Jubilarin bleibt Motorrädern treu

Die ehemalige Rennfahrerin Brigitte Döhler liebt die Geschwindigkeit. Jetzt feierte sie ihren 80. Geburtstag.

Berlin/Olbernhau.

Sie ist eine der zwei schnellen Frauen in der DDR auf der Rennstrecke gewesen, war gefürchtet von der männlichen Konkurrenz: Brigitte Döhler, geborene Walther. Anfang der Woche feierte die ehemalige, in Olbernhau geborene Motorradrennfahrerin ihren 80. Geburtstag.

In den Jahren 1953 bis 1987 war sie beruflich mit dem Motorradhersteller MZ verbunden. Nachdem sie ihr Studium im Maschinenbau abgeschlossen hatte, war sie schließlich im Technikbereich von MZ tätig. Und wer in einer Zweiradschmiede arbeitet, kommt auch am Rennsport nicht vorbei. "Ich liebte die Geschwindigkeit", sagt Brigitte Döhler. Die Leidenschaft für Schnelligkeit und Motorräder wurde ihr in die Wiege gelegt: Schon ihr Vater war ein begeisterter Motorradfahrer.

"Bereits in meiner Kindheit hatte ich mir in den Kopf gesetzt, irgendwann selbst auf so einem Ding zu sitzen und mit anderen um die Wette zu fahren", sagt die Olbernhauerin. In der DDR der 1960er-Jahre machte die selbstbewusste junge Frau ihren Traum wahr, schaffte es tatsächlich von 1963 bis 1965 auf die Rennstrecken Ostdeutschlands, zunächst in der Serie, ab 1964 parallel auch in der 250er-Ausweisklasse.

"Wir hatten einen starken Club mit einer starken Rennsportsparte", erinnert sich Brigitte Döhler. Gleich bei ihrer Premiere auf der Halle-Saale-Schleife wurde die schnelle Frau Dritte. "Warum sollten Frauen nicht auch am Gashahn drehen. Und spät bremsen - das können wir auch", stellt sie selbstbewusst klar. Für nicht wenige ihrer männlichen Kollegen, wie Versuchsfahrer Heinz Weber aus Venusberg, wurde sie zur ernst zu nehmenden Konkurrentin. "Ich erinnere mich, wie ich mich beim Bergrennen in Waldkirchen mit Norbert Kaaden duellierte", so Brigitte Döhler.

Bis 1965 gab es in der Serienklasse reichlich Podiumsplätze für sie. Siege in Halle, Lückendorf und Wurzen zählten zu den schönsten Erlebnissen ihrer Rennfahrerkarriere. "Im Sechs-Stunden-Rennen von Staaken erkämpfte ich mit Helmut Lehmann Platz 3", blickt Döhler zurück. "In Dresden auf der Autobahnspinne hatte ich einen Kolbenklemmer in der Spitzkehre, da bin ich richtig abgeflogen. Da war das Rennen für mich aus", musste die junge Rennfahrerin mitunter die gleichen Schwierigkeiten wegstecken, wie ihre männliche Konkurrenz.

Doch dann kam der Winter des Jahres 1966 und damit das abrupte Ende der Karriere der Rennfahrerin aus dem Erzgebirge. "Beim Skifahren zog ich mir einen komplizierten Unterschenkelbruch zu. Die Ärzte rieten mir, keine Rennen mehr zu fahren. Ich folgte diesem Rat. Die Umstände bestärkten mich in meinem Entschluss, mich beruflich weiterzuentwickeln", so Brigitte Döhler. Sie ging nach Berlin, wo sie noch immer lebt, berichtete unter anderem als Redakteurin beim "Illustrierten Motorsport" über den Geländesport. Und heiratete.

Das Motorradfahren blieb bis vor zwei Jahren die Leidenschaft Brigitte Döhlers. "Innerhalb Europas habe ich nahezu jedes Land, mit Ausnahme Griechenland, angesteuert. Ich war von England bis Spanien überall mit dem Motorrad unterwegs", so Brigitte Döhler, die der Motorrad-Frauenbewegung Wima angehört, deren Mitglieder sich jährlich über mehrere Tage zusammenfinden. "Dort war ich auf meiner 500er-Honda, vor dem Mauerfall auf der 250er-MZ, oft dabei", erinnert sie sich. Mit ihrer Heimat, dem Erzgebirge, ist sie eng verbunden. Heute noch besucht sie Zschopau bei Motorsport-Veranstaltungen.

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