Lange Vorbereitung bleibt für junge Darsteller unbelohnt

So groß die Freude über die unterrichtsfreie Zeit vielleicht ist: Die Schüler sind traurig, da sie in Chemnitz auf der Bühne glänzen wollten. Zumindest einige von ihnen können noch auf eine Aufführung hoffen.

Zschopau.

In dieser Woche sollte es soweit sein - ein großer Moment vor einer großen Kulisse als Belohnung für einen hohen Aufwand. Gemeint ist die Chemnitzer Schultheaterwoche, bei deren 22. Auflage auch zahlreiche Schüler aus dem mittleren Erzgebirge ihr schauspielerisches Können unter Beweis stellen wollten. Doch statt des Vorhangs fiel die Entscheidung, das Projekt in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie abzusagen. Nachvollziehbar war dieser unvermeidbare Schritt für alle Beteiligten auf jeden Fall, trotz allem Verständnis weckte er aber auch Enttäuschung.

Zahlreiche Stunden des Lernens und Probens waren umsonst. Zum Beispiel für die Laienspielgruppe der Grundschule Lippersdorf, die auf der Bühne des Chemnitzer Schauspielhauses "Das einsame Gespenst Willi" zum Leben erwecken wollte. "Meins! Eine kurze Geschichte der Liebe" hatte sich die Theatergruppe der Zschopauer Martin-Andersen-Nexö-Oberschule einfallen lassen. Monatelang feilte die sogenannte "MAN's Gang" an der Eigenproduktion, die rund 40 Minuten dauern sollte. Mit einem eigenen Stück wollte auch die Theatergruppe "Art Schock" des Olbernhauer Gymnasiums die Jury beeindrucken. "Corpus Delicti - Frei nach Juli Zeh" sollte den Betrachter in die Welt eines Freigeists entführen, der dem strengen System entkommen will.

Die beiden Vertretungen des Gymnasiums Zschopau setzten auf Humor und Werke erfahrener Künstler. Während die jüngeren Schüler "Die Tochter des Ganovenkönigs" aufführen wollten, widmeten sich die Jugendlichen einer noch bekannteren Komödie. "Monsieur Claude und seine Töchter", bekannt durch den gleichnamigen Kinofilm, sollte nun in einer neuen Version das Publikum beeindrucken. Dass es wegen der Corona-Krise nicht soweit kommt, ist laut Ina Messig für die angehenden Abiturienten besonders tragisch. "Wir haben acht Zwölftklässler in unserer Gruppe. Sie haben nun womöglich gar keine Gelegenheit mehr, das Stück zu spielen. Ein ganzes Jahr wäre dann umsonst gewesen", erklärt die Deutschlehrerin, die die Schüler anleitet.

Während sich jüngere Schüler mit einem Auftritt bei der nächsten Auflage der Chemnitzer Schultheaterwoche trösten können, sind die jetzigen Vertreter der Klassenstufe 12 im nächsten Jahr nicht mehr dabei. Hinzu kommt im Fall der Zschopauer Gymnasiasten, dass sie ihre Komödie nicht einmal an der eigenen Schule zeigen konnten. Während "Die Tochter des Ganovenkönigs" zumindest in der Zschopauer Aula die Kinder jüngerer Klassenstufen zum Schmunzeln gebracht hatte, fiel die öffentliche Generalprobe von "Monsieur Claude" bereits den drastischen Maßnahmen im Zuge der Corona-Krise zum Opfer.

Als dann noch klar wurde, dass auch der Auftritt in Chemnitz ins Wasser fällt, flossen laut Ina Messig viele Tränen. "Es sind so tolle Schauspieler dabei. Und wir hatten uns auch ein besonderes Stück mit Hintergrund ausgewählt", bedauert die Lehrerin, die trotzdem auf ein Happy-End hofft: Sobald es das öffentliche Leben wieder zulässt, soll die französische Komödie zumindest in Zschopau aufgeführt werden.


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