Ideen fürs Gemeinwesen lohnen sich

Für 25 Kleinprojekte werden je 700 bis 1000 Euro ausgeschüttet. Mit dem Gewinn wollen die Ehrenamtler ihre Kommunen attraktiver machen. Unter anderem mit futuristischen "Jugendbänken".

Lengefeld.

Über insgesamt 21.900 Euro zur Unterstützung ihrer Projekte können sich 25 Vereine freuen, die sich mit ihren Ideen erfolgreich am Wettbewerb "Unser Verein für unser Dorf" beteiligt haben. 17 der Interessengemeinschaften sind im mittleren Erzgebirge ansässig. Als besonders engagiert zeigten sich die Grünhainichener: Gleich neun Vorschläge stammen aus der Gemeinde und ihren Ortsteilen Borstendorf und Waldkirchen. Nun wurden sie in Lengefeld ausgezeichnet. Die Ehrenamtler erhalten jeweils zwischen 700 und 1000 Euro für die Umsetzung ihrer Projekte.

Zum Wettbewerb aufgerufen hatte der Verein zur Entwicklung der Erzgebirgsregion Flöha- und Zschopautal. Das Zuständigkeitsgebiet umfasst Kommunen im mittleren Erzgebirge sowie Mittelsachsen. Eigentlich ist es seine Hauptaufgabe, Projekte auszuwählen, die im Rahmen des EU-Förderprogramms Leader bezuschusst werden sollen. Seit dem Vorjahr unterstützt er in einem kleineren Rahmen auch Vereine. Denn letztlich gehe es darum, die Region insgesamt voranzubringen, betonte Ingolf Wappler, Vereinsvorsitzender und Bürgermeister von Pockau-Lengefeld, bei der Veranstaltung. Wurden 2017 Vereine für ihre Mitgliedergewinnung ausgezeichnet, stand in diesem Jahr deren Bedeutung für die jeweilige Gemeinde im Fokus. "Damit hatte es die Jury bei der Prämierung schwerer, denn es galt, die Bewerbungen stärker inhaltlich zu bewerten", sagte er.

Über die Höhe des Preisgeldes entschied ein Punktesystem: So gab es Punkte unter anderem für Innovation, Aufwand, Mehrwert und Nachhaltigkeit, erklärte Andrea Pötzscher, Regionalmanagerin des Vereins zur Entwicklung der Erzgebirgsregion. Hatten sich im vergangenen Jahr 16 Vereine beteiligt, waren es diesmal 26. Ein Projekt musste ausgeschlossen werden, da es nicht zum Wettbewerbsthema passte.

2019 soll der Ideenwettbewerb in die nächste Runde gehen. "Vielleicht beteiligen sich dann 50 Vereine", äußerte Pötzscher ihre Hoffnung für die weitere Entwicklung. "Vereine spielen eine wesentliche Rolle im ländlichen Raum: Die Dörfer sollen lebenswert werden und bleiben, und darin investieren sie viel Kraft", lobte sie die Gewinner. Mit der Auszahlung ist es nicht getan. "Wir wollen hören, was aus den Projekten wird", sagte Ingolf Wappler. Die Vereine wollen unter anderem Wanderwege und -parkplätze aufwerten, einen Schulgarten oder einen Park anlegen sowie Ausrüstung für Sport und Feste anschaffen. Viele hatten sich zum zweiten Mal beteiligt.


Alle ziehen mit

Kerstin Schubert ist Kassenwart beim Wildensteiner Sportverein (WSV) im Grünhainichener Ortsteil Borstendorf. Das Projekt: Für das Volleyballfeld im Freibad Borstendorf will der Verein eine Umrandung anfertigen lassen sowie Sonnenschirme besorgen. Da sie in der Turnhalle nebenan trainieren, gehen viele Mitglieder anschließend zum Baden, schildert Kerstin Schubert. "Wir wollten auch mal das Dorf unterstützen - so wie uns die Gewerbetreibenden im Ort", sagt sie. Das Feld sei noch neu, nun soll es mit Vereinshilfe ringsum gemütlich werden - zugunsten aller Freibadgäste. "Unsere Mädels ziehen alle mit", erläutert die 41-Jährige. An dem Wettbewerb hatte der Verein bereits im vergangenen Jahr teilgenommen. Gegründet wurde er 2016, er zählt 72 Mitglieder. Die Interessengemeinschaft ging aus der Tanzgruppe Showgarde Jumpcrew hervor.


Normal kann jeder

Tobias Eckardt ist Vorstandsmitglied im Jugendclub "Altes Kino" in Borstendorf. Das Projekt: "Jugendbänke" sollen in Grünhainichen, Borstendorf und Waldkirchen aufgestellt werden, um die Kommunikation unter den Jugendlichen zu fördern und auch die jeweilige Ecke zu verschönern, erklärt Tobias Eckardt. "Wir haben uns überlegt, was wir fürs Dorf tun können und nach Förderung gesucht", sagt er. Die Bänke sollen mit Rohren im Boden verankert werden und futuristisch aussehen, denn "normal kann jeder", so der 27-Jährige. Der Entwurf stammt aus dem Verein. Die gewonnenen 900 Euro seien eine willkommene Starthilfe. Der Jugendclub "Altes Kino" feiert 2018 sein Fünfjähriges. Die 16 Mitglieder organisieren unter anderem das Badfest am Wochenende und das Pyramidenanschieben am ersten Advent mit. Sie treffen sich freitags im Kassenraum des ehemaligen Kinos.


Viel Spaß für Kinder

Uwe Kempe ist Vorsitzender des Bergbauvereins Olbernhau. Das Projekt: Da Kinder unter sechs Jahren aus Sicherheitsgründen nicht in den Stollen dürfen, plant der Verein seit Längerem die Gestaltung des Außengeländes mit Modellbahn zum Mitfahren, einem interaktiven Themenspielplatz zu Erz- und Kohlebergbau sowie einen Spazierpfad mit Kettensägenkunstwerken zur Bergbaugeschichte. "Der Spaß für Kinder steht bei uns an erster Stelle", sagt Uwe Kempe. Der Gewinn von 1000 Euro sei eine wichtige Hilfe, das Großprojekt ließe sich jedoch nur mit der Unterstützung anderer Vereine und regionaler Firmen stemmen. Der Bergbauverein existiert seit 1996 und zählt 22 Mitglieder. 2008 hat er nach Forschungs- und Sanierungsarbeiten den Gnade- Gottes-Erbstollen als Schaubergwerk eröffnet. Das zehnjährige Bestehen wird am 8. und 9. September mit einem Kinder- und Vereinsfest gefeiert.

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