Kalkwerk: Wappler stellt sich der Kritik

Der Pockau-Lengefelder Bürgermeister kann einige Vorwürfe eines ehemaligen Knappschaftsmitglieds nachvollziehen - Andere weist er von sich

Pockau-Lengefeld.

Trotz der nötigen Millionen-Investitionen soll das Kalkwerk Lengefeld erhalten bleiben. Dabei besuchen im Jahr gerade mal 5000 bis 6000 Menschen das Museum. Gerd Sachse, einst Mitglied in der Knappschaft Kalkwerk, sieht ein hausgemachtes Problem. Es habe zahlreiche Versäumnisse gegeben, schreibt er in einem Leserbrief. "Freie Presse" konfrontierte Pockau-Lengefelds Bürgermeister Ingolf Wappler mit den Vorwürfen. Georg Müller hat Fragen und Antworten aufgeschrieben.

Für Gerd Sachse steht fest: Der Niedergang des Kalkwerks Lengefeld begann mit dem Austritt aus dem Zweckverband Sächsisches Industriemuseum. Damals seien Museumsmitarbeiter entlassen worden. Die Forschungsarbeit kam laut dem 65-Jährigen zum Erliegen, sodass das Kalkwerk zu einem "reinen Ausflugsziel" wurde.


Ingolf Wappler sagt dazu: "Die Höhe der Personalkosten war ein Hauptgrund für den Austritt im Jahr 2007." Der Erhalt und der Betrieb eines Museums in der Dimension des Kalkwerks bringe eine enorme finanzielle Herausforderung mit sich. "Es müssen Einsparpotenziale geprüft und gegebenenfalls genutzt werden. Die damalige Entscheidung zum Austritt aus dem Zweckverband war auch aus heutiger Sicht völlig richtig." Von einem Niedergang könne keine Rede sein. Vieles sei instand gesetzt worden, etwa am Schacht 2, an der Hängebank, an der Kaue sowie an Dächern.

Gerd Sachse sieht ein Problem in den vor wenigen Jahren reduzierten Öffnungszeiten. "Hinzu kamen die fast ein hal- bes Jahr dauernden Winterpausen."

Dass das Museum in den Wintermonaten nicht geöffnet habe, sei bereits seit Jahrzehnten der Fall, antwortet Wappler. Während der kalten Jahreszeit könne der Museumsbesuch witterungsbedingt nicht immer ermöglicht werden. "Trotzdem wurde sich immer darum bemüht, angemeldete Museumsbesuche und Führungen während dieser Schließzeit stattfinden lassen zu können."

Sachse beklagt, dass das Kalkofenfest nur noch unregelmäßig stattgefunden habe.

Das Kalkofenfest wurde laut Wappler zuletzt alle zwei Jahre gefeiert. 2018 gab es keines. Stattdessen seien zusätzliche Veranstaltungen ausprobiert worden - etwa das Sommerfest, die Museumsnacht, der Naturmarkt, der Theaterabend und das Konzert im Ofen. Die Stadt habe damit neue Zielgruppen ansprechen und die Gästezahl steigern wollen.

Gleich mehrere Gelegenheiten, auf das Kalkwerk aufmerksam zu machen, seien versäumt worden, findet Gerd Sachse. So hätte das Jahr 2015 eine gute Gelegenheit geboten, unter anderem zum Thema 70 Jahre Ein- und Auslagerung von Kunstschätzen ins Kalkwerk eine interessante Ausstellung zu gestalten. "Am 7. Oktober 2016 jährte sich die Museumseröffnung zum 30. Mal." Dazu habe es ebenfalls keine Sonderausstellung gegeben.

"Richtig, das wären durchaus Gelegenheiten gewesen, die allerdings nicht versäumt, sondern aus ganz unterschiedlichen Gründen nicht wahrgenommen wurden", betont Wappler. "Für das Feiern von Jubiläen und Begehen von Jahrestagen existieren keine Vorschriften." Er zeigte sich offen dafür, künftig neue Gelegenheiten zu nutzen. Etwa im Jahr 2021, wenn das Museum 35 Jahre alt wird.

Gerd Sachse: "Eine sich wiederholende Eingabe der Einwohner von Obervorwerk und Vorwerk für einen Fußgängerweg nach Lengefeld wurde vor mehreren Jahren abgelehnt." Es gebe dazu bis heute keinen Plan. Einwohner, Schulkinder sowie Touristen könnten an der Straße nur unter Gefahr als Fußgänger unterwegs sein.

"Wenn die Straßenbauverwaltung des Freistaates Sachsen den schon lange geplanten, überfälligen Ausbau der Wolkensteiner Straße realisiert, wird auch ein durchgehender Gehweg vom Markt bis zum Ortsausgangsschild gebaut", sagt Wappler, der zugleich einschränkt: "Leider gibt es noch keine Planungen für eine Fortsetzung des Gehweges bis Obervorwerk." Die Stadt setze sich seit Jahren gegenüber dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr für den Bau eines straßenbegleitenden Gehwegs ein.

Zudem kritisiert Sachse, dass es mit der Schließung der Tourismusinformation in der Stadt keine Touristikarbeit mehr gebe.

Wappler: "Diese Einschätzung kann ich nicht teilen. Das Betreiben einer Tourist-Information ist nur eine von zahlreichen touristischen Aufgaben, die eine Kommune freiwillig leisten kann." So gehören laut dem Pockau-Lengefelder Bürgermeister auch der Betrieb von Museen und technischen Denkmalen dazu. Als weitere Beispiele nannte er die Organisation von Festen, das Begleiten von Vereinsarbeit und die Pflege von Wanderwegen. "Um dies alles noch zielorientierter gestalten zu können, wird aktuell die Erarbeitung einer neuen Tourismuskonzeption für Pockau-Lengefeld vorangetrieben."

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