Lauterer Agave blüht bis in den Advent

Damit hätten selbst die erfahrenen Gärtner Rudolf und Rajko Bretschneider nicht gerechnet. Ihre botanische Sensation hielt länger durch, als vermutet.

Lauter-Bernsbach.

Oft sind Passanten in den zurückliegenden Wochen vor der Gärtnerei Bretschneider an der Auer Straße in Lauter stehen geblieben und haben eine Attraktion in Augenschein genommen: eine Agave, deren Blütenstiel rund 4,50 Meter in die Höhe ragte. Mittlerweile ist sie verschwunden.

"Wir haben sie reingenommen, weil der Frost ihr ohnehin zugesetzt hätte", so Rajko Bretschneider. Der Blütenstiel sei abgeschnitten. "Aber die Pflanze an sich hält noch durch." Damit hätten weder er noch sein Vater Rudolf Bretschneider gerechnet, der die Agave vor 60 Jahren säte. Damals war nicht absehbar, wann das Gewächs blühen würde - oder ob überhaupt. Doch ab Ende Juli tat sich etwas. Die kakteenähnliche Pflanze, die es trocken mag und sehr strapazierfähig ist, trieb ihren Blütenstiel aus. Täglich um bis zu 15 Zentimeter. Täglich schossen die stolzen Besitzer ein Foto. Ab Anfang September öffneten sich erste Blüten am 4,50 Meter langen Stengel. Die botanische Sensation war perfekt. Selbst das Fernsehen berichtete.

Doch die Blüte - so glaubten auch die Bretschneiders - sollte zugleich das Ende der Pflanze einläuten. Mit lediglich zwei bis drei Wochen sei zu rechnen, dann trockne der Stengel aus und knicke ab, so Rudolf Bretschneider damals. Weit gefehlt. "Wir müssen uns korrigieren", sagte sein Sohn Rajko jetzt. Denn die Agave hat tatsächlich durchgehalten und geblüht. "Und zwar bis fast ganz oben. Nur die letzte Spitze auf etwa zehn Zentimetern hat wohl schon etwas zu viel Kälte abbekommen und trieb keine der gelben Blüten aus." Dann schnitt Bretschneider den Blütenstiel ab und stellte die Pflanze drinnen unter. "Der untere Teil sieht nach wie vor gut aus." Auch ein paar Samen haben die Bretschneiders gesichert.

Das botanische Schauspiel wird die Familie so schnell nicht vergessen. Zumal die seltene Blüte der Agave zu einem besonderen Zeitpunkt erfolgte - passend zum 50-jährigen Bestehen der Gärtnerei. "Das ist ein schöner Zufall", so Rajko Bretschneider. Faszinierend fand sein Vater vor allem die Schnelligkeit, mit der der Blütenstiel in die Höhe schoss. "Dass das so rasant geht, hätte ich nicht gedacht", sagte er. Allein "wegen der stachligen Sachen" wie Kakteen und Pflanzen dieser Art habe er den Beruf des Gärtners überhaupt gewählt. 1969 übernahm der aus Cranzahl stammende Erzgebirger die Betriebsgärtnerei der VEB Schwerter Emaille in Lauter. Seit 2009 lenkt Sohn Rajko die Geschicke des Geschäfts, das ein gemischter Gartenbaubetrieb des alten Typs ist - von Eigengewächsen über Floristik bis zur Grabpflege reicht das Angebot. Vier Mitarbeiter gehören zum Team. Der Samen der Agave stammte einst von der Erfurter Firma Kakteen Haage, die laut dem Erzgebirger schon zu DDR-Zeiten führend auf dem Gebiet dieser trockenheitsliebenden Pflanzenarten war.

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