Herbst 2020 ist zu warm

Wie sah die Jahreszeit in Dittersdorf und Olbernhau aus? Die beiden Hobbymeteorologen Jens Weißbach und Dirk Christoph haben ihre Beobachtungen dokumentiert.

Olbernhau/Dittersdorf.

Auch wenn es zwischen den Monaten September, Oktober und November recht große Unterschiede gab, hatten sie eine Gemeinsamkeit, sie waren alle zu warm. Folglich fällt auch der Herbst in Olbernhau in Summe zu warm aus, und das nun schon zum siebenten Mal in Folge. Unangefochtener Herbstspitzenreiter bleibt aber jener aus dem Jahr 2006 mit noch einmal 1,7 Grad Celsius mehr als der diesjährige.

Zwischen einem sehr sonnenscheinreichen September und einem diesbezüglich rekordverdächtigem November lag in Olbernhau ein trister und grauer Oktober. Mit nur 60 Prozent der üblichen Stunden wurde nur sehr wenig aus dem sonst do goldenen Monat. Im Umkehrschluss nur logisch, regnete es im zehnten Monat des Jahres nahezu das Doppelte des langjährig üblichen. Dies verkehrte der November als zweittrockenster seit 70 Jahren sofort ins Gegenteil. Letztlich führte das mit 96 Prozent zu einer nahezu ausgeglichenen Herbstbilanz.

Angesichts zumeist stabiler Hochdruckwetterlagen blieben Herbststürme komplett aus. Lediglich drei Tage erfüllten das Kriterium Starkwindtag, also Windstärke sechs. Doch auch diese waren keinen Sturmtiefs geschuldet, sondern dem reichlich aufgetretenen Böhmischen Wind.

Auch Schnee, mit dem man im Schnitt alle zwei Jahre im November rechnen muss, spielte keine Rolle. Lediglich am 29. November hinterließ ein kurzer Schneeschauer einen ganz dünnen Hauch.

Im September und Oktober fiel in Dittersdorf ausreichend Niederschlag, sodass sich die Dürresituation etwas entspannte. Doch schon der November machte dies wieder zunichte. Keine Entspannung für den niedrigen Grundwasserspiegel.

Der Herbst war auch am Rand von Chemnitz wie zu erwarten wieder etwas zu mild und erreichte mit einem Mittelwert von 9,2 Grad Celsius das Level der vergangenen Jahre. Der wärmste Herbst war mit einem Jahreszeitenmittel von 11,1 Grad der von 2006. Das Gegenteil, der kälteste Herbst, liegt schon einige Jahrzehnte zurück: 1972 betrug das Mittel nur 6,3 Grad.

Damit wäre ein wichtiger Punkt erreicht: Ab Januar 2021 gibt es neue Durchschnittswerte. Bisher wurden die aktuellen Mittelwerte mit dem Mittelwert der Messperiode 1961 bis 1990 verglichen, in den vergangenen Jahren auch mit der 1981 bis 2010. Die sogenannten Referenzperioden sind von der WMO (World Meteorological Organization) festgelegt.

Nun beginnt mit dem Jahreswechsel eine neue Vergleichsperiode, bei der alle Referenzwerte teilweise 1 Grad über denen der alten Periode liegen. So kann es den Eindruck erwecken, dass ab 2021, wenn vermehrt Monate zu kühl ausfallen (weil verglichen wird mit 1991 bis 2020), die Klimaerwärmung ins Stocken geraten ist.

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