei ein Besuch der MZ-Stadt für ihn Pflicht gewesen. "Er war stundenlang in unserer Motorradausstellung und total begeistert."

Vielleicht tauchen einige der Ansichtskarten des Italieners in ein paar Jahrzehnten ja wieder auf, wenn in seinem Haus in der Toskana der Dachboden aufgeräumt wird. Wer weiß, was die "Urlaubsgrüße aus Zschopau" dann wert sind?

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