Händler blasen Aktion wieder ab

20 Gewerbetreibende in der Zschopauer Innenstadt wollten mit verhängten Schaufenstern auf drohendes Ladensterben hinweisen. Der Gewerbeverein sah das kritisch.

Zschopau.

Mehr als 20 Gewerbetreibende in Zschopaus Innenstadt wollten am Wochenende mit einer ungewöhnlichen Aktion ein Zeichen setzen. Geplant war, dass nach Ladenschluss am Samstag bis Montagfrüh die Schaufenster ihrer Geschäfte verhängt oder verdunkelt werden - mit schwarzen Laken, Planen oder Pappen. Damit wollten die Händler auf Kunden- und Umsatzrückgang und das dadurch drohende Ladensterben in der Innenstadt aufmerksam machen.

Am Donnerstagnachmittag sagte Silke Auerbach, die zu den Initiatoren der Aktion gehörte, das Vorhaben wieder ab. "Wir haben uns entschieden, es doch nicht zu machen", so die Inhaberin eines Damenbekleidungsgeschäftes an der Marienstraße, ohne nähere Gründe nennen zu wollen.

Zschopaus Gewerbeverein war von Anfang an gegen die ursprünglich schon für das erste Adventswochenende geplante Aktion. Diese habe man "durch persönliche Intervention zum Glück noch abwenden können", so Robert Hähnel, der Vorsitzende des Gewerbevereins Zschopau. Den erneuten Anlauf sah er ebenfalls kritisch. "Wir werden diese Aktion nicht unterstützen", betonte Hähnel. Die Beweggründe der Ladeninhaber seien zwar durchaus nachzuvollziehen, da die Kunden- und damit auch die Umsatzlage in diesem Jahr besonders prekär gewesen seien. Der November sei bei vielen der schlechteste Monat seit Ewigkeiten gewesen, was schnelle Gegenmaßnahmen durchaus notwendig mache. Das Verhängen oder Verdunkeln der Schaufenster hält der Vorsitzende des Gewerbevereins aber nicht für den richtigen Weg: "Das befinden wir nicht für tauglich, Kaufanregungen zu schaffen."

Auslöser für die Alarmstimmung unter den Innenstadthändlern seien die Auswirkungen durch den seit Jahren boomenden Onlinehandel, und nicht zuletzt die Verkehrssituation in Zschopau, so Silke Auerbach, die seit vier Jahren die "Weiber-Wirtschaft" betreibt. Die durch die im März begonnenen Kanalarbeiten in der Gartenstraße bedingten Umleitungen haben den Händlern zusätzlich das Leben erschwert: "So schlimm wie jetzt war es noch nie." Die Geschäfte an der Rudolf-Breitscheid-Straße, Lange Straße, Marienstraße und Ludwig-Würkert-Straße seien nur schwer erreichbar, Parkmöglichkeiten kaum vorhanden.

Die Aktion sollte in erster Linie aber auch ein Appell an die Leute sein, betonte Silke Auerbach noch Tage vor der kurzfristigen Absage: "Jeder regt sich auf, wenn in der Stadt ein Laden schließt. Dabei sollte man sich lieber fragen, warum ein Laden zumacht und was man persönlich dazu beitragen kann, das zu verhindern." Die Aktion sollte sowohl Zschopauer als auch Gäste zum Nachdenken anregen: Wenn Besucher das Ambiente nur genießen, aber nie einen Fuß in ein Geschäft setzen, werde es irgendwann keinen Einzelhandel mehr in der Innenstadt geben, und damit gehe dann auch das Ambiente verloren. Statt Schaufenster zu verhängen habe es sich der Gewerbeverein zur Aufgabe gemacht, die Digitalisierung des Handels als Chance in der ländlichen Gegend zu nutzen. Hähnel: "Wir glauben weiterhin fest daran, dass der Zschopauer Handel und besonders der Mikrokosmos Innenstadt nur als Ganzes bestehen und konkurrenzfähig sein kann und suchen entsprechend auch das Gespräch mit jedem einzelnen Gewerbetreibenden der Stadt."


Kommentar: Vorhänge sind keine Lösung

Der Einzelhandel ist im Umbruch. Seit einigen Jahren schon. Nicht nur in Zschopau. Das Kaufverhalten hat sich geändert. Auch weil die Datenautobahn schneller und bequemer ist als die Anfahrt durch das Umleitungswirrwarr einer engen Kleinstadt. Dort langt ein Mausklick, hier sind es vielleicht noch drei, vier Minuten zu Fuß vom Parkplatz bis zum Geschäft. Dazu ist die Auswahl im Online-Shop viel größer. Klar kann mit verhängten Auslagen an das Gewissen der Leute appelliert werden. Ob sie deswegen dann aber auch tatsächlich zum Einkaufen in die Innenstadt kommen, ist jedoch eher fraglich. Der Ansatz des Gewerbevereins, Online-Handel auch auf dem Land zu nutzen, ist besser. Am besten geht das gemeinsam.

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