Kirche ringt um künftige Zusammenarbeit

Die Gemeinden des Kirchenbezirks Marienberg arbeiten seit Jahresbeginn zum Teil in neuen Strukturen. Doch nicht überall herrscht Einigkeit, wie weit die Kooperation mit den Nachbarn gehen soll.

Marienberg/Flöha.

Die gute Nachricht zuerst: "Auch wenn der Eindruck herrscht, dass für zu viele Leute zu wenig Personal vorhanden ist - zurzeit sind wir gar nicht so schlecht aufgestellt. Momentan sind von den 31 Pfarrstellen nur drei unbesetzt - die zweite Stelle in Marienberg sowie zwei Stellen in Olbernhau", sagt Rainer Findeisen, Superintendent des Kirchenbezirks Marienberg.

Die Situation in den vergangenen Jahren sei schon wesentlich problematischer gewesen, als beispielsweise die Pfarrstelle in Zschopau fast vier Jahre unbesetzt war. Dennoch weiß auch Findeisen: Die Anzahl der derzeit knapp 39.000 Kirchenglieder in den Gemeinden des Kirchenbezirks Marienberg wird weiter sinken, damit auch das Personal abnehmen: "Bis 2025 werden wir drei weitere Pfarrstellen verlieren. In den kommenden Jahren bekommen wir ohnehin Probleme: Drei bis vier Stellen werden aufgrund des Ruhestands frei. Ansonsten verfügen wir über einen relativ jungen Personalstamm."

Mit der Zusammenarbeit in vier Regionalverbünden wurde mit Jahresbeginn eine neue Struktur geschaffen, die der Arbeit der einzelnen Gemeinden im Altkreis Flöha und dem ehemaligen Mittleren Erzgebirgskreis auch weiterhin ein festes Fundament sichern soll. Zudem ist die Zusammenarbeit der Gemeinden enger geworden.

Seit Jahresbeginn bilden Pockau, Lengefeld, Mittelsaida, Lippersdorf und Forchheim mit der Kirche Seiffen, zu der bereits seit 2013 Deutschneudorf und Deutscheinsiedel gehören, den Schwesterkirchverbund Talsperre Saidenbach mit Seiffen. Das heißt, dass die Gemeinden weitgehend ihre Selbstständigkeit einschließlich Haushalt und Kirchenvorstand behalten. Das hauptamtliche Personal mit Pfarrer, Kantoren und Gemeindepädagogen ist hingegen nur noch einer Kirchgemeinde unterstellt.

Einen größeren Zusammenschluss hat es in der Flöhaer Region gegeben. Aus drei ehemaligen Schwesterkirchverbänden mit insgesamt zehn Einzelgemeinden sind drei Einheitsgemeinden entstanden. Diese kooperieren nun als Schwesterkirchen. Dazu zählt Borstendorf, das mit Leubsdorf und Schellenberg eine Gemeinde gebildet hat. Wolkenstein, Drebach, Großrückerswalde, Mauersberg, Schönbrunn und Großolbersdorf sind ebenfalls seit Jahresbeginn unter der Leitung von Pfarrerin Regina Regel einen ebensolchen Verbund aus sechs Schwesterkirchen eingegangen.

Einen anderen Weg haben die Gemeinden Dörnthal und Neuhausen-Heidersdorf gewählt. Sie werden sich im Januar 2021 dem Kirchspiel Olbernhau mit Pfaffroda, Hallbach, Oberneuschönberg und Rübenau anschließen. Ein solches Kirchspiel wollen die in bisher drei Schwesterkirchen organisierten zehn Gemeinden der Region Zschopau (Zschopau, Krumhermersdorf, Weißbach und Dittersdorf sowie Gornau, Dittmannsdorf und Witzschdorf, beziehungsweise Waldkirchen, Grünhainichen und Börnichen) in diesem Jahr unter Leitung der neuen Zschopauer Pfarrerin Claudia Matthes erst bilden. Dem sei ein "langer und intensiver Prozess der Beratung" vorausgegangen, legt Claudia Matthes dar: "Ein Kirchspiel ist ein Mittelweg zwischen Schwesterkirchverhältnis und Einheitsgemeinde. Schließlich erwächst aus der Kooperation der eigenständigen Gemeinden eine neue Gemeinschaft mit einem gemeinsamen Haushalt und einem gemeinsamen Vorstand, der alle grundlegenden Entscheidungen zu Etat, Personal und der künftigen Entwicklung trifft. Das hat durchaus Vorteile: Für Mitarbeiter wie Kantoren und Gemeindepädagogen, die bisher nur in Teilzeitverhältnissen beschäftigt sind, entstehen perspektivisch auskömmliche Einkommensverhältnisse mit klarer Weisungsgebundenheit. An den bisherigen Arbeitsverhältnissen wird sich jedoch vorerst nichts ändern."

