Junger Schriftsteller sagt "Salüüü"

Über eine gelungene Premiere seiner Lesebühne hat sich Paul Haustein gefreut. Obwohl der Drebacher nun erst einmal auf große Reise geht, sollen weitere Veranstaltungen dieser Art bald folgen.

Drebach.

Der Begriff "Salü" dient im Französischen sowohl der Begrüßung als auch der Verabschiedung. Diese zwei Bedeutungen hat sich Paul Haustein bei seiner gleichnamigen Lesebühne im Drebacher Bürgerhaus zunutze gemacht. Einerseits sagte der 23-jährige Lehramtsstudent, der für ein Auslandssemester in die Bretagne geht, "Tschüss". Zum anderen war diese Premiere eine Art Willkommensveranstaltung, mit der im mittleren Erzgebirge "Hallo" gesagt wurde zu einer modernen Form der Literatur.

In Großstädten hat sich der Poetry-Slam längst etabliert. Vor einem Publikum messen sich dabei Junge Schriftsteller mit selbst geschriebenen Texten, die sie binnen weniger Minuten vortragen. Um Punkte, die von den Zuschauern vergeben werden, und den Einzug ins Finale ging es in Drebach zwar nicht. Dennoch erlebten die 180 Besucher, was diese moderne Literatur ausmacht. "Salüüü, die letzte Lesebühne vor Prag" hatte viele knackige Stücke voller Humor, aber auch mit ernsten Hintergedanken zu bieten, die das Publikum begeisterten. Kein Wunder, hatte sich Paul Haustein für seine Premiere doch starke Besatzung an Bord geholt. Zum Beispiel den Jenaer Steve Kußin, der schon zweimal den Eobanus-Hessus-Literaturpreis gewonnen hat und in Drebach nahezu perfekt die Neugier eines Kindes verkörperte. Der Reiz, alle Türchen des Adventskalenders auf einmal zu öffnen, war dank seiner Worte und vor allem dank seiner Stimmlagen förmlich im Saal greifbar. Auch Stefanie Menschner zeigte mit Ausdruckskraft und Spontanität, warum sie Chemnitzer Stadtmeisterin im Poetry-Slam wurde. Zusammen mit Kußin wechselte sie zudem kurzzeitig ins Genre des Improtheaters. Zu einem spontan vorgegeben Thema zauberte das Duo ein improvisiertes Stück auf die Bühne - und das auch noch in zwei Versionen.

Mit Laurin Hildebrandt war ein weiterer Künstler dabei, der gern den Fußball aufs Korn nimmt. Obwohl sich Paul Haustein als selbst aktiver Kicker mit diesem Thema ebenfalls bestens auskennt, richtete er den Fokus lieber auf seinen Heimatort. Musikalisch tat er dies mit dem Drebacher Songwriter Gordon Reuter, der für ein optimales Rahmenprogramm und perfekte Akustik sorgte. Der Höhepunkt des Abends war aber Haustein selbst vorbehalten, als er in staatsmännischer Manier über sein Leben als Bürgermeistersohn philosophierte. "Dieser Text war einer dieser Geistesblitze, die man für den Poetry-Slam braucht. Und es passte perfekt zum Publikum", erklärte der 23-Jährige, der mit seinem "Staatsbesuch" in Frankreich direkt in die Realität überleitete. Bis Oktober will der Drebacher im westfranzösischen Angers studieren. Trotzdem hat er die nächste Lesebühne schon im Hinterkopf: "Es gab von allen Seiten viel Lob. 2020 wird es auf jeden Fall eine Fortsetzung geben", so Haustein.

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