Kühle Männer an heißen Tagen

HOCHSOMMER: Wie kommt der Erzgebirger mit Hitze zurecht, wenn er arbeiten muss und keinen Urlaub hat? Heute: Volkskunstherstellerin Claudia Lorenz.

Richard, der achtjährige Sohn von Claudia Lorenz, hilft seiner Mutter oft in der Werkstatt, wie hier beim Verpacken der neuen Schneemänner.

Von Kristian Hahn

Aktuell herrschen 25 Grad Celsius und mehr an Claudia Lorenz' Arbeitsplatz. Angesichts dieser Temperaturen ist da an den ersten Advent eigentlich noch nicht zu denken. Für die Volkskunstherstellerin hingegen schon. Tatsächlich sind es "nur noch" 115 Tage. Für die Hersteller erzgebirgischer Volkskunst höchste Zeit, ihre Lager mit Weihnachts- und Winterartikeln zu füllen. Daher läuft die Produktion jetzt auf Hochtouren.

In der 2011 gegründeten Firma von Claudia Lorenz sorgen zumindest die Figuren für eine gedankliche Abkühlung. "Zum Sortiment gehören neben Kurrende, Engel und Bergmann vor allem Schneemänner und Winterkinder", so die Holzspielzeugmachermeisterin. Rund ein Dutzend verschiedene Motive der etwa drei Zentimeter kleinen Schneemänner stellt sie her - als Baumbehang, zum Stellen oder auch für Kerzenhalter. "Dazu bin ich täglich mindestens acht Stunden in der Werkstatt, oft auch am Samstag", sagt die 48-Jährige. Da Montagearbeiten nicht allzu bewegungsintensiv sind, lassen sich die hochsommerlichen Temperaturen aushalten. Beim Quirlen, wie der Farbauftrag genannt wird, fließt hingegen der Schweiß.

Große Fenster, die zum Garten hin geöffnet werden, sorgen für etwas Durchzug. "Es nützt ja nichts: die Arbeit muss gemacht werden. Ich dehne allerdings die Mittagspause aus und arbeite lieber abends etwas länger - so wie das in den südlichen Ländern vielfach praktiziert wird", erklärt Claudia Lorenz, die viel Wasser und auch den einen oder anderen Kaffee zur Erfrischung genießt.

Gestern verpackte sie die ersten von insgesamt 500 gerade fertiggestellten Schneemännern, die mit je acht Zentimetern Höhe größer als ihre Miniaturen sind, in Schachteln. "Meine diesjährige Neuentwicklung, von der es zunächst drei Motive gibt", sagt die Seiffener Unternehmerin. Allen drei Schneemännern hat sie Namen gegeben: Willy, mit einem Baum in der Hand, Berti trägt eine Laterne und Gustav einen Schneekristallstab. Die Idee für die großen Schneemänner hatte sie im Bett. "Da gehen mir manchmal Gedanken durch den Kopf, die dann in einem neuen Produkt enden," schmunzelt Claudia Lorenz.

Die Handwerkerin lässt es sich nicht nehmen, alle ihre Produkte selbst zu entwickeln, zu gestalten und letztlich auch zu produzieren. "Ich habe nach der Lehre den Meister gemacht und insgesamt mehr als 20 Jahre in der Branche gearbeitet. 2009 habe ich zunächst ein Teilgewerbe angemeldet und am 1. April 2011 dann den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt - und bisher nicht bereut", stellt Claudia Lorenz fest.

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