Havarie am Stau löst Schlammwelle aus

In Hopfgarten ist die Zschopau sprunghaft gestiegen, aus klarem Wasser wurde plötzlich braune Brühe. Was war passiert?

Hopfgarten.

Der Wanderer hatte seinen Augen nicht getraut, als er am Mittwoch in Hopfgarten die Brücke überquerte. Der Wasserspiegel der extrem Niedrigwasser führenden Zschopau stieg sprunghaft an, und aus dem eben noch klaren Fluss wurde plötzlich eine braune Brühe. Wenig später waren bereits Fotos der Schlammwelle, die schnell flussabwärts zog, in den sozialen Netzwerken zu sehen.

Das war passiert: Die Stauvorrichtung einer Wasserkraftanlage (WKA) in dem Großolbersdorfer Ortsteil hatte sich geöffnet. Der direkt an der Straße nach Wolkenstein gelegene Wehrteich lief innerhalb von kurzer Zeit leer, wodurch der Pegel der Zschopau stromab sprunghaft anstieg - an der Pegelmessstelle in Hopfgarten nach "Freie Presse"-Informationen um mehr als 35 Zentimeter. Zudem spülte das Wasser vom Grund des Wehrteiches und aus dem Staubereich Unmengen Schlamm flussab - die Ursache für die extreme Braunfärbung. Eine größere Anzahl toter Fische sei zwar nicht beobachtet worden, doch am Abend sollen in Atemnot geratene Bachforellen und Äschen in der Schlammwelle den Fluss hinunter getrieben sein.

Als die Stauvorrichtung dann wieder geschlossen und mit dem Wiederaufstau der Zschopau begonnen wurde, sei der Pegel auf 450 Liter/Sekunde im Minimum gesunken, wodurch Flachbereiche in Ufernähe über einen langen Zeitraum trocken waren - vor allem für Jung- und Kleinfische eine tödliche Falle. Der Normalpegel der Zschopau sei erst am Donnerstagmorgen gegen 6 Uhr bei Vollstau des Wehrteiches wieder erreicht worden.

"Der Vorfall wird Folgen für das gesamte Ökosystem der Zschopau bis hin zur Talsperre Kriebstein haben", reagierte der Anglerverband Südwestsachsen (AVS) auf seiner Facebookseite auf das Geschehen im Erzgebirge. Trotz Wassertemperaturen von 24 Grad Celsius und absolutem Niedrigwasser sei der Wehrstau der WKA Hopfgarten vollständig entleert worden. Aus Sicht des AVS ein nicht tolerierbares Verhalten - noch dazu bei dem vom Landratsamt des Erzgebirgskreis erlassenen Schöpfverbot.

Die Ursache: Wie die untere Wasserbehörde des Landratsamtes auf Anfrage der "Freien Presse" mitteilte, habe sich in der WKA Hopfgarten an diesem Tag eine Havarie ereignet. "Nach Auskunft der Mitteldeutschen Netzgesellschaft Strom mbH kam es im betroffenen Bereich zwischen 15 und 16 Uhr zu einer Mittelspannungsstörung, die eine Havarie in der Steuerung der Hydraulikanlage der Schütztafeln zur Folge hatte", informierte die Pressestelle. Nachdem sich die Schütztafeln selbstständig geöffnet hatten, sei das Wasser abgeflossen. "Eine Abflussspitze am Pegel Hopfgarten war messbar." Der Grund des Wehrteiches sei aufgespült worden, was zu einer Gewässerverunreinigung im Unterwasser der Anlage geführt habe, so die Behörde weiter. Bei einer Besichtigung der Anlage am Donnerstag sei festgestellt worden, dass das Gewässer noch erheblich eingetrübt sei, die Gewässersohle flächig mit Feinsedimenten belegt und im Wasser selbst einpartikuläre Schwebstoffe vorhanden gewesen wären. Ein Fischsterben habe die Behörde jedoch nicht feststellen können.

Wie die untere Wasserbehörde weiter mitteilte, könne dem Betreiber kein Verschulden zugerechnet werden. Allerdings hätte er die Havarie unverzüglich anzeigen müssen. Dieser Verpflichtung sei der Betreiber nicht nachgekommen. Mit strafrechtlichen Folgen müsse dieser trotzdem nicht rechnen. Ein Straftatbestand sei im vorliegenden Fall nicht erfüllt.

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1Kommentare
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    Tauchsieder
    28.08.2018

    Sind dies nur Vermutungen, oder gibt es Beweise das die Wehrklappen, ohne Möglichkeit dies zu verhindern, von allein umklappten?
    Die ganze Sache hört sich eher an wie Schwallbetrieb, da dies an dieser Stelle schon immer zu beobachten war. Ohne Strom öffnen sich die Klappen nicht, sie setzen sich nicht selbstständig in Bewegung, da es noch mechanische Sicherungen gibt. Will hier der Betreiber den Angelverband und/oder die Behörden hinters Licht führen. Vor allem die reflexartige Reaktion der UWB das dem Betreiber kein Verschulden nachzuweisen ist hat vor einer Untersuchung zu unterbleiben. Oder gibt es eine gewisse Interessensgemeinschaft zwischen Beiden?
    Dem Angelverband kann man nur raten dies zur Anzeige zu bringen!



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