Liedermacher zählt sich zur alten Schule

Auf den Austausch mit seinem Publikum muss Thomas Franke-Gernhardt zwar gerade verzichten. Dafür nutzte der Zschopauer die Zeit für eine neue CD.

Zschopau.

Von anderen Musikern werde er manchmal belächelt, sagt Thomas Franke-Gernhardt. "Viele haben nur noch eine Karte bei sich mit einem Link, unter dem man ihre Musik hören kann", erklärt der Liedermacher aus Zschopau. Er selbst gehöre dagegen noch zur "Old School", also zur alten Schule, und setze weiterhin auf die physische Form eines Tonträgers. "Für mich gehört es dazu, etwas in der Hand zu halten", sagt der 56-Jährige und meint damit die CD's, die er für all diejenigen Zuhörer dabei hat, denen seine Lieder gefallen. Neuerdings kann er ihnen noch eine Scheibe mehr anbieten, denn mit "Gib mir die Farben" hat Franke-Gernhardt gerade sein siebentes Album herausgebracht. Und für das macht er auch gern mal eine Ausnahme, was digitale Medien angeht.

Mit durchaus etwas Stolz sagt der studierte Wirtschaftswissenschaftler, der als Lehrer arbeitet, dass auf der Internetplattform You-Tube nun sein erstes offizielles Video zu sehen ist. "Meer für mich" heißt eins der zwölf neuen Lieder, das dort mit bewegten Bildern untermalt ist. Doch auch in anderer Hinsicht nutzt Thomas Franke-Gernhardt inzwischen das weltweite Netz, um sich und seine Musik bekannter zu machen. Schon zweimal war er bei Rockradio.de zu Gast, um dort über das Thema "Indie zwischen Eigenständigkeit und Mainstream" zu sprechen. Und natürlich plauderte er bei dieser Gelegenheit mit Moderator Uwe Bier in dessen Studio in Oberlochmühle auch über sein eigenes neues Album. Die Zuhörer der Sendung "Feierabend-Bier" bekamen sogar eine einmalige Akustik-Version des neuen Songs "Ich häng an Dir" zu hören. Sie können sich bald über neue Töne und Einschätzungen des Liedermachers freuen. Weitere Treffen mit Uwe Bier sind geplant, blickt der Zschopauer voraus.

Dass Thomas Franke-Gernhardt gerade viel Zeit hat, hängt mit der Corona-Pandemie zusammen. Auch er musste einen Großteil seiner geplanten Auftritte streichen, was aber nicht bedeutet, dass die Gitarre des Musikers ungenutzt daheim in der Ecke steht - im Gegenteil. "So spielt man öfter zuhause, probiert einiges aus und verändert auch mal etwas an den Liedern", berichtet der 56-Jährige, der weiterhin unter dem Namen "Akustik leis" unterwegs ist. Im gleichnamigen Orchester bewies der Erzgebirger zusammen mit anderen Musikern schon Ende der 1980er-Jahre seine Kreativität. Obwohl es an seiner Seite viele personelle Wechsel gab, hat sich an seiner musikalischen Tüftelei nichts geändert.

Manchmal komme ihm beim Schreiben der Lieder alles sofort in den Sinn, bei anderen Titeln kann die Arbeit bis zu einem halben Jahr dauern. Das Muster des Vorgehens sei aber immer das gleiche. "Erst entsteht der Text und dann die Melodie. Ich baue ein Lied um den Refrain herum auf", erklärt der Musiker, der sich dabei häufig von Alltagssituationen inspirieren lässt.

Anregungen liefert durchaus auch das Familien- und Berufsleben. Doch am liebsten greift der Erzgebirger zu Zettel und Stift, wenn er an der Küste die Seele baumeln lässt. "Aus dem Urlaub komme ich immer mit Songs zurück", sagt Franke-Gernhardt, der Weite und Ruhe als Inspiration bezeichnet. Diese kann aber auch in einem finnischen Meeresmuseum lauern, in dem ein vermeintliches Liebeslied seinen Ursprung hat. Zwar geht es in "Ich häng an Dir" um einen Schatz, mit dem aber zunächst nicht der Partner einer Liebesbeziehung gemeint war. "In der Ausstellung ging es um Seemonster", geht Franke-Gernhardt dem in der Tiefe verborgenen Schatz mal kurz näher auf den Grund. Viel mehr verrät er nicht, denn jeder solle sich sein eigenes Bild von den Liedern machen.

Zwei Jahre hat der 56-Jährige an seinem Album gefeilt. Womöglich hätte die Arbeit noch etwas länger gedauert, "aber durch Corona ist es schneller fertig geworden", sagt der Zschopauer, der sich den modernen Gegebenheiten anpasst: "In der heutigen Zeit hat man keine Wahl. Man ist einfach aufs Internet angewiesen." Obwohl er die CD's auf seiner Homepage anbietet, bringt Thomas Franke-Gernhardt die Scheiben weiterhin am liebsten direkt bei seinen Auftritten an den Mann. "Das Feedback der Zuhörer ist für mich entscheidend", betont der Liedermacher, der beim Download eines anonymen Kunden im Internet vergeblich auf Anregungen und Gespräche wartet. Doch genau dieser Austausch spiele eine wichtige Rolle: "Ich will durch die Musik ja nicht reich werden, sondern sie unter die Leute bringen."

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