Mehrere Schwerverletzte bei Feuerwehreinsatz in Rothenthal

Brandbekämpfer waren angerückt, um Glutnester in einem Späne-Silo auf dem Gelände einer Holzwarenfabrik zu löschen. Dabei erlitten vier Personen vermutlich eine Kohlenmonoxid-Vergiftung.

Rothenthal.

Bei einem Feuerwehreinsatz auf dem Gelände der Holz- und Drechslerwaren Dieter Legler GmbH & Co KG in Rothen-thal sind gestern Vormittag mehrere Einsatzkräfte verletzt worden, einige davon schwer. Ersten Einschätzungen zufolge haben vier Feuerwehrleute Kohlenmonoxid-Vergiftungen erlitten, als sie versuchten, einen Brand in einem Späne-Silo zu löschen.

"Sie sind offensichtlich während des Einsatzes mit toxischen Gasen in Kontakt gekommen", erklärte der Leitende Notarzt Jan Kolomaznik gestern vor Ort. Vier Betroffene wurden in der Folge zwischen 12.15 und 12.30 Uhr mit dem Hubschrauber in Kliniken nach Leipzig und Halle geflogen. Dort gibt es spezielle Druckkammern, in denen die Verletzten weiterbehandelt werden. Nach Angaben der Polizei kamen zwei weitere Feuerwehrleute und fünf Polizeibeamte zur Behandlung wegen Atemwegsreizungen ins Krankenhaus.

Auslöser des Einsatzes war ein in Brand geratenes Silo, in dem das Unternehmen Späne lagert. Laut Geschäftsführer Jan Legler sei die Feuerwehr bereits am Morgen gegen 7 Uhr alarmiert worden, nachdem Glutnester in dem zu rund drei Vierteln gefüllten Silo entdeckt wurden. Im Anschluss haben die Einsatzkräfte versucht, Späne aus einer Öffnung im oberen Bereich des Silos abzutragen, zu löschen und über ein Förderband zu beräumen, wie Feuerwehreinsatzleiter Rüdiger Ulbricht erklärte. Daraufhin seien drei Kameraden zusammengebrochen, beschrieben Ulbricht und andere am Einsatz Beteiligte.

Warum es in dem Silo gebrannt hat, war gestern noch nicht eindeutig geklärt. Im Raum standen zunächst Mutmaßungen über einen technischen Defekt in der Siloanlage. Die Polizei hat inzwischen Ermittlungen aufgenommen. Den Angaben der Polizeidirektion Chemnitz zufolge gab es offenbar schon am Vortag einen Brand in dem Silo, der aber durch die Sprinkleranlage gelöscht wurde. Bei Wiederinbetriebnahme gestern Morgen sei erneut ein Feuer ausgebrochen.

Unklar war bis zuletzt auch, wie sich die Feuerwehrleute die Verletzungen zugezogen haben. Einsatzleiter Ulbricht erklärte, der erste Löschtrupp sei mit Atemschutz und Atemluft-Flaschen vorgedrungen. Im Anschluss sei der zweite Zug mit Atemschutzfiltern zu Werke gegangen - daraufhin ereignete sich das Unglück. Einsatzkräfte, die gestern Nachmittag mit der Auswertung des Qualm-Ausstoßes beschäftigt waren, vermuteten, das Gas habe sich schrittweise gesammelt und durch die Abtragarbeiten der Feuerwehrleute plötzlich glockenförmig entladen. Gesicherte Angaben gab es bis zum Abend allerdings noch nicht.

Aufgrund der Gefahrenlage mussten auch alle anderen am Einsatz beteiligten Feuerwehrleute und Polizeibeamte - insgesamt 47 Personen - untersucht werden. In der Folge gab es an der Talstraße in Rothenthal großes Aufsehen. Mehrere Einsatzwagen des Notarztes, Rettungsdienstes und Katastrophenschutzes sowie der Polizei waren neben Feuerwehrautos auf dem Firmengelände zugegen. Auf dem Hof wurden die Einsatzkräfte nach und nach untersucht, um Folgegefahren auszuschließen. Rund 100 Einsatzkräfte waren zugegen, bilanzierte die Rettungsleitstelle. An der Talstraße hatten sich zahlreiche Menschen versammelt und beobachtet, wie die Rettungshubschrauber landeten und wieder abhoben.

Die Feuerwehr wird indes noch länger mit dem Brand zu tun haben. Noch während des Großeinsatzes qualmte es dicht aus dem Silo. "Es wird wohl noch bis morgen dauern, bis der Einsatz beendet ist", erklärte Olbernhaus Stadtwehrleiter Steffen Kliem gestern. Vor Ort waren zunächst die Wehren aus Olbernhau, Rothenthal, Niederneuschönberg und Oberneuschönberg. Doch Kliem rechnete damit, dass in Anbetracht der Dauer und der notwendigen Atemschutzunterstützung weitere Wehren helfen müssen.

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