Harte Zeiten für Eismacher: Bahnen stehen vor dem Aus

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Die Energiekrise zwingt Andreas Engert zum Aufgeben. Er wird seine Schlittschuhbahnen im Winter nicht aufbauen. Andere Betreiber im Kreis haben ebenfalls Sorgen.

Erzgebirge.

Nicht nur seine Haarpracht ist in den letzten Jahren gewachsen, sondern auch seine Sorgenfalten. Andreas Engert hat sich mit seinen Schlittschuhbahnen im Erzgebirge einen Namen gemacht. Erst in Annaberg, dann in Marienberg und schließlich in Olbernhau waren seine Eisarenen als fester Bestandteil des Freizeitangebots in den Wintermonaten nicht wegzudenken und lockten Abertausende Besucher an. Doch nun muss der Annaberg-Buchholzer das eisige Vergnügen im dritten Jahr in Folge absagen. Anderenorts im Erzgebirge ist die Lage ebenfalls prekär. Lediglich in einem Ort ist Schlittschuhlaufen garantiert. Dass es im Westen der Republik anders aussieht, sorgt bei Engert für Kopfschütteln.

"Zwei Jahre Berufsverbot und jetzt kommt das", sagt der Eisarena-Betreiber zur Coronakrise und den explodierenden Strompreisen. In den beiden zurückliegenden Saisons zwangen ihn die Corona-Auflagen zum Aufgeben. Im vergangenen Jahr musste er ausgerechnet am Eröffnungstag auf dem Marienberger Markt die Kühlaggregate wieder ausschalten. "Das war einer der schwierigsten Momente in meinem Leben", erinnert sich Engert. "Das Aus schadet nicht nur mir, sondern auch den Menschen in der Region. Eine Eisbahn bedeutet Freizeit, Freude, Abwechslung und obendrein sportliche Betätigung für Kinder, die ohnehin eingeschränkt wurde."

Diesmal muss Engert schon frühzeitig die Notbremse ziehen. Der einfache Grund: die Strompreisentwicklung. Damit sich seine Eisarena rentiert, ist der Familienvater auf die Unterstützung von Kommunen und Sponsoren angewiesen. Doch Unternehmer fürchten in der Energiekrise um ihre eigene Existenz. Die Städte wiederum können die Betriebskosten der Eisbahnen nicht mehr anteilig übernehmen. "Die Stadtwerke Annaberg rechnen damit, dass sich die Stromkosten von 20.000 Euro für die Zeit auf dem Annaberger Markt auf fast 200.000 Euro erhöhen", so Engert. Marienbergs Oberbürgermeister André Heinrich bestätigt, dass angesichts der Notlage der regionalen Firmen ein städtischer Zuschuss unmöglich ist. Verständlicherweise, sagt Engert: "Es geht einfach nicht in einer Zeit, wo Unternehmen krachen gehen könnten."

Doch nicht nur in Annaberg, Marienberg und Olbernhau wird es keine Eisbahn geben, sondern auch in Schneeberg. Auf dem Markt konnten die Stadtwerke mit der Silberstrom-Eisarena zuletzt 2020 Eislaufspaß anbieten. Diesmal werde aber keine Eisbahn betrieben, erklärt Stadtwerke-Geschäftsführerin Janice Kaiser. Die Diskussion um Energiesparmaßnahmen, auch auf Basis der aktuellen Energieeinsparverordnungen, hätten maßgeblich zur Entscheidung beigetragen.

In Oberwiesenthal hat René Lötzsch, Geschäftsführer der Fichtelberg Schwebebahn, noch nicht entschieden, ob die Kühlaggregate für die Kunsteisbahn angeschlossen werden. Sie sind erwiesenermaßen ein Energiefresser. Die Eisbahn kostete die FSB bislang 75.000 Euro, jetzt rechnet Lötzsch mit mindestens 150.000 Euro. Ebenfalls noch offen ist die Entscheidung im Auer Icehouse. "Wir hatten große Hoffnung, in dieser Saison endlich die Türen wieder öffnen zu können. Diese Hoffnung ist nun wieder getrübt", sagt eine Sprecherin der Nickelhütte. Es stellt sich die Frage nach der Vertretbarkeit aufgrund der Energieversorgungssituation. Man hoffe, bis Anfang November eine endgültige Entscheidung treffen zu können.

Lediglich im Schönheider Fuchsbau, dem Stadion der Schönheider Wölfe, wird Schlittschuhlaufen auch in diesem Jahr garantiert möglich sein. Der Eishockeyverein konnte kurz vor Saisonbeginn aufatmen, dass im Stadion doch aufgeeist wurde. Zunächst war das Aufeisen von Bürgermeister Thomas Lang verschoben worden. Begründung: die enormen Kosten und die noch nicht abschätzbaren Auswirkungen der Energiekrise für die Gemeinde.

Dass im Westen der Republik diese Sorgen und Probleme scheinbar weniger bestehen, sorgt bei Andreas Engert für Unmut. "Ich habe Anfragen aus dem Westen, dort Eisbahnen aufzustellen. Das ist moralisch nicht vertretbar, wenn man sieht, wie schlecht es den Unternehmern im Erzgebirge geht", betont Engert. Er will daher keine eigenen Bahnen zur Verfügung stellen, aber wird mit seinem Team beim Auf- und Abbau anderer Anlagen helfen, damit seine Leute im Winter Arbeit haben. Aber er lässt sich auch für das Erzgebirge ein Hintertürchen offen, sollten die Strompreise nach politischen Entscheidungen tatsächlich noch rechtzeitig auf ein vertretbares Maß fallen. (mit ka/ike/tjm)

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