Eine Einheitsgemeinde sei vorerst keine Option. "Jetzt muss sich auf der entstandenen Vertrauensbasis erst einmal eine Zusammenarbeit entwickeln, in der wir beispielsweise die Jahresplanung mit den musikalischen Veranstaltungen aufeinander abstimmen. Der größere Einzugsbereich bietet nun auch die Chance, ein breiteres Publikum anzusprechen", betont die Zschopauer Pfarrerin.

Noch nicht einig über die Art der künftigen Zusammenarbeit sind sich hingegen die Kirchgemeinden Marienberg-Satzung, Zöblitz, Pobershau, Kühnhaide und Lauterbach. Während Marienberg analog der politischen Gliederung eine Einheitsgemeinde favorisiert, bevorzugen die kleineren Gemeinden ein Schwesterkirchverhältnis mit fünf Schwestern.

Aufgrund der guten kommunalpolitischen Erfahrungen spreche sich die Kirchgemeinde Marienberg, die bereits seit zwei Jahren mit Satzung eine Einheitsgemeinde bildet, für die große Fusion aus, sagt der Marienberger Pfarrer Volkmar Freier, der zugleich einen Hinderungsgrund nennt: "Die unterschiedliche Größenstruktur erschwert jedoch die Bildung eines paritätisch besetzten Kirchenvorstandes."

Als Kompromiss empfehle die Marienberger Gemeinde ein Schwesterkirchverhältnis aus drei Schwestern, wobei neben Pobershau und Kühnhaide künftig auch Zöblitz und Lauterbach eine Einheit bilden sollen.

Für Burkhard Wagner, Pfarrer der Schwesterkirchgemeinden Pobershau und Kühnhaide, wäre nach einem Jahr "ergebnisloser Diskussion im Strukturausschuss" ein Zusammengehen seiner beiden Gemeinden zwar am ehesten denkbar, eine Notwendigkeit dazu sieht er jedoch nicht: "Die Eigenständigkeit bleibt unser Ziel, auch wenn wir jetzt schon mit beispielsweise 25 gemeinsamen Gottesdiensten im Jahr gut zusammenarbeiten."

Auch seine Amtskollegen Wolfram Rohloff aus Zöblitz und Bernhard Fuß aus Lauterbach betonen den Willen zusammenzuarbeiten, sehen jedoch die Zukunft ihrer Gemeinden in einem aus fünf Schwesterkirchen bestehenden Verbund. Die Kirchenvorstände seien meist auch die Menschen, die das Leben im Ort aktiv am Laufen halten würden. Bei einer Vereinigung würde das mancher nicht mittragen, befürchtet Wolfram Rohloff. Die Gemeinden bräuchten Zeit, sich erst besser kennenzulernen.

"Wir wollen nichts überstürzen, eine intensivere Zusammenarbeit ist auch ohne Strukturänderung möglich", plädiert auch der Lauterbacher Bernhard Fuß für die weitere Eigenständigkeit in einem Fünf-Schwesterkirchverhältnis. "Die Landeskirche hat die Anzahl der möglichen Schwesterkirchen von drei auf sechs erhöht. Warum sollten wir das nicht nutzen?"

Superintendent Rainer Findeisen hingegen hat bereits Vorstellungen von der Entwicklung in den kommenden 20 Jahren: Aus den Regionalverbünden sollen größere Strukturgebiete entstehen. Damit diese dann 4000 Christen umfasst, sollten einer solchen Einheit heute mindestens 8000 Gläubige angehören. So sieht es das Grundlagenpapier "Kirche mit Hoffnung in Sachsen" vor. Für Rainer Findeisen der richtige Weg: "Nur so können wir auf Dauer die Sicherheit unserer Arbeit gewährleisten. Wir müssen die Pfarrer von der Verwaltungsarbeit entlasten, damit sie sich wieder mehr den Menschen zuwenden können."

Und er sieht seine Kirche noch am Anfang dieses Weges: "Verträge sind das eine, die daraus resultierende Zusammenarbeit das andere. Dazu bedarf es erster Erfolge. Die Kirchenmusik ist hierfür ein guter Vorreiter, das Gemeinsame zu betonen."

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