Krankenschwester denkt an sich selbst zuletzt

HOCHSOMMER: Wie kommt der Erzgebirger mit Hitze zurecht, wenn er arbeiten muss und keinen Urlaub hat? Heute: Krankenschwester Viola Weiß.

Zschopau.

Egal ob heiß oder kalt - Schwester Viola Weiß und ihre Kolleginnen des Zschopauer Krankenhauses tragen Sommer wie Winter die gleiche Berufskleidung: eine Siebenachtelhose und einen Kasack aus dickerem Baumwollstoff, dazu Socken. "Und das immer", betont die stellvertretende Stationsschwester. "Barfuß oder ärmellos, wie das früher ganz bequem war, geht aus hygienischen Gründen gar nicht. Was Leichteres wäre aber schon wünschenswert."

Tagsüber mehrfach Umziehen sei auch nicht möglich - "Soviel Wäsche haben wir nicht." Und geschwitzt wird bei der Versorgung der Patienten, beim Essen und Trinken ausgeben, beim Rausfahren und Abziehen der Betten sowie beim Abtransport der Schmutzwäsche in die Entsorgungsräume reichlich. Den Krankenschwestern kommt bei den derzeitigen Temperaturen die Urlaubszeit nicht ungelegen. Zwar hat Viola Weiß mit rund 20 ambulanten und stationären Patienten wesentlich weniger als sonst auf ihrer Station zu betreuen, doch dafür fällt diese Fürsorge intensiver als üblich aus: Der Flüssigkeitsbedarf der Patienten ist höher, deshalb bringen die Schwestern nicht nur häufiger frisches Wasser und kochen mehr Tee. Sie legen bei Operierten häufiger Elektrolyt-Infusionen, reichen außerdem auch Kaltschalensuppen und verteilen dünnere Decken.

"Da sowohl in den Patienten- als auch den Mitarbeiterzimmern die Fenster mit elektrischen Metalljalousien ausgerüstet sind, herrschen allgemein verträgliche Temperaturen im ganzen Haus - wenn nicht gerade die pralle Sonne anliegt. Zudem wird in jedes Zimmer frische Luft geblasen, auch die Fluchttüren stehen mitunter den ganzen Tag auf. Aufgrund der sternförmigen Architektur des Hauses sind die Möglichkeiten zum Durchlüften bei uns sehr gut", schildert Knut Hinkel, Geschäftsführer der Klinikum Mittleres Erzgebirge gGmbH. Operationssäle, Sterilisation und die Funktionsbereiche seien ohnehin das ganze Jahr über klimatisiert. Zur Erfrischung der Mitarbeiter in den Büros kocht die Küche zweimal täglich Früchte- oder Kräutertee. "Da kommen schon 100 Liter am Tag zusammen", sagt Knut Hinkel. "Und das Angebot wird gut angenommen."

Schwester Viola geht es jedenfalls vor lauter Arbeit mitunter wie vielen anderen auch. "Ich trinke mit täglich rund einem Liter Wasser viel zu wenig", bekennt die 58-jährige Mauersbergerin. "Wenn wir viele Zugänge haben und das Telefon dauern klingelt, merke ich erst zum Schichtwechsel, dass ich mich mal wieder selbst vergessen habe."

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