Jugendliche schätzen praxisnahe Reisen ins Ausland

Großbritannien und Russland sind immer wieder Ziele von Schülern der Martin-Andersen-Nexö-Oberschule in Zschopau. Ältere raten ihren Mitschülern für London: auch mal die kleinen Gassen besuchen, in denen die Einheimischen einkaufen.

Zschopau.

Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen, stellte schon der deutsche Dichter Matthias Claudius fest, zu dessen Lebenszeit Ende des 18./Anfang des 19. Jahrhunderts das Reisen noch eine ganz andere Angelegenheit war als heute. Das betraf nicht nur die Gefährte, mit denen gereist wurde, sondern auch die Umstände einer Reise an sich.

Was gleich geblieben ist: Neugier und Interesse, andere Länder, Städte und Menschen samt ihrer Gepflogenheiten und ihrer Sprache kennen zu lernen. Vorrangig um ihre Englisch-Sprachkenntnisse zu festigen, unternehmen Schüler der neunten Klassen der Zschopau Martin-Anderson-Nexö-Oberschule deshalb schon seit Anfang der 1990er-Jahre regelmäßig Sprachreisen nach Großbritannien. Auch die Stadt Ufa in der russischen Republik Baschkortostan wird von den Zschopauern alle zwei Jahre besucht. Mit einem Gymnasium in Ufa, an dem auch Deutsch unterrichtet wird, verbindet die Schule eine mehrjährige Partnerschaft. "Die Schüler sammeln im Ausland Wissen, Erfahrung und Erfolgserlebnisse, wenn sie beispielsweise in der Fremdsprache ein Essen bestellen. Dabei lernen sie fast nebenbei auch das umgangssprachliche Russisch oder Englisch kennen. Das ist praktischer Sprachunterricht", sagt Ina Ullrich, die neben Englisch auch Russisch unterrichtet.

Während Anfang Mai etwa 44 Schüler nach Großbritannien reisen, sind es nur zehn, die sich im September auf den Weg nach Russland machen. "Während alle unserer 392 Schüler Englisch lernen, sind es im Fach Russisch nur etwa 40", so Russischlehrerin Jana Kaden.

Unter den Reiseteilnehmern, die im vergangenen Jahr Großbritannien und 2017 Ufa besucht haben, war Nicole Schönbach, die sich immer noch gern an die Besuche erinnert. "Wir hatten in London ein paar Stunden Freizeit, haben dabei unter anderem eine Fahrt auf der Themse unternommen und sind in der Innenstadt spazieren gegangen. Die Sprache mussten wir natürlich anwenden, was aber kein Problem war. In Ufa haben wir im Gegensatz zu Großbritannien in Gastfamilien gelebt. Englisch hat mir aber auch dort weitergeholfen", so die 16-Jährige. "Anfangs musste ich immer erst etwas nachdenken, bevor ich Englisch gesprochen habe. Das hat sich aber schnell gelegt", ergänzt Lisa-Marie Weißbach, die 2018 mit in Großbritannien war. Einen Tipp für die diesjährigen Großbritannienreisenden hat Lilly Schulze parat. "Die kleinen Gassen etwas abseits sind einen Besuch wert. Dort ist man am Alltag näher dran, weil viele Londoner da ihre Einkäufe erledigen", sagt die Schülerin. Voller Vorfreude auf die bevorstehende Reise ist Justin Werner. "Sprachlich standen im Unterricht schon viele Situationen auf dem Lehrplan, zum Beispiel Sprachwendungen zum Thema Hotel. Damit kommen wir klar. Gern würde ich mir aus dem London Eye die Stadt von oben angucken", so der 15-Jährige.

Während sich die Neuntklässler noch auf die Reise freuen, beschäftigen sich Ina Ullrich und ihre Kollegin Anika Sieber gedanklich schon mit der Sprachreise nach Großbritannien im nächsten Jahr. "Im Juni beginnen wir mit den Vorbereitungen und besprechen uns mit Reiseanbietern. Die Reisen möchten wir gern auch weiterhin unternehmen. So merken die Schüler am besten, dass Sprachen nicht nur ein Fach sind, sondern praktische Lebenshilfe", so Ina Ullrich.

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