Kinder begeben sich auf die Spuren der Zinnseifer

Heimatkunde zum Anfassen genießen derzeit Ferienkinder in Seiffen. Sie beschäftigen sich mit den Bergbautraditionen der Region.

Seiffen.

Woher hat Seiffen seinen Namen? Der größte Teil der Ferienkinder im Seiffener Freilichtmuseum des Bergdorfes hat das gestern gewusst. Die Bezeichnung kommt vom Zinnseifen, einer Jahrhunderte alten Bergbautechnik, mit deren Hilfe Zinn aus den Bächen gewaschen wurde. Begonnen hat das in Seiffen im 13. Jahrhundert.

16 Mädchen und Jungen haben sich gestern intensiv mit dem Zinnseifen beschäftigt. Catrin Tolksdorf-Bilz und Yvonne Scholz brachten ihnen diese Bergbautradition näher. Dabei durften die Kinder auch selbst Hand anlegen. Mit verschiedenen Sieben und einem Leinensack trennten sie das vorher künstlich beigefügte Lötzinn vom Rest aus Sand, Steinen, Laub, Holz und anderen Materialien, die sich sonst ganz natürlich in Flüssen finden. Bevor es in die Praxis ging, zeigte Catrin Tolksdorf-Bilz anhand eines selbst gebastelten Modells aus Holz mit echten Figuren, wie der Prozess einst vor sich ging.

Das Zinnseifen ist Teil des grenzübergreifenden Projektes "Gemeinsame Geschichte und Traditionen im Erzgebirge aktiv erleben", dessen Managerin Catrin Tolksdorf-Bilz ist. Eigentlich hatte sich gestern auch tschechischer Besuch angesagt. Allerdings fiel der aufgrund eines defekten Busses aus, wie die Projektleiterin erklärte. Gestern war bereits Tag 3 der Ferienspiele. Am Montag besuchten die Kinder das Freilichtmuseum in Seiffen. Den ganzen Vormittag hatten sie Zeit, sich alles anzusehen. Am Dienstag standen der Wald und das Köhlerhandwerk im Mittelpunkt. Morgen geht es mit der Wäscherei weiter. Dabei begeben sich die Teilnehmer erneut auf eine Zeitreise. Das Projekt endet morgen mit einer Schatzsuche.

Mit der Resonanz ist Catrin Tolksdorf-Bilz zufrieden. Viele der Kinder sind die ganze Woche dabei. Angebote wie diese findet sie wichtig. Schließlich wussten nicht alle Teilnehmer, was es mit dem Zinnseifen auf sich hat. Außerdem hält sie die Vermittlung der erzgebirgischen Traditionen an die nächste Generation für unabdingbar. "Das ist Teil unserer Identität, die es zu bewahren gilt", betont die Seiffenerin.


Die Entdeckerin

Amalia Wella Lucius kommt aus Zwickau. Die Neunjährige ist zu Besuch bei Verwandten und war nur gestern mit von der Partie. Das Zinnseifen ist für sie neu gewesen. Zwar hat Zwickau auch eine Bergbautradition. Diese resultiert jedoch vorwiegend aus dem Kohleabbau. Gerade deshalb fand die Neunjährige das Angebot im Freilichtmuseum sehr interessant und lehrreich. Ihrer Meinung nach ähnelte das Verfahren dem Goldwaschen. Das hatte sie früher beim Besuch eines Festes ausprobiert. Allerdings sei das weniger kompliziert gewesen. Das Museum selbst kennt sie schon von vorherigen Besuchen. Langweilig wird es dort, wie sie findet, nie. "Es gibt immer so viel zu entdecken", sagt sie.


Die Neugierige

Lillian Schmähl ist Seiffenerin. Deshalb wusste die Elfjährige, was es mit dem Namen ihres Heimatortes und dem Zinnseifen auf sich hat, allerdings noch nie so hautnah. Auf diese Weise erlebte sie, wie mühselig die Arbeit früher gewesen sein muss. Deshalb fand sie das Geschehen interessant. Das Freilichtmuseum kennt sie gut. Dennoch findet sie immer etwas Neues. Am Dienstag fiel ihr ein Spinnrad auf, das sie vorher noch nie gesehen hat. Nun freut sie sich auf das Spinnen und das Wäschewaschen, wie es vor 150 Jahren üblich war. Für Lillian Schmähl sind es nicht die ersten Ferienspiele in Seiffen gewesen - und wohl auch nicht die letzten.


Der Kenner

Leon Rosenkranz lebt in Seiffen. Für den Neunjährigen sind es die ersten Ferienspiele. Seine Mutter hatte ihm die Teilnahme empfohlen. Er war froh, dass er sich dafür entschieden hat, denn langweilig ist es bislang noch nicht gewesen. Im Ort aufgewachsen, kennt er auch das Freilichtmuseum. Diese Woche hat er sogar den historischen Spritzenwagen gesehen, der dem Jugendfeuerwehrmann ganz besonders gut gefiel. Dass der Bergbau typisch für seine Heimat ist, weiß er auch. Vom Zinnseifen hatte er schon gehört. So intensiv wie gestern beschäftigte er sich aber noch nicht damit. Gut gefallen hat ihm die Bastelarbeit. Nun freut er sich vor allem auf die morgige Schatzsuche.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...