Händler werben für Solidarität und entwickeln Eigeninitiative

Einen Tag vor der Schließung zahlreicher Geschäfte war Zschopaus Innenstadt nochmals belebt. Der Gewerbeverein hatte zum Einkauf aufgerufen. Auch in Olbernhau wenden sich Händler an ihre Kunden.

Zschopau/Olbernhau.

In der Zschopauer Innenstadt war am Mittwochvormittag zeitweise kaum eine Parklücke zu finden. Einen Tag vor der Schließung zahlreicher Geschäfte hatte der Gewerbeverein "Unser Zschopau" einen Tag der kleinen Läden ausgerufen. "Schaut noch einmal in euren Lieblingsladen und kauft noch etwas ein. Selbst wenn es eine Kleinigkeit ist, so hilft es den Inhabern doch über die anstehende, lange Durststrecke", appellierte der Verein im sozialen Netzwerk an die Zschopauer.

Dem Aufruf sind offenbar viele gefolgt. Der Vorsitzende Robert Hähnel sprach gestern von einer ordentlichen Resonanz. In den vergangenen Tagen hat der Vereinschef immer wieder elektronische Rundschreiben verschickt, um die Händler über die neuesten Entwicklungen und Hilfsangebote des Freistaates auf dem Laufenden zu halten. So soll die Sächsische Aufbaubank angesichts der Corona-Pandemie zinsfreie Darlehen von bis zu 50.000 Euro bereitstellen. Bei älteren Unternehmern, die bald in den Ruhestand gehen, sei die Bereitschaft allerdings gering, einen Kredit aufzunehmen, sagt Hähnel: "Viele Geschäftsinhaber haben Muffensausen und fürchten im ihre Existenz." Am Nachmittag erreichte Hähnel dann die Nachricht, dass die Darlehen nicht in jedem Fall zurückzuzahlen seien.

Noch vor einer Woche steckten die Gewerbetreibenden mitten in der Vorbereitung ihres Frühlingsfestes. Wie viele andere Veranstaltungen musste der Zschopauer Frühling abgesagt werden. Einen Ersatztermin gibt es noch nicht. Sollte sich die Lage bis Sommer nicht bessern, will sich der Verein auf das Herbstfest am 26. September konzentrieren. Derweil überlegt Robert Hähnel, wie er Händlern helfen kann, sich in dieser schwierigen Zeit über Wasser zu halten: "In einem Online-Workshop wollen wir zeigen, wie Geschäfte mit wenig Aufwand über Internetportale wie Ebay-Kleineinzeigen oder Google auf sich aufmerksam machen können." Zudem werden Plakate vorbereitet, die in Schaufenstern auf Läden verweisen sollen, die weiter geöffnet bleiben.

Einen Aufruf zur Solidarität haben auch Olbernhauer Händler gestartet. "Grundsätzlich haben alle, mit denen ich gesprochen habe, Verständnis. Trotzdem machen sich die Inhaber natürlich Gedanken, wie sie die Zeit der Schließung überstehen", sagt Marko Hunger, Mitinitiator der Olbernhauer Innenstadtinitiative und selbst Inhaber eines Bekleidungsgeschäftes. Die betroffenen Branchen müssen weiter laufende Kosten, etwa für Personal und Miete zahlen, können aber auf zunächst unbestimmte Zeit keine Einnahmen verbuchen. Besonders das unter Umständen ausfallende Ostergeschäft bereitet den Händlern Kopfzerbrechen. "Wir haben Plakate drucken lassen, die in den Schaufenstern an potenzielle Kunden appellieren, eventuell geplante Einkäufe in der Zeit der Schließung nicht im Internet zu tätigen", sagt Marko Hunger. Stattdessen werden sie gebeten, zu warten und nach der Wiederöffnung der Läden vor Ort zu kaufen.

So ein Plakat hat auch Mirko Müller, Filialleiter einer Reisebürokette, in sein Schaufenster geklebt. Er und seine Mitarbeiterin haben trotz oder gerade wegen der Corona-Krise gut zu tun. Pausenlos klingelt das Telefon. "Die Leute wollen wissen, wie es mit ihrer Reise weitergeht. Wir bekommen zahlreiche Absagen von Reiseveranstaltern. Das müssen wir jetzt an die Kunden weitergeben." Auch wegen der Rückholung von Reisenden ist die Anspannung groß.

Telefonisch will Marko Hunger auch während der Schließung zur Verfügung stehen. Für die Zeit nach der Krise hofft er auf schnelle staatliche Hilfen: "Ich fürchte, dass eine lang andauernde Schließung nicht alle Geschäfte durchhalten werden. Da der innerstädtische Handel sozusagen das Gesicht einer Stadt ist, muss hier etwas geschehen."


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