Lokalpolitik bleibt Männersache

In Börnichen steht keine Frau auf der Kandidatenliste - Freie Wählervereinigung bietet die meisten Bewerber auf - Für Bürgermeister ist Fraktions- oder Parteizugehörigkeit nicht entscheidend

Börnichen.

Egal wie die Gemeinderatswahl am 26. Mai in Börnichen ausgeht, eins steht jetzt schon fest: Lokalpolitik in dem mit knapp 1000 Einwohnern zu den kleinsten eigenständigen Gemeinden Sachsens zählenden Dorf bleibt Männersache. Nachdem sich die Börnichener zur Kommunalwahl 2014 für eine reine Männerriege entschieden hatten - Veronika Schäfer (Freie Wählervereinigung), damals einzige Bewerberin, brachte es nicht auf die erforderlichen Stimmen -, stehen diesmal nur männliche Kandidaten zur Wahl. Frauenquote? Fehlanzeige! Insgesamt 14 Bewerber ringen um einen der zehn Sitze im Gemeindeparlament.

Für die Freie Wählervereinigung Börnichen, die seit fünf Jahren mit acht Mitgliedern das Gros des Gemeinderates stellt, kämpfen zwölf Kandidaten um den Einzug in den Gemeinderat. Während Thomas Müller, Harald Schönwitz, Klemens Helwig, Roberto Schubert, Thomas Reichel, Sebastian Hänel, Uwe Reichel und Mario Uhlig erneut kandidieren, gehen mit Gerd Liebsch, Daniel Wagner, Peter Weißbach und André Uhlig auch vier neue Gesichter der Freien Wähler auf Stimmenfang.


Die Partei Die Linke und die Feuerwehr Börnichen, beide seit fünf Jahren mit Einzelkämpfern in den Gemeinderatssitzungen vertreten, sind bei den Wahlen am 26. Mai mit jeweils einem Bewerber am Start. Während Klaus-Peter Schade (Die Linke) erneut um die Gunst der Wähler kämpft, beendet Thomas Uhle nach fünf Jahren seine Mitarbeit im Gremium. Für ihn setzt die Feuerwehr Enrico Aust, Jahrgang 1994, auf die Kandidatenliste.

Die Freie Wählervereinigung ist also zumindest von der Anzahl ihrer Bewerber weiter die stärkste Kraft in der Börnichener Kommunalpolitik. Für Bürgermeister Frank Lohr (parteilos) spielt die Fraktions- oder Parteizugehörigkeit der Ratsmitglieder nicht die Hauptrolle. Entscheidend sei vielmehr, Lösungen für die Probleme im Ort zu finden. "Es darf nicht sein, dass Probleme nur aufgezeigt und keine Lösungen angeboten werden", fordert der Bürgermeister. "Ich wünsche mir einen Gemeinderat, der weiter so konstruktiv arbeitet."

Das ist auch erforderlich, um die aktuellen Vorhaben im Ort umsetzen zu können. Immerhin sind über 150.000 Euro im aktuellen Haushalt der zum Verwaltungsverband Wildenstein gehörenden Gemeinde für Instandsetzungsarbeiten eingeplant. Unter anderem 50.000 Euro für die Sanierung von Stützmauern an der Räucherhütte, am Huthain und an der Dorfstraße. Mit 45.000 Euro schlägt die Sanierung der Totenhalle zu Buche. Für Instandhaltungsmaßnahmen am Feuergerätehaus sind rund 12.000 Euro veranschlagt, für die Fertigstellung des Außenbereichs der Kindertagesstätte 25.000 Euro.

Zudem sind in Börnichen mehrere Investitionen in Höhe von zusammen über 90.000 Euro geplant. Für die Verlegung der Pumpstation in den Kreuzungsbereich Dorfstraße/Försterweg sowie die Anbindung an die zentrale Kläranlage stehen 25.000 Euro zur Verfügung. Rund 30.000 Euro sollen einschließlich Fördermittel für die Erneuerung der Beleuchtung der Straße zur Schwarzmühle und am Neuen Weg ausgegeben werden. Für den Einbau einer neuen Heizung im Gebäude Rathausstraße 8, in dem der Hort und die Begegnungsstätte untergebracht sind, fließen 20.000 Euro aus der Gemeindekasse, für die Bushaltestelle gegenüber der ehemaligen Tankstelle 10.000 Euro. Zudem soll noch in diesem Jahr das neue Verkehrskonzept im Ort umgesetzt werden. "Es sieht vor, dass es innerhalb der Ortslage nur noch gleichrangige Straßen gibt. Dafür muss die Beschilderung geändert werden", erläutert Lohr.

Wenn das Landesamt für Straßenbau und Verkehr in Börnichen mit der Sanierung der Hauptstraße beginnt, wird sich der Gemeinderat auch mit dem Thema Fußwegbau auseinandersetzen müssen. Denn es ist geplant, die gesamte Hauptstraße von der Turnhalle aus Richtung Waldkirchen bis zur Gaststätte Waldhof in Richtung Wünschendorf mit einem Fußweg auszustatten. Der etwa 400 Meter lange Abschnitt zwischen der Kreuzung an der Siedlung und der Buswendeschleife soll dagegen so schnell wie möglich gebaut werden, da dieser auch als Schulweg genutzt wird.


Die Kandidaten

Freie Wählervereinigung Börnichen: Thomas Müller, Harald Schönwitz, Klemens Helwig, Roberto Schubert, Gerd Liebsch, Thomas Reichel, André Uhlig, Sebastian Hänel, Uwe Reichel, Mario Uhlig, Daniel Wagner, Peter Weißbach.

Feuerwehr Börnichen: Enrico Aust

Die Linke: Klaus-Peter Schade.


Das wünschen sich Bürger

Martin Langer (21): Es sieht scheinbar alles ganz gut aus, unser Dorf hat sogar einen Jugendclub. Das ist in Ordnung. Wir sind aber eine Gruppe Jugendlicher und junger Erwachsener, die sich an der Wendeschleife treffen muss, weil es sonst keinen Treffpunkt gibt. Darüber beschweren sich dann die Anwohner. In den Jugendclub kommen dagegen nur Mitglieder rein. Ich bin nicht mehr Mitglied bei "Börnschen United", will mich aber mit Freunden treffen. Da wären ein Betreuer oder Sozialarbeiter die Lösung, wie es sie auch in anderen Jugendclubs gibt.

Jan Heidenreich (54): Wünschen kann man sich viel, doch zaubern kann der Gemeinderat auch nicht. Es sollte aber weiter vorangehen im Dorf. Das kann und muss wie bisher in kleinen Schritten geschehen. Die Gemeinderäte sollten immer das Wohl des Dorfes im Blick haben und müssen sehen, dass der Zusammenhalt im Ort gewahrt wird. Es muss ein konstruktives Miteinander sein. Projekte fallen mir im Moment keine ein. Wir haben einen Gasthof mit Saal, die Turnhalle ist in Ordnung - das haben andere Dörfer gar nicht.

Reiner Otto (63): Ich bin seit 43 Jahren in der Feuerwehr. Wir haben ein wunderbares Depot, auch die Technik passt. Der Gemeinderat muss sich aber um die Staustufen kümmern. Denn wenn es einmal im Niederdorf brennen sollte, müssten wir das Wasser über eine endlos lange Strecke von oben holen. Sonst kann es im Dorf so weitergehen, die Ziele müssen aber realistisch bleiben. (dit)

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