Japaner stoßen in Zschopau das Tor zum Weltmarkt auf

Seit der Übernahme der Firma ITG vor zwei Jahren hat Nabtesco einen mehrstelligen Millionenbetrag in den Außenposten im ehemaligen MZ-Altwerk gesteckt. Entstanden ist ein internationales Entwicklungszentrum für Kompressoren.

Zschopau.

Früher wurden in der Halle im Dischautal Motorenteile für MZ gefertigt. Dieser Tage wurde mit einem Hubwagen ein sorgfältig verschnürtes Paket über den langen Gang gezogen. Eine Lieferung nach Japan. Der Inhalt? Vielleicht der Prototyp eines neuen Kompressors für die Bremsanlage eines Lkw. Denn in der einstigen Produktionshalle des VEB Motorradwerk Zschopau entwickelt heute die Nabtesco ITG (NITG) GmbH Hubkolbenkompressoren für Nutzfahrzeuge. "Eine neue Generation von Kompressoren", wirbt die Firma.

NITG gehört zur japanischen Nabtesco-Gruppe, die unter anderem Getriebe für Roboter, Komponenten für Bremsanlagen von Schienen- und Nutzfahrzeugen sowie zur Bewegungskontrolle von Flugzeugen und Schiffen produziert und weltweit vertreibt. Jahresumsatz: rund 2,1 Milliarden Euro. Nabtesco beschäftigt weltweit rund 7000 Mitarbeiter. Zu den zehn Standorten in Japan kommen 38 Niederlassungen im Ausland hinzu.

Der Außenposten in Zschopau ist für die Forschung und Entwicklung im Automotive-Bereich zuständig. Seit der Übernahme der ITG Kompressoren GmbH Zschopau vor zwei Jahren haben die Japaner einen mehrstelligen Millionenbetrag in den Standort im Erzgebirge investiert, sagt der ehemalige Geschäftsführer und ITG-Gründer Eberhard Bredel. Der letzte Werkleiter von MZ ist zwar schon 75, aber immer noch als Chief Technical Officer (Leiter Forschung und Entwicklung) für NITG aktiv.

Rund 30 Mitarbeiter sind derzeit am Standort beschäftigt: in Forschung, Montage und Verwaltung. Bredels Team besteht aus 15 Personen. "Es ist eine internationale Truppe aus überwiegend jungen Fachkräften: Japanern, Indern, Chinesen, Syrern, Deutschen. Wir denken und handeln international", sagt Bredel. Das sei wichtig in Zeiten der Globalisierung. Von der Arbeit im ehemaligen MZ-Altwerk profitieren auch zahlreiche klein- und mittelständische Firmen aus der Region, die als Zulieferer für die Tüftler tätig sind: so etwa eine Dreherei aus Lengefeld sowie Werkzeug- und Maschinenbaufirmen aus Drebach, Thum, Marienberg und Oederan.

Im zweiten, ebenfalls 2016 von Nabtesco übernommenen ITG-Standort an der Thalheimer Straße in Chemnitz sind Bredel zufolge aktuell rund 80 Mitarbeiter beschäftigt. Auch hier habe NITG mehrere Millionen Euro in neue Maschinen zur Herstellung von Kurbelwellen, Zylindern, Zylinderköpfen und weiteren Teilen für den Fahrzeugbau gesteckt. Zudem werden Mechatroniker ausgebildet.

Tobias Grünewald ist in Zschopau Leiter der Abteilung angewandte Forschung. An fünf modernen Prüfständen werden dort Neuentwicklungen auf Herz und Nieren getestet und untersucht. "Die Prüfstände laufen rund um die Uhr", sagt Grünewald. Der gebürtige Hallenser hat in Chemnitz Maschinen- und Fahrzeugbau studiert.

In der schallgeschützten Schaltzentrale können Grünewald und seine Kollegen auf mehreren Computerbildschirmen genau verfolgen, was an den Prüfständen vor sich geht. Jede noch so kleine Unregelmäßigkeit werde registriert. Falls es nachts zu Problemen kommen sollte oder Grenzwerte überschritten werden, erhalte er automatisch eine E-Mail. "Das ist am Anfang ab und zu mal vorgekommen, aber jetzt bin ich lange nicht mehr auf diese Art und Weise geweckt worden", sagt der 30-jährige Abteilungsleiter schmunzelnd.

"Wir sind mit der Arbeit in Zschopau sehr zufrieden und zugleich auch sehr stolz darauf, hier im ehemaligen MZ-Werk, einem historisch bedeutenden Platz, weiter Industriegeschichte schreiben zu können", sagt NIGT-Vizepräsident Masaharu Harada. "In der Motorradstadt ist ein Entwicklungszentrum für Kompressoren entstanden - sowohl für den europäischen als auch für den weltweiten Markt. Das wollen wir ausbauen", sagt der 58-Jährige.

"Wir haben keine kurzfristigen Visionen, sondern setzen auf eine langfristige und nachhaltige Zusammenarbeit. Weitere Investitionen werden folgen. Wir werden jedes Jahr ein Stückchen wachsen", sichert Harada auch künftig Unterstützung aus dem Nabtesco-Headquarter in Tokio zu. Dabei sollen auch weiterhin die Erfahrungen und das Know-how von ITG und vor allem die sehr guten Kontakte der Sachsen zu namhaften Nutzfahrzeugherstellern wie Volvo, Daimler oder MAN helfen.

"Ohne Kompressoren wird es auch in der Zukunft nicht gehen", sagt Eberhard Bredel. So bringe etwa die E-Mobilität jede Menge neue Herausforderungen für die Branche, blickt der 75-Jährige voraus.

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