Mathematik bleibt für viele Schüler ein Problemfach

Der Bedarf am Nachhilfeunterricht außerhalb der Schule steigt. Die Gründe dafür sind vielfältig. Dabei soll das zusätzliche Lernen eigentlich nur im Einzelfall notwendig sein.

Marienberg/Zschopau.

Als sich die Schülerhilfe vor knapp zwei Jahren aus Marienberg zurückgezogen hat, nutzte Denis Kindt die Gunst der Stunde und gründete in den Räumen sein eigenes Nachhilfeinstitut. Heute kommen seine Schüler aus Marienberg, den Ortsteilen und Nachbarorten. Drei Viertel davon haben Probleme mit Mathe. "Der Lehrplan ist in diesem Fach sehr voll", meint Denis Kindt.

Die meisten Mädchen und Jungen kommen zweimal pro Woche in die Nachhilfeschule, in der sie in kleinen Gruppen von bis zu sechs Kindern unterrichtet werden. Die Grundlage für den Nachhilfeunterricht bilden die Aufzeichnungen der Lernenden. Denis Kindt und seine Mitarbeiter orientieren sich an den Lehrplänen: "Wir sehen uns als Ergänzung zur Schule, wir greifen dem Unterricht nicht vor." Statt auf Frontalunterricht setze seine Einrichtung auf die Mitarbeit der Kinder. "Sie sollen so lange nachfragen, bis sie es verstanden haben." Die Teilnahme am Nachhilfeunterricht allein reiche aber nicht aus. "Die Schüler müssen in der Schule aufpassen, zuhause üben und bei uns die Fragen stellen", sagt Kindt. "Das versuchen wir ihnen zu vermitteln."

Gern würde er diese Lektion noch mehr Kindern erteilen, doch mittlerweile müsse er aus Mangel an Nachhilfelehrern sogar Kunden abweisen. "Ich könnte auf der Stelle drei neue Lehrer einstellen, aber ich finde keine", meint der Pädagoge. Einen Grund dafür sieht er darin, dass Lehrer in Sachsen nur in Dresden, Leipzig und Chemnitz ausgebildet werden. "Wenn die Leute einmal in den Städten sind, kommen sie oftmals nicht zurück ins Erzgebirge."

Seine Angestellten sind meist ausgebildete Lehrer oder Lehramtsstudenten. Laut Pressesprecher Roman Schulz vom Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) darf jeder Nachhilfelehrer werden: "Das ist ein freier Markt. Vom Kultusministerium gibt es da keine Vorgaben." Aus der Sicht des Lasub muss die öffentliche Schule so funktionieren, dass Nachhilfe nicht notwendig ist. Dennoch gesteht Roman Schulz ein, dass es sich hier um einen seit Jahren boomenden Markt handelt - nicht nur in Sachsen, sondern in ganz Deutschland. "Nachhilfe sollte nicht flächendeckend in Anspruch genommen werden, kann im Einzelfall aber sinnvoll sein. Etwa wenn ein Kind längere Zeit krank war", sagt der Pressesprecher. Gerade die Nachhilfe in der Ferienzeit sieht er dabei aber kritisch: "Auch ein Kind mit schlechteren schulischen Leistungen hat einen Anspruch auf die freie Zeit."

Die Eltern scheinen darüber anders zu denken. Beim Studienkreis, der auch ein Nachhilfeinstitut in Zschopau betreibt, sei die Nachfrage nach Ferienkursen in Sachsen von 2016 auf 2017 um satte 40 Prozent gestiegen, sagte dessen PR-Chefin Friedericke Oswald. Genaue Schülerzahlen der vergangenen Jahre wollte aber weder sie, noch der zweite Marktführer, die Schülerhilfe, nennen. Immerhin: Die Nachfrage sei seit Jahren auf stabil hohem Niveau - 2017 sei sie sogar etwas gestiegen, so Oswald.

Auch bei Denis Kindt wollen immer mehr Kinder ihre Leistungen aufbessern. Einen Grund dafür sieht er in der veränderten Wahrnehmung des Nachhilfeunterrichts. "Das Thema wird heute nicht mehr so negativ gesehen wie früher. Die Schüler begreifen die Nachhilfe eher als Chance", meint Kindt. Einst seien es vor allem die Eltern gewesen, die ihre Kinder zur Nachhilfe drängten. "Heute geht die Initiative oft auch von den Kindern selbst aus."

Laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung aus dem Jahr 2017 zeigt sich, dass es besonders die Oberschüler den Stützunterricht oft in Anspruch nehmen. Diese bilden fast ein Viertel aller Nachhilfekunden. Laut Denis Kindt können die meisten seiner Kunden ihre Noten am Ende verbessern. "Manche brauchen dafür nur wenige Wochen, andere etwas länger." Nur bei wenigen stelle sich keine Verbesserung ein. "Bei ihnen ist es unser Ziel, die Noten stabil zu halten."

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