Kinder schnuppern bergmännischen Alltag

Traditionspflege von seiner ganz praktischen Seite hat es am Samstag im Seiffener Freilichtmuseum gegeben. Beim Kinderfest ging es vor allem um Bergbau.

Seiffen.

Alles kommt vom Bergwerk her. In Seiffen trifft der uralte Spruch uneingeschränkt zu. Deshalb haben sich der Ort sowie die Berg- und Hüttenknappschaft Seiffen der Pflege dieser Tradition fest verschrieben. Ein grenzüberschreitendes Projekt mit dem Namen "Gemeinsame Geschichte und Traditionen im Erzgebirge aktiv erleben" stärkt dieses Vorhaben seit etwa einem Jahr. Partner sind dabei die Gemeinde Seiffen, die Berg- und Hüttenknappschaft Seiffen und der Bergklub aus dem tschechischen Lesna. Das seit 2006 stattfindende bergmännische Kinderfest im Freilichtmuseum Seiffen ist erstmals Teil des Projektes gewesen.

In dessen Rahmen erhielten die etwa 300 Besucher einen praktischen Einblick in das schwere Leben der Bergleute. An zehn Stationen schlugen sie unter anderem Nägel ein, wuschen Zinn aus Sand und flitzten mit dem Schubkarren einen Parcours entlang. Außerdem präsentierten die Projektpartner erste sichtbare Ergebnisse ihrer Arbeit. Dazu zählten zwei neu gedeckte Dächer im Freilichtmuseum. Außerdem konnten die Besucher drei bergbauliche Modelle bestaunen, die zukünftig im Zuge der Projektarbeit mit den Schulen zum Einsatz kommen sollen.

Melina Rudolph aus Schwäbisch-Hall fand das sehr interessant. Die Neunjährige durfte sogar in den Habit eines Bergjungen schlüpfen. Diesen hatte die Knappschaft mit neun weiteren Habiten und zwei Trachten für Gästeführer erst kurz zuvor über das Projekt angeschafft. Etwa 2500 Euro wurden investiert. Notwendig wurden sie, weil mehrere der jüngsten Vereinsmitglieder in den kommenden Jahren ihre erste Beförderung erfahren werden. Aus den Bergjungen werden Junghauer.

Innerhalb der Knappschaften ist das wohl am ehesten mit der Konfirmation zu vergleichen. "Die Kinder werden in die Welt der Erwachsenen aufgenommen", erklärte der Knappschaftsvorsitzende Jörg Beyer. Sein Sohn Louis Beyer ist der erste im Bunde. Er wird zum "Seiffener Glückauf" am 24. August ab 16 Uhr in der Seiffener Bergkirche zum Junghauer. Nächstes Jahr gehen drei und übernächstes Jahr zwei Kinder diesen Schritt. Die Habite liegen nun bereit. Das gilt auch für die Kinder, die der Verein zukünftig aufnehmen wird. Für sie stehen nun Trachten für Bergjungen oder Bergmädchen zur Verfügung. Nachwuchsarbeit ist den Knappen wichtig.

Das Fest ist dafür ein bedeutender Punkt. Regelmäßige Präsenz in Schule und Kindergarten sind zwei weitere. Mit der Aufwertung des historischen Bergbaupfades innerhalb und rund um Seiffen will der Verein einen weiteren Beitrag dazu leisten. Möglich wird das mit finanziellen Mitteln aus dem Projekt mit dem Namen "Gemeinsame Geschichte und Traditionen im Erzgebirge aktiv erleben". "Wir werden unter anderem die Ausschilderung dem Standard unserer Zeit anpassen", erklärte Jörg Beyer. Farbiger soll es dabei zugehen. Außerdem sollen sich die Wanderer und Mountainbiker entlang der Strecke an den mit QR-Codes ausgestatteten Schildern an den Standorten noch mehr Informationen aus dem Internet holen können. Dazu wird der Internetauftritt erweitert. Mit den notwendigen Recherchen hat die Leiterin des Projektes Catrin Tolksdorf-Bilz bereits begonnen. Zum Pfad gehören zwei Strecken. Die kürzere ist etwa 1,5 Kilometer lang und führt im Wesentlichen durch den Ortskern. Die längere wird erweitert und bei ihrer Fertigstellung etwa 12 Kilometer durch und rund um Seiffen führen. Historische Zeugen des Bergbaus werden dafür noch erschlossen.

Das gilt unter anderem für die Kaue in der Alten Dorfstraße und eine Zinnseife im Seiffener Grund. Das Projekt selbst gibt es seit Oktober 2016 und wird Ende September 2019 auslaufen.

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