"Locci" nimmt Besucher mit auf eine Reise durch Zeit und Genres

Das Flair der Gelenauer Puppentheatertage wird diesmal noch etwas länger zu spüren sein als sonst. Verantwortlich dafür ist einer der Protagonisten, der in einer Wanderausstellung seine historischen Koffer auspackt.

Gelenau.

Ein wenig fühlt sich Wolfgang Lasch an den Dachboden seiner Großmutter erinnert, als er das Gelenauer Strumpfmuseum betritt. "Das hat etwas von Rumpelkammer", sagt der 70-jährige Potsdamer, der seit eh und je bei den Gelenauer Puppenspieltagen dabei ist. So auch diesmal. Doch bei den Vorführungen an umliegenden Schulen sowie seinem Beitrag zum Großen Theaterabend am 14. März belässt er es diesmal nicht. Mit einem 7,5-Tonner hat Lasch zig historische Koffer mitgebracht, deren Inhalt von diesem Samstag bis zum 26. April im Strumpfmuseum zu sehen ist.

"Die Location passt perfekt", findet der Organisator, denn die schrägen Holzwände mit den dunklen Ecken darunter erinnern ihn an jenen besagten Dachboden. Der Ort, wo "Locci" - so der Künstlername von Lasch - (wieder-)geboren wurde. "Den Geruch der alten Sachen habe ich noch immer in der Nase", sagt der 70-Jährige, obwohl es sich um Erinnerungen aus seiner Kindheit handelt. Damals stieg er in Mittweida, wo er geboren wurde, öfter mal hinauf in die oberste Etage im Haus seiner Großmutter. Die Kostüme und Requisiten, die dort in alten Koffern vor sich hin schlummerten, faszinierten ihn. Es waren jene Sachen, die sein Großvater getragen und benutzt hatte, als er 1938 seine Karriere als Clown "Loci" begann.

Seinen Opa hat Wolfgang Lasch nie kennengelernt, weil dieser 1947 in Kriegsgefangenschaft starb. Doch dessen Gene trägt er in sich. Zwar hatte der Vater mit Kunst und Klamauk eher weniger am Hut. Und auch Wolfgang Lasch versuchte sich zunächst als Buchdrucker. Trotz seines Polygrafie-Studiums kam Anfang der 1980er-Jahre aber dann doch der Clown in ihm durch. Aus dem Hobby-Musiker und -Puppenspieler wurde ein freiberuflicher Künstler, der bis heute sein Publikum in vielen Rollen fasziniert.

Als Zeichen dafür, dass er der nächste Clown in der Familie ist, fügte Lasch dem "Loci" noch ein "c" hinzu. "Vielleicht werden es ja mal drei", sagt er Potsdamer schmunzelnd. Schließlich hat er acht Kinder und 14 Enkel, die die Tradition fortführen könnten. Doch Druck macht er niemandem, stattdessen kümmert sich "Locci" um seine eigenen Angelegenheiten. Und dazu gehört neben den Auftritten, deren Zahl im Alter von 70 Jahren eher zu- als abnimmt, auch die Wanderausstellung "Aus Kisten und Koffern - Clown Locci, ein Komödiantenleben". Die Idee dazu hatte 2005 ein Museumsleiter aus Bad Liebenwerda, der den riesigen Fundus von Lasch als kulturellen Schatz erachtete, der der breiten Öffentlichkeit nicht verborgen bleiben sollte.

Seither waren die Sachen, zu denen Puppen und Kostüme ebenso gehören wie Plakate und Instrumente, viel auf Reisen. Von der Insel Usedom bis hin zu einem Vorort von Wien reichten die Ausstellungsorte. An einigen waren sie lange zu sehen - so wie im Schönecker Ifa-Hotel, wo erst nach acht Jahren Schluss war. "Eine dauerhafte Ausstellung wäre mein Ziel", gesteht Lasch. Doch an anderen Orten ist der Zeitraum eher kurz - so wie jetzt in Gelenau. Trotzdem können sich die Besucher auch an der 19. Station auf eine einzigartige Reise durch Zeit und Genres begeben. "Man kann in die Welt der Fantasie und Gaukler eintauchen. Das hat einen gewissen Zauber", meint Lasch, der seine verschiedenen Rollen präsentiert. Diese reichen vom Clown über den Western-Helden, der stets bei den Karl-May-Festspielen in Radebeul auftritt, bis hin zum Musiker. Damit einher gehen die verschiedenen Epochen. Zum Beispiel die, als Lasch in den 1990er-Jahren auf zahlreichen Mittelalter-Festen die Bühne betrat. Kostüme aus jener Zeit sind in Gelenau ebenso zu bestaunen wie das erste Clown-Gewand, das sein Großvater 1938 trug. Gefunden hat es Wolfgang Lasch damals auf dem Dachboden.


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