Hohndorfer Feuerwehr bekommt Sonder-Finanzspritze

Seit einem Brand im Sommer 2016, bei dem auch ihr Depot zerstört wurde, müssen die Kameraden mit einem Provisorium leben. Für einen Neubau fehlte bisher das Geld.

Hohndorf.

Auf diese Nachricht haben die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Hohndorf lange gewartet. Für den dringend nötigen Neubau eines Feuerwehrdepots in dem Großolbersdorfer Ortsteil gibt es nun doch eine Sonderförderung. "Das hat uns jetzt das Landratsamt per E-Mail bestätigt", sagt Bürgermeister Uwe Günther. Das Projekt kann demnach vom Erzgebirgskreis bis zu 90 Prozent aus Fördermitteln finanziert werden. Rund 1,1 Millionen Euro sind für den Neubau veranschlagt. Mit einer neuen Heimstätte hätte die Leidenszeit der Truppe ein Ende, denn sie muss schon seit mehr als zweieinhalb Jahren mit einer Notlösung leben.

Die Notlösung: Am 24. Juni 2016 war bei einem Brand in einem Gebäude an der B 174 in Hohndorf auch das angebaute Feuerwehrgerätehaus zerstört worden. Um die Einsatzbereitschaft der Wehr aufrecht zu erhalten, wurde eine Übergangslösung geschaffen: Das Löschfahrzeug steht seit dem Brand in einer ehemalige Werkstatt, in der auf engem Raum auch die Ausrüstung der 30-köpfigen Truppe untergebracht ist. Toiletten oder Waschbecken, um sich nach einem Einsatz frisch machen zu können, gibt es nicht. Der Mannschaftstransporter ist ein paar Hundert Meter weiter in einer anderen Garage abgestellt.

Aus der Übergangslösung wurde ein Dauerzustand. Wehrleiter Rocco Schreiter: "Das sind untragbare Zustände." Zwar habe seine Mannschaft trotz dieser Missstände bei Einsätzen bisher stets die Ausrückzeit einhalten und die Aufgaben erfüllen können. Allerdings hätten einige Kameraden schon mit dem Austritt aus der Wehr gedroht. "Sie fühlen sich verarscht, denn seit zwei Jahren hat sich nichts getan", so der Wehrleiter im Sommer 2018. Der lange Weg: Der Neubau eines Depots habe in der Gemeinde seit dem Unglück immer ganz oben auf der Dringlichkeitsliste gestanden, beteuert Günther. Ein von der Berufsgenossenschaft der Feuerwehr geprüfter Plan für einen Neubau habe auch vorgelegen, jedoch die Finanzierung des mit rund 1,1 Millionen Euro veranschlagten Projekts nicht geklärt werden können. Da die Regelförderung durch den Landkreis bei 360.000 Euro liegt, hätte die Gemeinde einen Eigenanteil von rund 700.000 Euro aufbringen müssen. "Ein großer Batzen" trotz des Geldes von der Versicherung für das von den Flammen zerstörte Depot, verwies Günther auf die klamme Gemeindekasse. Er hoffte auf eine mögliche Sonderförderung: "Unser Feuerwehrgerätehaus ist abgebrannt. Wenn das kein Sonderfall ist, was dann?"

Im Januar 2018 sei ein weiterer Antrag abgeschickt worden. Es folgten zahlreiche Gespräche, Telefonate und Schriftverkehr mit dem Landkreis und der Landesregierung. Selbst Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer sowie der ehemalige Bürgermeister Grünhainichens und jetzige Staatssekretär Günther Schneider (beide CDU) seien über die Situation in Kenntnis gesetzt worden. Doch Antworten habe man damals weder aus Dresden noch aus Annaberg-Buchholz erhalten, so Günther. Das Landratsamt erklärte, dass über die Möglichkeit einer 90-prozentigen Förderung Abstimmungen mit dem Staatsministerium laufen. Es werde nach einer einvernehmlichen Lösung gesucht, teilte die Kreisbehörde im September 2018 der "Freien Presse" mit. Die Wende: Erst vor wenigen Tagen konnte Bürgermeister Günther seinen Gemeinderäten mitteilen, dass das Landratsamt des Erzgebirgskreises als Förderbehörde nach Absprache mit dem Innenministerium den Antrag auf Sonderförderung anerkannt hat. "Eine dringend notwendige Entscheidung. Schade, dass es so lange gedauert hat", kommentiert das Gemeindeoberhaupt. In den nächsten Wochen und Monaten sollen nun die Fördermodalitäten geklärt sowie die bautechnischen und -rechtlichen Grundlagen für den Neubau geschaffen werden. Uwe Günther hofft, dass im kommenden Jahr auf dem Areal zwischen "Haus der Begegnung" und Pilzweg an der Alten Marienberger Straße der Bau des Depots beginnen kann.

"Natürlich haben wir uns über die Nachricht gefreut", sagt Ortswehrleiter Schreiter. Allerdings wünschen sich die Kameraden, dass vielleicht schon in diesem Jahr die ersten Bagger rollen können. Denn bis zum Bezug ihrer neuen Heimstätte müssen die Rettungskräfte weiterhin mit den Notunterkünften auskommen. Im Sommer geht die Übergangslösung bereits ins vierte Jahr.


Kommentar: Eile istgeboten

Wenn es brennt oder ein Unfall passiert, zählt jede Sekunde. Die Hilfsfrist für Einsätze von Feuerwehr und Rettungsdienst beträgt laut Gesetz zwölf Minuten. Zwölf Minuten - von der Alarmierung bis zum Eintreffen am Unfallort. Für die Klärung, wie der Neubau des dringend benötigten Feuerwehrgerätehauses in Hohndorf finanziert werden kann, haben Innenministerium und Erzgebirgskreis zweieinhalb Jahre gebraucht. Im Juni 2016 war das alte Depot abgebrannt, im Januar 2019 wurde die Sonderfinanzierung für einen Neubau bestätigt. Damit die Kritik an der Dauer des Verfahrens nicht noch lauter wird, darf die Gemeinde beim Schaffen der bautechnischen und -rechtlichen Grundlagen keine Zeit verschenken. Auch wenn dafür keine Hilfsfrist gilt.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...