Kulisse fasziniert ebenso wie die historischen Maschinen

Daheim geht es ruhig zu, wenn Jörg Richter an seinen alten Motorrädern bastelt. Sobald er sich aber damitaufgroßeAusfahrten begibt, kommt es zum regen Austausch mit Gleichgesinnten - so wie jetzt in Augustusburg.

Marienberg.

Ungern erinnert sich Jörg Richter an die Erlebnisse vor fast genau einem Jahr. "Da stand ich in Glashütte und habe gewartet, bis der Lumpensammler kam", blickt der 51-jährige Marienberger zurück: "Mich hatte die Defekthexe eingeholt." Weil die Zündspule seines DKW-Motorrads kaputtgegangen war, ging die damalige Schlösser- und Burgenfahrt für ihn vorzeitig zu Ende. So bitter diese Erfahrung für Richter auch war: Sie konnte ihn nicht davon abhalten, am vergangenen Samstag wieder nach Augustusburg zu fahren, wo die Tour für Motorräder bis zum Baujahr 1939 beginnt und endet.

"Seit 2015 bin ich jedes Jahr dabei, und das wird auch so bleiben", sagt Jörg Richter, für den das Fahren mit Gleichgesinnten zu einem Muss geworden ist. Touren dieser Art gibt es viele, doch Augustusburg hat es ihm besonders angetan. "Das Schöne an dieser Fahrt ist, dass man jedes Jahr über andere besondere Motorräder staunen kann", erklärt er. Fast alle Maschinen sind deutlich älter als ihre Besitzer, was im Fall des Marienbergers auch zutrifft. Die DKW SB 200, mit der er diesmal dabei war, stammt aus dem Jahr 1934. Ihr widmet sich Richter sonst nur relativ spontan, doch vor der Schlösserfahrt wurde eine Woche lang fast jeden Tag gebastelt und getüftelt.

Als gelernter Zerspanungsmechaniker versteht der 51-Jährige sein Handwerk. "Meine Lehre habe ich ab 1984 bei MZ gemacht", erzählt er. Auch kurz nach der Wende war er dort noch beschäftigt - zuletzt im Zylinderbau. Obwohl für ihn dann Schluss war in Zschopau, bleibt Jörg Richter den dort gefertigten Marken im Herzen weiter treu. Und so freut er sich über jede DKW, die ihm bei solchen Oldtimer-Veranstaltungen vor die Augen kommt: "Es ist wirklich toll, wie viele Exemplare es noch gibt und vor allem, in welch gutem Zustand sie sich befinden."

Sein eigenes Motorrad hatte der Erzgebirger so gut vorbereitet, dass er diesmal nicht auf den Lumpensammler zu warten brauchte. Weil er auch seinen Zwei-Liter-Kanister gefüllt hatte, musste er nicht einmal eine Tankstelle aufsuchen. Stattdessen konnte er in aller Ruhe die Kulisse genießen, die die Augustusburger Tour jedes Jahr zu bieten hat - auch das sei ein wichtiger Aspekt. "Die Veranstalter um Andreas Lieschke haben das wieder toll gemacht. Besser geht es nicht, auch was die Ausschilderung angeht", sagt Richter, der bei den Fahrten oft neue Orte kennenlernt. Diesmal wurden am König-Albert-Turm in Grünhain-Beierfeld sowie an der Wernesgrüner Brauerei Pausen eingelegt. "Vorbeigefahren bin ich da schon, aber drin war ich noch nie", sagt der Marienberger, der die Aufenthalte inklusive der Kaffeepause an der Sternmühle ebenso in die Länge zog wie seine Begleiter: "Wichtig sind eben auch die vielen Gespräche."

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