Lustige Kabinenwette bringt soziale Spendenaktion ins Rollen

Neben ihrer sportlichen haben die Fußballer des FSV Motor Marienberg auch ihre soziale Ader bewiesen. Beim Besuch des Kinder- und Jugendzentrums in Pobershau hatten sie gleich zwei Geschenke dabei.

Pobershau.

Zeit zum Aufhängen von Bildern oder Postern sei ihr noch nicht geblieben. "Ich bin erst seit zwei Wochen hier", erklärt das zwölfjährige Mädchen, das neuerdings im Pobershauer Kinder- und Jugendzentrum Pobershau wohnt. "Meine Mutti hat mich geschlagen", nennt sie den Grund dafür, fügt aber sofort an: "Ich habe sie immer noch lieb." Trotzdem ist das Mädchen froh, ein neues Zuhause gefunden zu haben. Erst recht an diesem Tag, denn drei junge Männer schauen als Überraschungsgäste vorbei und haben auch noch etwas für die Bewohner des Kinderheims mitgebracht.

Der Besuch kommt vom FSV Motor Marienberg, dessen Fußballer im Frühjahr eine interessante Wette mit ihrem Trainer Ronny Rother abschlossen. "Es ging darum, ob er mehr Kilos abnimmt oder wir mehr Punkte in der Rückrunde holen", fasst Landesklasse-Spieler Kenny Schmidt den Inhalt zusammen. Er und seine Teamkollegen ließen Rother mit einer bärenstarken zweiten Saisonhälfte dann kaum eine Chance. Stellte sich nur die Frage, was mit dem Erlös der Wette anzufangen sei. Weil Stürmer Julius Wagner Jugendsozialarbeit studiert und dabei den praktischen Teil in der Pobershauer Einrichtung absolviert, war ein guter Zweck rasch gefunden. Jedoch erschienen die knapp 300 Euro ihres Trainers den Fußballern dann doch etwas wenig. Also organisierten sie zum Landesp0kalspiel gegen Neugersdorf eine Tombola. Obwohl der FSV Motor das Spiel verlor, durften sich die Gastgeber hinterher als Gewinner fühlen. Letztlich kamen 1000 Euro zusammen.

Attraktive Preise ließen die Spendensumme wachsen, wobei Kenny Schmidt seine Kontakte in den Profi- Fußball zugute kamen. Der gebürtige Drebacher, der einst für die U 23 von Bundesligist SV Werder Bremen gespielt hat, kennt noch immer einige inzwischen prominente Kicker von damals. Vor allem zu Martin Harnik pflegt er eine intensive Freundschaft. Weil der inzwischen beim Hamburger SV auf Torejagd geht, gab es bei der Tombola interessante Sachen zu gewinnen. Hauptpreis war ein signiertes HSV-Trikot, das an Kevin Morgenstern ging, das nun aber dem Kinderheim übergeben wird. Denn zusammen mit Kenny Schmidt, Julius Wagner und Vorstandsmitglied André Schroll ist auch der Motor-Fan gekommen. Das inzwischen eingerahmte Trikot bringt als i-Tüpfelchen der Aktion allen voran die Augen der kleinen Jungen zum Leuchten.

Für Sabine Schlottig ist vor allem die Geldspende von Bedeutung. "Ich bin völlig baff. Heutzutage ist es nicht selbstverständlich, solch eine Aktion zu organisieren", sagt die stellvertretende Leiterin der Einrichtung. Bei einem Rundgang durch die Einrichtung, bei dem die Fußballer nicht nur das zwölfjährige Mädchen, sondern auch viele andere Bewohner kennenlernen, erzählt sie viel über den Alltag. Zugleich verrät Sabine Schlottig, dass das Geld in die Finanzierung von Urlaubsausflügen fließen soll. "Das sind Highlights, die sonst mitunter nicht in die Planung passen, weil die finanziellen Mittel fehlen."

Dank der Initiative der Marienberger Fußballer können sich die Heimbewohner nun auf interessante Unternehmungen im kommenden Sommer freuen. Aufgeteilt in drei Gruppen, leben derzeit 17 Kinder und Jugendlichen im Alter von 5 bis 18 Jahren in der Pobershauer Einrichtung. In der Vergangenheit führten sie die Urlaubsreisen zum Beispiel schon zum Schweriner See, an die Talsperre Kriebstein oder nach Bad Lausick. Die nächsten Ziele stehen noch nicht fest. Dank der Spende können sich die insgesamt 16 Erziehungskräfte allmählich an die Planung machen. "Das klingt zwar viel, aber so viele Betreuer sind wirklich nötig", erklärt Sabine Schlottig während des Rundgangs. Egal, ob Hausaufgaben, Frisörbesuche, Essenszubereitung oder Wäsche - rund um die Uhr ist Betreuung nötig. Stress ist dadurch ständig ein Faktor, weshalb sich auch die stellvertretende Leiterin über den Besuch der Fußballer und etwas Abwechslung im Alltag freut.

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