Kolossaler Fund: Pilzsammler im Glück

Jürgen Ruscher hat mit seiner Enkelin Anica einen Riesenbovist gefunden. Dabei sagen Experten: Der Wald sei derzeit wie leer gefegt.

Pfaffroda.

Er sieht aus wie ein riesiger Marshmallow, ist größer als ein Fußball und bringt mehrere Kilo auf die Waage: der Mega-Pilz von Jürgen Ruscher. Den kolossalen Fund machte der Mann aus Pfaffroda gemeinsam mit Enkeltochter Anica.

Am Wochenende unternahmen Großvater und Enkelin einen Waldspaziergang im Tännichtwald bei Pfaffroda. "Dabei haben wir das Prachtexemplar gefunden", schwärmt Ruscher. Der Riesenbovist hat einen Durchmesser von 33 Zentimetern und wiegt 2500 Gramm. "In der Nähe standen noch drei weitere Exemplare mit 15 bis 20 Zentimetern Durchmesser. Aber die haben wir nicht mitgenommen", ergänzt der Pilzsammler. Er gehe oft seiner Leidenschaft nach. In diesem Jahr hatte er bislang jedoch wenig Erfolg: "Anfang Juni fand ich ein paar Pilze. Ansonsten herrscht bei der Trockenheit totale Ebbe." Umso erstaunlicher seine Entdeckung vom Sonntag: "Ich habe noch nie so einen Fund gemacht. Meine Enkelin hat sich riesig gefreut."

An sich sei der Riesenbovist, der gern auf überdüngten Böden, in Brennnesselbeständen, an Wegrändern und auf Weiden wächst, keine Seltenheit. Er könne sogar bis zu einem halben Meter groß und 20 Kilogramm schwer werden, sagt Pilzexpertin Renate Münzner aus Dittmannsdorf. Aufgrund der aktuellen Witterung sei der Fund jedoch schon etwas Besonderes, bestätigt auch Pilzkenner Joachim Melzer aus Niederlauterstein. "Ich bin erst am Montag wieder im Wald gewesen. Ertrag: gleich null. Man sieht nicht einmal eine Stinkmorchel", erklärt Melzer. "Der Wald ist wie leer gefegt. Nichts zu finden. So etwas habe ich noch nie erlebt", ergänzt Münzner. Lohnt es sich für Pilzsammler in diesem Jahr überhaupt noch, auf bessere Zeiten zu hoffen? "Wenn es in den nächsten drei Wochen so bleibt, sehe ich schwarz. Es müsste erst einmal 14 Tage richtig regnen", sagt Melzer. Der für heute geplante Pilztag auf dem Hirtstein des Erzgebirgszweigvereins Satzung musste bereits abgesagt werden, da es wegen des Wetters wenige bis gar keine Pilze gibt. Renate Münzner hingegen ist noch optimistisch. "Ich denke, es wird noch mit den Pilzen. Schließlich kommen der September und Oktober erst noch", sagt die Dittmannsdorferin.

Hat wenigstens der Riesenbovist geschmeckt? "Wir haben ihn nicht gegessen. Ich denke, dass er nicht mehr gut ist bei der Größe", sagt Jürgen Ruscher. "Wenn man drauf klopft - wie bei einer Melone -, muss es fest klingen", erklärt Münzner. Nur schneeweiße, straffe und pilzig frisch riechende Riesenboviste seien zum Verzehr geeignet. Sobald er sich gelb-bräunlich zu verfärben beginnt, sollte man die Finger von ihm lassen. Dann schmecke er bitter, giftig sei er allerdings nicht.

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